Nager-Plage Umweltministerium schließt Einsatz von Mäusegift in Thüringen nicht mehr aus

Wegen Schäden auf Feldern fordern Thüringer Landwirte, dass der Einsatz von Giftködern erlaubt wird. Nun geht das Umweltministerium auf sie zu. Der Artenschutz soll jedoch im Blick behalten werden - etwa für den Feldhamster.

Eine Feldmaus blickt in die Kamera
Die Feldmaus fühlt sich in landwirtschaftlichen Kulturlandschaften wohl. Ihre Fressfeinde sind vor allem Greifvögel - doch ihnen fehlt es an Lebensraum. Bildrechte: imago/Reiner Bernhardt

Im Kampf gegen die Mäuseplage in der Landwirtschaft geht das Thüringer Umweltministerium auf die Thüringer Bauern zu und rückt von einem strikten Giftköder-Verbot ab. Staatssekretär Olaf Möller sagte MDR THÜRINGEN, der Einsatz der Köder sei unter Auflagen denkbar. Allerdings müsse man dabei auch den Artenschutz etwa für Feldhamster und Greifvögel im Blick haben.

Der Vorschlag des Umweltministeriums sieht vor, dass landesweit etwa 100 Gutachter bestellt werden. Sie sollen prüfen, ob auf den Äckern Feldhamster leben. Falls die Hamster nicht nachgewiesen werden können, dürfen die Gift-Köder gegen die Mäuse eingesetzt werden. Feldhamster sind stark gefährdet und als Art streng geschützt.

Bauern klagen über Schäden durch Mäuse

Der Thüringer Bauernverband hatte zuletzt mehrfach über erhebliche Schäden geklagt, die in diesem Jahr Mäuse auf den Feldern verursachen würden. Gefährdet ist demnach auch die neue Saat, die im Herbst ausgebracht wird. Die Landwirte hatten daher gefordert, trotz der Schutzvorschriften für den Hamster in diesem Jahr eine Ausnahmeerlaubnis für den Einsatz von Gift-Ködern gegen die Mäuse zu erhalten.

Innerhalb der rot-rot-grünen Landesregierung hatten sich das von Grünen geführte Umweltministerium mit dem von Linken geführten Landwirtschaftsministerium über den Einsatz von Mäusegift gestritten.

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CDU-Fraktion kritisiert Umweltministerium - Nabu lehnt Gifteinsatz ab

Die CDU-Fraktion im Thüringer Landtag kritisierte, das Umweltministerium spiele auf Zeit. Der Einsatz der Gutachter dauere viel zu lange und helfe den Landwirten in ihrer akuten Not nicht.

Der Naturschutzbund Nabu kritisierte dagegen den möglichen Gifteinsatz generell. Dieses Vorgehen sei extrem gefährlich und würde den letzten Feldhamstern den Garaus machen, so ein Sprecher. Die Hamsterbestände könnten gar nicht genau erfasst werden. Außerdem würden sich viele Mäuse auffällig verhalten und Krankheiten haben. Das könne ein Zeichen dafür sein, dass sich die Mäusepopulation im Zusammenbruch befindet.

Quelle: MDR THÜRINGEN/mm

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 13. August 2020 | 19:00 Uhr

33 Kommentare

THOMAS H vor 5 Wochen

Lothar Thomas: "Schaffe Dir ein Feuchtbiotop und setze dann Ringelnattern aus."
Da es an und zwischen den Feldern keine Wassergräben und Grünstreifen mehr gibt (als ich 1982 in einer LPG gelernt habe, gab es sogar noch eine extra Brigade, welche für die Gräben und Streifen zuständig war), würde, durch das wieder Anlegen dieser Gräben und Grünstreifen (welche auch als Schutz vor Schlammfluten bei Starkregen ihre Berechtigung haben) auch Ringelnattern ein Lebensraum geschaffen und manch Maus würde es dann auf den Feldern nicht mehr geben.

Kalkbrenner vor 5 Wochen

Ich finde in dem Zusammenhang die Drucksache 7/612 des Thüringer Landtags mit dem Titel "Mögliche Mäuseplage in Thüringen durch mildes Winterwetter" aus dem März 2020 sehr interessant. Es ist die Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage und zeigt, dass die Landesregierung bisher nicht so wirklich was gemacht hat. Schade das dieses interessante Dokument bisher nicht in der öffentlichen Diskussion angesprochen wurde. Na ja, vielleicht ändert sich das ja noch.

CrizzleMyNizzle vor 5 Wochen

Hi Erich, Lothar und Jan.

alles nette Vorschläge :D, allerdings etwas schwieriger umzusetzen. Ist kein Garten am Haus, sondern in einer Gartenanlage. Dort sind Katzen nicht erlaubt (wohl auch zu recht), sonst wären unsere beiden Stubentiger den Sommer über immer dort zu finden ;)

Die Idee mit den Schlangen hat allerdings was, nur weiß ich nicht wirklich wie ich das umsetzen sollte :)

Die komplette Anlage ist vermaust. Wir sind gerade auf Karbid, das tötet die Mäuse nicht und schadet auch den Pflanzen nicht. Man legt das in die Gänge und die Bodenfeuchte lässt es dann ausdampfen (stinkt heftig), wir merken auch dass es die Mäuse vertreibt... allerdings dann nur in Nachbargärten oder auf ein anderes Beet und die kommen schnell zurück.
Das Beste ist wohl ein harter Winter mit 2-3 Wochen heftigen Minusgraden.

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