Ein blühendes Lavendelfeld.
Wird Lavendel bald in Thüringen angebaut? Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Lavendel aus Thüringen? Agrarexperten tüfteln an Strategien für den Klimawandel

Der Sommer 2018 war der trockenste und in Teilen Thüringens auch der wärmste Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881. Sonnenanbeter und Badelustige fanden das mit Sicherheit traumhaft schön. Den Landwirten allerdings dürfte dieser Sommer die eine oder andere Sorgenfalte mehr ins Gesicht gegraben haben.

von Sandra Voigtmann

Ein blühendes Lavendelfeld.
Wird Lavendel bald in Thüringen angebaut? Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Klima ändert sich - auch in Thüringen. Und das hat Folgen für die Thüringer Landwirtschaft. Deshalb werden bereits seit Jahren in der Lehr- und Versuchsanstalt Gartenbau in Erfurt Sortenversuche gemacht. Das betrifft sowohl den Obst- als auch den Gemüseanbau. Klar ist schon jetzt, unsere blühenden Landschaften in Thüringen werden sich verändern. Lavendel statt Blumenkohl und Wassermelonen statt Zwiebeln?

Der Rekordsommer 2018 hatte kaum Auswirkungen auf die Erntemengen, aber auf die Qualität der Ernte, sagt Monika Möhler, Fachbereichsleiterin Obstbau. Kirschen waren beispielsweise sehr klein und hatten kaum Fruchtfleisch - sogenannte tapezierte Kirschen. Es gab deshalb sehr viele nicht vermarktungsfähige Früchte. Ähnlich war es bei den Pflaumen. Aufgrund ihrer geringen Größe und wegen des dadurch festsitzenden Steins konnten viele Pflaumen nicht verarbeitet werden.

Aprikosen vertragen keinen Frost

Weil die Sommer immer häufiger trocken und lange warm sind, werden Versuche mit Steinobst aus südlichen Ländern gemacht. Bei Aprikosen beispielsweise hat sich bereits heraus gestellt, dass sie die langen späten Fröste im Frühjahr nur sehr schlecht vertragen. Dann sterben oft nicht nur die Blütenknospen ab, sondern auch ganze Bäume. Außerdem werden Süßkirschen aus Regionen getestet, in denen es lange heiß und trocken ist. Im Test sind beispielsweise Kirschen aus Bologna, Kalifornien und der Region "Summerland" in Kanada.

Tausende Kirschen liegen in Körben.
Eine reiche Kirschenernte gab es 2018 nicht. Bildrechte: MDR/Karin Bühner

Monika Möhler ist überzeugt, der Obstbau in Thüringen kann auch in der Zukunft nur wirtschaftlich bleiben, wenn es genügend Bewässerungswasser gibt. Schon jetzt setzen viele Obstanbaubetriebe auf Tropfenbewässerung. Bei Süßkirschen ist diese Bewässerungsmethode schon weit verbreitet, bei Pflaumen allerdings nicht, so Möhler. Außerdem habe sich in diesem extremen Sommer gezeigt, dass auch die Tropfenbewässerung ihre Grenzen hat. Wenn das Wasser ständig auf eine Stelle tropft und es nicht regnet, bilden sich um den Baum herum Salzflecken, sagt Möhler. Das habe bei Bäumen zu Schäden an den Blättern geführt. Die Wasserqualität sei deshalb enorm wichtig.

Bewässerung muss sichergestellt werden

Derzeit werde eine Wasserleitung von der Schmalwassertalsperre bei Tambach-Dietharz zur Fahner Höhe geplant, so eine Sprecherin der Thüringer Fernwasserversorgung. So könne Brauchwasser aus der Talsperre den Obstbauern zur Verfügung gestellt werden. Das Projekt wird vom Thüringer Landwirtschaftsministerium unterstützt und befindet sich bereits in der Planung. Mit dem Bau soll noch in diesem Jahr begonnen werden.

Essigfliege mit Safttropfen auf einer Pflaume.
Die Essigfliege oder auch Fruchtfliege. Bildrechte: imago/blickwinkel

Die Hitze und die Trockenheit des Sommers 2018 haben auch Schädlinge begünstigt. So gab es in diesem Jahr extrem viele Blattläuse, Kohlmottenschildläuse, Käfer oder sogennante Essigfliegen. Damit waren die Pflanzen nicht nur Hitze- und Trockenstress ausgesetzt, sondern auch vermehrtem Schädlingsbefall. Schon jetzt zeigt sich laut Monika Möhlers auch, dass immer mehr Schädlinge einwandern. Beispielsweise macht den Obstbauern eine aus Südeuropa eingewanderte Essigfliege zu schaffen. Sie hat eine Art Säge am Hinterteil und verletzt damit intakte Früchte, um ihre Eier darin ablegen zu können. Einheimische Arten nutzen ausschließlich beschädigte Früchte als Kinderstube.

Angebotssaison wird sich verlängern

Schon jetzt zeigt sich in den Studien der Lehr- und Versuchsanstalt Gartenbau, dass sich die Angebotssaison bei den Obstsorten durch den Klimawandel in Thüringen verlängert. Bei Kirschen beispielsweise gab es früher sechs Erntewochen, derzeit sind es acht und in Zukunft werden es wohl zehn sein, sagt Monika Möhler.

Auch Gemüsebauern müssen sich auf den Klimawandel einstellen, so Martin Krumbein, Fachbereichsleiter Gemüsebau. Derzeit wird in der Lehr- und Versuchsanstalt Gartenbau geprüft, ob auch Zucchini, Süßkartoffeln, Zucker- und Wassermelonen oder Physalis zukünftig in Thüringen großflächig angebaut werden können.

Melone aufgeschnitten.
Melone aus Thüringen? Bildrechte: Colourbox

Auch Lavendelfelder schließt Krumbein in Thüringen in einigen Jahren nicht aus. Lavendel gehört zu den Arzneipflanzen, die in Thüringen traditionell schon lange als Drogen oder für Tees angebaut werden. Krumbein geht allerdings nicht davon aus, dass sich das Anbauspektrum beim Gemüseanbau komplett ändert. Man könne zwar alles Mögliche testen, was man anbauen kann, so Krumbein, aber es muss auch zu vermarkten sein und der Absatz muss stimmen. Und auf dem Gemüsemarkt ist die Konkurrenz groß.

Versuche mit trockenheitsrobusten Bäumen

Ob der heiße Sommer Auswirkungen auf die nächste Spargelsaison hat, könne noch nicht genau gesagt werden. Während der Ernte von April bis Juni hat es zwar genug geregnet, so Martin Krumbein. Ihre Kraft fürs nächste Jahr holen sich die Pflanzen allerdings im Sommer. Und ob die Trockenheit Auswirkungen auf die Massebildung der weißen Stange hat, bleibe abzuwarten.

ThüringenForst stellt sich ebenfalls auf den Klimawandel ein. In einem etwa zwei Hektar großen Anbauversuch in einer sehr trockenen Waldregion Thüringens wurden sogenannte trockenheitsrobuste Arten angepflanzt, sagt Pressesprecher Horst Sproßmann. Zu ihnen gehören Bäume wie die Orient-Buche, Türkische Tanne, Libanon-Zeder, Hemlock-Tanne oder Silber-Linde. Sie stammen ursprünglich aus Südosteuropa. Die Anbauversuche laufen in anderen Bundesländern parallel und werden in einem Bundesforschungsprogramm koordiniert.

Quelle: MDR THÜRINGEN

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit vom Tag | 08. November 2018 | 18:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. November 2018, 20:13 Uhr

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2 Kommentare

10.11.2018 10:34 martin 2

Ich finde es gut, dass sich Land- und Forstwirtschaft auch in Thüringen beginnt, sich mit den Folgen des Klimawandels zu beschäftigen.

Denn unabhängig von der Frage, zu welchen Teile er "menschgemacht" ist: Dass es zu deutlichen Veränderungen kommen wird, kann ernsthaft ja nicht mehr bestritten werden.

Allerdings sind einige Bundesländer schon erheblich früher in die Thematik eingestiegen. Im Harz ist die Frage des Waldumbaus seit langem ein Thema. Kein Wunder: Waldumbau dauert 80 Jahre - so weit müssen Förster, die ihren Job ernst nehmen, in die Zukunft denken und planen ....

08.11.2018 20:54 es scheint so, als 1

würde Thüringen mal nicht zu lange warten, sondern frühzeitig zu handeln.

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