Gehaltscheck In diesen Berufen verdient man in Thüringen am besten

Wo verdient man gut - und wo wird schlecht bezahlt? Zahntechniker oder Arzt, Grafikdesigner oder Softwareingenieur, Maurer oder Helfer in der Altenpflege: Oft ist nicht die Branche für das Gehalt entscheidend, sondern der konkrete Beruf, den man darin ausübt. MDR THÜRINGEN hat ausgewertet, wie hoch die Löhne in den einzelnen Berufen sind und in welchen Jobs man die besten Gehaltschancen hat.

Eine Laborassistentin
Top-Verdiener in Thüringen: Ärzte, Chemiker und leitende Stellen in der IT Bildrechte: imago images / Panthermedia

Wenn man in Thüringen zu den Spitzenverdienern zählen will, sollte man Arzt, Jurist, Chemiker sein oder eine leitende Position in der IT-Branche haben. Diese Berufe stehen ganz oben in der Gehaltstabelle für Thüringen. Das geht aus Daten des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung hervor. In dem vom Institut betreuten Lohnspiegel werden Erwerbstätige kontinuierlich in einer Online-Umfrage nach ihren Brutto-Einkünften befragt.

In dem bestbezahltesten Beruf bekommt man in Thüringen rund 5.850 Euro (Ärztin oder Arzt) brutto. Fast 75 Prozent weniger verdient man als Küchenhelfer - rund 1.520 Euro. Im Freistaat ist das der am schlechtesten bezahlte Beruf und liegt mit einem Stundenlohn von 9,23 Euro auf dem Niveau des Mindestlohns (Wochenarbeitszeit 38 Stunden).

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Top-Verdiener: Chemie- und Ingenieurberufe

Die Spitzenverdiener findet man in Thüringen in den Gesundheitsberufen, in der Chemie, der IT-Branche, in Ingenieursberufen oder dem Handel. Hier verdient man zwischen 4.100 Euro und 5.850 Euro.

Im Mittelfeld der Gehälter zwischen 2.960 Euro und 4.400 Euro finden sich Berufe wie Lehrer, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni, Bauingenieur und Bauleiter, Programmierer und Redakteur.

Im unteren Drittel der Verdienste, gemessen an den Spitzenlöhnen, findet man unter anderem den Industriekaufmann, den Sozialpädagogen, den Mechatroniker, den Grafikdesigner und den Altenpfleger.

Die am schlechtesten bezahlten Jobs sind der Küchenhelfer, Bäckereifachverkäufer und der Restaurantfachmann oder Arbeiten als Gebäudereiniger, Arzthelfer oder Zahnmedizinischer Fachangestellter.

Gute Chancen in der IT - starke Abweichung zum Bundesdurchschnitt

Wenn man sich die einzelnen Branchen anschaut, ergeben sich jedoch teils erhebliche Unterschiede - je nachdem welchen konkreten Beruf man ausübt.

Keine Überraschung ist der Blick auf die IT-Branche. Hier hat man durchgehend gute Verdienstmöglichkeiten im Freistaat. Die Gehaltsliste führt hier eine leitende Position in der IT mit 4.400 Euro an, gefolgt vom IT-Berater mit rund 4.070 Euro. Software-Ingenieure und Programmierer verdienen zwischen 3.750 Euro und 3.340 Euro. Ein Fachinformatiker verdient im Schnitt in Thüringen etwa 3.010 Euro.

Für viele Berufe in diesem sich schnell entwickelnden Bereich gibt es aber noch keine ausreichenden Daten nur für Thüringen. Bundesweit werden für Berufe wie Netzwerktechniker, UX-Designer, Sicherheitskoordinator oder Data Scientist Gehälter zwischen 3.430 und 5.000 Euro gezahlt.

Wenn man die Gehälter in Thüringen mit den bundesweit typischen Gehältern vergleicht, werden in der IT-Branche rund 450 bis 1.000 Euro weniger in den jeweiligen Berufen gezahlt. Mit den mittleren Werten für Deutschland verglichen, verdient ein Programmierer in Thüringen etwa 640 Euro weniger, ein IT-Berater rund 940 Euro und ein Software-Ingenieur knapp 1.000 Euro weniger.

Schlecht- und Gutverdiener in den Gesundheitsberufen

Eine bestimmte Berufsgruppe oder Branche ist aber kein Garant dafür, gute Löhne zu erzielen. Wie man in dem Datensatz des Lohnspiegels erkennen kann, ist in der Gruppe der Gesundheitsberufe der Unterschied zwischen den Bezahlungen am höchsten. Hier kommt es ganz darauf an, ob man Arzt, Psychologe, Krankenschwester oder Arzthelfer ist.

Zwischen 5.850 Euro und 1.640 Euro verdient man in dieser Branche. Ein zahnmedizinischer Fachangestellter verdient im Mittel etwa 1.640 Euro - mit 10 Euro pro Stunde (bei einer 38-Stunden-Woche) nicht einmal einen Euro über dem Mindeslohn. Ein Arzthelfer erhält 1.730 Euro im Monat, ein Zahntechniker rund 1.940 und als Physiotherapeut hat man einen Lohn von etwa 2.060 Euro. 500 Euro mehr verdienen Krankenpfleger oder Krankenschwestern. Psychologen kommen laut Lohnspiegel auf rund 3.990 Euro.

Um als zahnmedizinischer Fachangestellter zu arbeiten, benötigt man im Vergleich zur Ausbildung als Arzt in der Regel einen mittleren Bildungsabschluss. Danach absolviert man eine dreijährige Ausbildung, die in Thüringen mit bis zu 890 Euro brutto im Monat vergütet wird. Wenn man als Arzt arbeiten will, muss man ein Medizinstudium absolvieren, dem dann eine in der Regel fünf- bis sechsjährige Facharztausbildung folgt.

Insgesamt sind die Abweichungen zu den Löhnen im Bundesdurchschnitt in den Gesundheitsberufen nicht so groß. Im Mittel liegen die Gehälter in Thüringen etwa 300 Euro bis 500 Euro niedriger als der mittlere Lohn in Deutschland.

Welche Berufe Berufsanfängern empfohlen werden

Jährlich wird für Thüringen ein Chancenatlas der Bundesagentur für Arbeit herausgegeben, der Schülern und Berufsanfängern gute Einstiegs- und Übernahmemöglichkeiten im Freistaat auflistet - und wo Jobs gesucht werden.

Interessant ist dabei, dass viele der an erster Stelle aufgeführten Berufe oft nur in einem mittleren oder unteren Einkommensfeld liegen. Topverdiener unter denen sind bei einer zehnjährigen Berufserfahrung der Erzieher mit 2.630 Euro im Monat und der Mechatroniker mit 2.580 Euro.

Unter den weiteren Berufen mit Zukunftschancen wird der Krankenpfleger beziehungsweise die Krankenschwester, die 2.514 im Monat verdient, geführt. Dicht folgen der Industriemechaniker mit rund 2.450 Euro und der Elektroniker, der ein Gehalt von rund 2.440 Euro hat. Im Tiefbau verdient man rund 2.360, als Sacharbeiter 2.270 Euro und als Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik etwa 2.080 Euro. Unter 2.000 Euro verdienen der Berufskraftfahrer (1.890 Euro), der Koch mit 1.700 Euro und der Bäckereifachverkäufer mit 1.580 Euro.

Für fast alle Regionen Thüringens werden Tier- und Landwirte an erster Stelle aufgeführt. Leider stehen im Lohnspiegel für diese Berufsgruppe keine ausreichenden Daten zur Verfügung.

Datenbasis und Methodik

Die Daten des Portals Lohnspiegel.de beruhen auf einer kontinuierlichen Online-Umfrage unter Erwerbstätigen in Deutschland. Die Umfrage ist nicht-repräsentativ, erlaubt aber aufgrund der Fallzahlen detaillierte Einblicke in die tatsächlich gezahlten Entgelte, so das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der Hans-Böckler-Stiftung.

Für den MDR haben die Statistiker die Angaben von mehr als 425.000 Befragten ausgewertet, darunter 8.600 aus Thüringen. Da sich die Monatsgehälter je nach Berufserfahrung und wöchentlicher Arbeitszeit unterscheiden, sind alle Gehaltsangaben Schätzungen für einen standardisierten Fall: eine Arbeitnehmerin bzw. einen Arbeitnehmer mit zehn Jahren Berufserfahrung und einer Wochenarbeitszeit von 38 Stunden (brutto, ohne Sonderzahlungen). Die Lohnangaben entsprechen dem Median der Gehälter. Das heißt, die eine Hälfte der Befragten verdient weniger und die andere Hälfte mehr als dieser mittlere Wert.

Einige Berufe, wie Pilot, Fluglotse oder Forschungs- und Entwicklungsingenieur, die in der bundesweiten Liste in den Top 10 stehen, liegen nicht mit ausreichenden Fallzahlen für Thüringen vor. Stichtag für die Daten ist der 2. Oktober 2019.

Aufgrund der statistischen Fehlermarge sind alle Angaben nur Richtwerte; kleine Unterschiede zwischen einzelnen Bundesländern lassen sich inhaltlich nicht sinnvoll interpretieren. Für Berufe, in denen der Frauen- bzw. Männeranteil sehr klein ist, sind die Auswertungen für das jeweilige Minderheitengeschlecht nur grobe Anhaltspunkte. Individualisierte Gehaltsvergleiche unter Berücksichtigung weiterer Merkmale können für mehr als 500 Berufe auf www.lohnspiegel.de im Lohn- und Gehaltscheck abgerufen werden.

Der Lohnspiegel ist ein nicht-kommerzielles Angebot und wird vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung betreut.

Quelle: MDR THÜRINGEN/mp

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 19. Oktober 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Oktober 2019, 16:59 Uhr

3 Kommentare

Elsburg vor 5 Wochen

Elsburg

Wäre sehr schön zu den differenzierten, vergleichbar gemachten, standardisierten ArbN-Bruttobezügen, ...
1.} welche Mindedtanzahl f.Thür jeweis nötig wär bzgl Erhebungs-Einzel-Standardperson "nicht meßbarer Gruppen", +wie groß INSGESAMT diese jeweilige (kleine) Kohorte ist in Thür,wie Ldw-Tierpfleger-Piloten-.. für Standardziffern noch nicht so einfach ermittelbar sind;

2.} bei allen Balkendiagrammen jeweils ein weiteres
~von rechts nach links wachsend~
+da die jeweils schätz-ermittelte statistische Kohorten- Personengesamtzahl in Thür angeben! Diese Häufungsziffern zeigen den Lesern sofort,wie groß-umfangreich jeweilige Gruppe etwaiger Mitbewerber um Anstellung ist,dh wie sehr besteht Chsnce iVm Marktenge!

Anm:
Übrigens ist Lesbarkeit schwarzer Ziffern in einigen vollfarbigen Diagramm-Balken nicht klar genug, die mitteldunkle Voll-Färbung bietet zu wenig Kontrast zu SchwarzZiffern - farblos=weiß wär'da sinnvoller od.einheitlich deutlich alle Balken nur als Umriß!

part vor 5 Wochen

@KFK, Sie haben das Dienstwagenprinzip in der BRD vergessen, wo nach übergroße SUV oder Nobelkarossen für einen Appel und ein Ei als Steuerabsetzungen für einen geringen Betrag bestimmte Berufsgruppen noch weiter privilegieren als leitende Angestellte. Das Ganze nennt sich Geldzuflußprinzip und ist seit Jahrtausenden unverändert, mit wenigen kurzen Unterbrechungen in der Geschichte der Menschheit.

kleinerfrontkaempfer vor 5 Wochen

Aus diesen Einkommen folgen dann reduzierte Renten, Krankengeld, ALO-Geld.
Welch gütiger Ausgleich sind dann die von offizieller Seite verkündeten "Niedrigen Lebenshaltungskosten in den neuen Bundesländern. Nur machen die sich bei den unmittelbar Betroffenen nicht bemerkbar. Die vermissen nämlich auch noch Zusatzzahlungen wie Weihnachts+Urlaubsgeld+Jahressonderzahlungen+Essengeldzuschüsse+Tankgutscheine+ÖPNVFahrkarten+...........
Aber vielleicht sollten 2 Millionen Thüringer umschulen zum Arzt, zum Chemiker, zum Juristen oder EDV-Spezi. Dann sind Ermittlungen des MDR obsolet.

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