Landwirtschaft Debatte um Gift gegen Mäuseplage - Thüringer CDU will Hamster neu erfassen

Der milde Winter hat zur Folge, dass die Thüringer Mäusepopulation extrem gewachsen ist. Die vermehrungsfreudigen Kleinnager bereiten jedoch den Bauern des Freistaats Sorgen. Die Tiere sind in der Lage, große Teile des Ernteertrages der Bauern zu fressen. Landwirte möchten die Tiere mit Gift bekämpfen - das ist jedoch verboten, weil es auch den streng geschützten Feldhamster gefährdet.

Feldhamster mit Nachwuchs
Aus Rücksicht auf Feldhamster werden in Thüringen keine Giftköder eingesetzt. (Archivbild) Bildrechte: imago images/blickwinkel

Die Debatte um die Mäuseplage in diesem Sommer in Thüringen geht weiter. Laut CDU-Fraktion soll die Zahl der Feldhamster neu erfasst werden. Die Bekämpfung der Mäuseplage könne nicht an Hamsternachweisen von 1990 scheitern, sagte der landwirtschaftspolitische Sprecher Marcus Malsch. Es sei wichtig, die Hamsterschutzgebiete zu aktualisieren, um die tatsächlichen Vorkommen und Verbreitungsgebiete realistisch bewerten zu können.

Feldhamster: Giftköder gegen Mäuse wegen geschützter Art verboten

Hintergrund ist, dass Bauern keine Giftköder im Kampf gegen die Mäuse auslegen dürfen, um den seltenen Feldhamster nicht zu gefährden. Der Feldhamster ist eine nach EU-Recht streng geschützte Tierart. Die Feldhamsterpopulation in Thüringen ist seit den 1950er-Jahren stark zurückgegangen.

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Wegen der massiven Mäuseplage in diesem Sommer fordert der Thüringer Bauernverband eine Ausnahmegenehmigung zur chemischen Schädlingsbekämpfung. Betroffen ist demnach vor allem das Thüringer Becken und Nordthüringen, wo die Nager einen Großteil der Ernte wegfräßen.

Die dadurch verursachten Schäden bei den betroffenen Landwirten bezifferte der Verband auf bis zu 400 Euro je Hektar Anbaufläche. Deshalb fordert er die Verlängerung des Zeitraums, in dem der Einsatz der Pflanzenschutzmittel gegen Mäuse erlaubt ist. Dies sei bislang erst ab Ende Oktober möglich, sagte der Sprecher. Der Thüringer Staatsekretär für Landwirtschaft, Torsten Weil, positionierte sich in einer Videobotschaft via Twitter an der Seite der Bauern und ihrer "berechtigten Forderungen".

Thüringen: Naturschutzbund fordert landschaftliche Umgestaltung

Wie der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) spricht sich auch der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) seit Jahren gegen Gift zur Bekämpfung von Mäusen aus und fordert stattdessen neue Konzepte in der Landwirtschaft.

Es fehle insbesondere an natürlichen Fressfeinden der Nagetiere, sagt Nabu-Volgelexperte Tino Sauer in einem Beitrag auf der Website des Naturschutzbundes. Es brauche demnach ein Erneuerungsprogramm für Feldgehölze, um Eulen und Greifvögeln den nötigen Lebensraum zu geben, der ihnen derzeit fehle. Man verstehe jedoch, dass die Bauern eine landschaftliche Neugestaltung nicht ohne Unterstützung leisten könnten.

Ministerium wirft CDU "Fake News" vor

Nach Ansicht des Thüringer Umweltministeriums erweckt die CDU den Eindruck, dem Ministerium lägen lediglich Daten aus 1990 über Feldhamster vor. Das sei falsch. Die oberste Naturschutzbehörde habe nie eine bessere Übersicht für die Vorkommen gehabt als heute. Allein in den letzten drei Jahren habe das Ministerium 118.000 Euro investiert, um die Populationen in 35 Schwerpunktgebieten zu erfassen, heißt es.

Außerdem liege ein aktueller FFH-Bericht von 2019 vor, der alle sechs Jahre erneuert werden müsse und die Vorkommen aus den letzten zwölf Jahren einbeziehe.

Quelle: MDR THÜRINGEN/ls

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 12. August 2020 | 05:00 Uhr

20 Kommentare

part vor 4 Wochen

Mit der Vergiftung von Mäusen nimmt man nachfolgend auch die Vernichtung der Beutegreifer in Kauf, die nicht nur aus Greifvögeln besteht, sondern mit Eulenvögeln, Krähen, Fuchs, Wolf, Igel, Katze, Luchs, Kranich, Storch, Marderartige und andere Allesfresser eine breite Artenvielfalt darstellt, die ihrerseits abhängig ist von einer gesunden Mäuspopulation. Manche Stilllegungsfläche auf unwirtschaftlichen Grund bringt heute mehr Einnahmen als deren Bewirtschaftung dank EU. Das Jammern der Erzeuger ist leider fast in allen vier Jahreszeiten zu vernehmen und Konkurse sind mir bisher nur bei Spargelbauern bekannt. Landwirtschaft sollte mit der Natur im Einklang stehen und nicht noch die restliche Natur auf Dauer schädigen. Viele Mäuse kommen zudem unter die Räder von Autos oder werden nach der Ernte bei der Neukultivierung getötet.

Theodor Dienert vor 5 Wochen

Genau Erich, es geht um die Saat!
Und wenn du dich genau informiert hättest, wüsstest du, dass es um die Saat vom Winterraps geht, denen die Mäuse jetzt gern fressen.
Also die Menschheit braucht den Raps nicht zum überleben. Den braucht die Agrarindustrie um Energiepflanzen zu produzieren.
Unsere Landwirte sollten sich jedoch auf ihre eigentliche Aufgabe besinnen, und die besteht darin die Bevölkerung mit gesunden unbelasteten Lebensmitteln zu versorgen.
Und zwar ohne Glyphosat, Giftködern, Pflanzenschutzgiften, übermäßigen Nitrateintrag oder sonstigen Insektenvernichtungsmitteln...!

Dorfmensch vor 5 Wochen

Werte Landwirtschaftskritiker,
da viele von Ihnen keinen Kompromiss wünschen, möchte ich gern an grundlegende Dinge erinnern.
Die Landwirtschaft stellt nach wie vor die Rohstoffe für Ihre Lebensmittel her. Die Lebensmittel fallen nicht vom Himmel herunter oder werden im Lager des Supermarktes gemischt, sind sondern das Ergebnis der Arbeit vieler fleißiger Leute. Die regionale Massenvermehrung der Feldmäuse hat erhebliche Ertragsausfälle zur Folge. Die Konsequenz daraus, wäre dass Sie bei Ihrem Bäcker oder Backstand nur noch ein halbes Brot bekommen, die andere Hälfte haben die Mäuse gefressen.

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