Unterricht in einer Grundschule
Schüler in einer Grundschule Bildrechte: IMAGO

Bildungspolitik Neues Schulgesetz: Lehrer befürchten viel Pendelei

Keine Schulschließungen, aber ein stärkerer Austausch zwischen kleinen Schulen - das sieht der Entwurf zum neuen Thüringer Schulgesetz unter anderem vor. Lehrerverbände reagieren verhalten.

Unterricht in einer Grundschule
Schüler in einer Grundschule Bildrechte: IMAGO

Die Berufsverbände der Lehrer sehen den neuen Entwurf des Schulgesetzes von Bildungsminister Helmut Holter (Linke) kritisch. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft GEW befürchtet durch Schulkooperationen im großen Stil schlechtere Arbeitsbedingungen für Lehrer. Einspareffekte beim Personal seien nicht offensichtlich, so GEW-Landeschefin Kathrin Vitzthum. Bei Kooperationsmodellen müssten entweder die Schüler transportiert werden oder die Lehrer zwischen den Schulstandorten pendeln.

 Rolf Busch, Vorsitzender des Thüringer Lehrerverbandes (TLV)
Rolf Busch, Vorsitzender des Thüringer Lehrerverbandes (TLV) Bildrechte: dpa

Der Thüringer Lehrerverband erwartet, dass der Landtag das Schulgesetz im parlamentarischen Verfahren stark verändern wird. Der Lehrerverbands-Vorsitzende Rolf Busch sagte, die Schulmindestgrößen seien zu hoch angesetzt und würden voraussichtlich so keinen Bestand haben. Dennoch begrüßen Lehrerverband und GEW, dass die Schulmindestgrößen jetzt per Gesetz und nicht wie ursprünglich geplant in einer einfachen Verordnung geregelt werden.

Die Thüringer Landesregierung präsentiert am Dienstag ihren Entwurf für ein neues Schulgesetz. Darin legt sie unter anderem Mindestgrößen für die Lerneinrichtungen fest:

  • Dorfgrundschulen (bis 6.500 Einwohner) 80 Schüler
  • Stadtgrundschulen 160 Schüler
  • Regelschulen 242 Schüler
  • Gesamtschulen 396 Schüler
  • Gymnasien 540 Schüler

Für Schulen, die kleiner sind, soll es künftig Kooperationen mit anderen Schulen geben. Sie würden damit erhalten bleiben, aber nicht als eigenständige Einrichtungen. Das Lehrerkollegium kleiner Schulen müsste entsprechend zusammenzulegt werden. Die CDU-Fraktion im Landtag monierte bereits, dass dadurch sowohl Schüler als auch Lehrer gezwungen wären, während der Unterrichtszeit zu pendeln anstatt zu lernen.

Helmut Holter, Bildungsminister Thüringen
Helmut Holter, Bildungsminister in Thüringen Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bildungsminister Helmut Holter (Linke) hatte angekündigt, auf Schulschließungen verzichten zu wollen. Mindestens 20 Schüler sollen künftig in einer Grundschulklasse lernen - in Regelschulklassen mindestens 22 Schüler. Dadurch will Holter Lehrer effektiver einsetzen. Laut dem neuen Schulgesetz wird es weiter Förderschulen geben. Der gemeinsame Unterricht von Schülern mit und ohne Förderbedarf bekommt aber Vorrang. Möglich wird beispielsweise zeitlich beschränktes Lernen in Extra-Lerngruppen. Nach der Sommerpause soll das Schulgesetz in den Landtag eingebracht werden. Es soll ab 1. Januar 2020 gelten und im Schuljahr 2023/24 vollständig von den Kommunen als Schulträger umgesetzt werden.

Reaktionen aus dem Landtag

Die Opposition im Thüringer Landtag kritisierte den Entwurf. Der bildungspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Christian Tischner, warf der Landesregierung vor, mit ihrer Schulgrößenplanung "komplett an den Gegebenheiten in Thüringen vorbeizugehen." Rot-Rot-Grün verliere die realen Siedlungsstrukturen völlig aus dem Blick. Wird laut Tischner Gesetz, was der Schulminister jetzt vorgelegt hat, genügen mindestens ein Drittel aller Thüringer Schulen nach einer überschlägigen Rechnung nicht mehr den gesetzlichen Normen. Das Grundproblem lasse sich auch durch Kooperationen nicht heilen. Zunehmen werde die Zahl der gefahrenen Kilometer, aber nicht die der unterrichteten Stunden, so der CDU-Politiker.
Für die AfD kritisierte die Landtagsabgeordnete Wiebke Muhsal, dass Kultusminister Holter einerseits sage, dass er den Schulen nichts vorschreiben wolle, er sie andererseits in Kooperationen mit anderen Schulen zwinge. Das laufe laut Muhsal darauf hinaus, dass entweder Schüler oder Lehrer künftig zwischen verschiedenen Schulen pendeln müssten. Sprecher der Koalitionsfraktionen von Linke und Grünen begrüßten den Gesetzentwurf dagegen uneingeschränkt.

Quelle: MDR THÜRINGEN

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 22. Mai 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Mai 2018, 19:46 Uhr

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23 Kommentare

24.05.2018 18:00 Martin Schmidt 23

Ich seh schon: es wird gependelt und alle Lehrer sind genervt, aber mehr Unterricht findet nicht statt.

23.05.2018 23:20 part 22

Die Lehrerschaft pendelt doch bereits seit Jahrzenten und nicht erst unter RRG, doch besser ein Lehrer pendelt als ganze Schulklassen. Absehend von der Kostenfrage kommt hier auch positive Entwicklungsmöglichkeiten auf Thüringens Schüler zu, die mit Pendelzeiten nur unnötig belastet werden würden.

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