Ein vermummter Polizist läuft im Morgengrauen an fünf am Straßenrand geparkten Polizei-Mannschaftswagen vorbei.
Durchsuchung in Thüringen (Symbolfoto) Bildrechte: MDR/Marcus Scheidel

DIA-Jahresbericht Italienische Ermittler bestätigen Mafia-Geschäfte in Thüringen

In Thüringen und Sachsen werden Gelder aus kriminellen Geschäften der 'Ndrangheta gewaschen und vor allem in Immobilien investiert: Davon geht die italienische Anti-Mafia-Behörde DIA aus.

Ein vermummter Polizist läuft im Morgengrauen an fünf am Straßenrand geparkten Polizei-Mannschaftswagen vorbei.
Durchsuchung in Thüringen (Symbolfoto) Bildrechte: MDR/Marcus Scheidel

Die italienische Mafia ist weiterhin stark in Thüringen und Sachsen aktiv. Das geht aus dem aktuellen Jahresbericht der italienischen Anti-Mafia-Behörde DIA (Direzione Investigativa Antimafia) hervor, der im italienischen Parlament vorgestellt wurde und MDR THÜRINGEN vorliegt.

Nach Angaben der Behörde ist die kalabrische 'Ndrangheta in beiden Bundesländern fest etabliert. Die DIA geht davon aus, dass in Thüringen und Sachsen Gelder aus kriminellen Geschäften der 'Ndrangheta gewaschen und vor allem in Immobilien investiert werden. Dabei nutze die 'Ndrangheta auch Kontakte zu osteuropäischen kriminellen Organisationen, heißt es im DIA-Jahresbericht. Der Bericht stellt die Erkenntnisse zu den weltweiten Aktivitäten italienischer Mafia-Gruppen dar.

Hochrangiger 'Ndrangheta-Boss festgenommen

Erst in der vergangenen Woche ist es der italienischen Polizei gelungen, einen hochrangigen, flüchtigen 'Ndrangheta-Boss festzunehmen. Auch hier gibt es Verbindungen nach Deutschland und Thüringen. Die Carabinieri spürten Francesco Strangio, der eine 14-jährige Haftstrafe absitzen muss, in Kalabrien auf. Der einflussreiche Mafiaboss hat mutmaßlich die Logistik für den Kokain-Schmuggel mit Standorten in Deutschland, den Niederlanden und Belgien gemanagt. Auch in Thüringen sind Ermittler nach Informationen von MDR THÜRINGEN immer wieder auf Aktivitäten des Strangio-Clans gestoßen.

"Erfurter Gruppe"

Die DIA und das Bundeskriminalamt gehen davon aus, dass seit Mitte der 1990-er Jahre die kalabrische 'Ndrangheta in Thüringen und Sachsen existiert. Nach Recherchen von MDR THÜRINGEN wird sie durch die sogenannte "Erfurter Gruppe" gesteuert, einer 'Ndrangheta-Zelle, zu der etwa zwei Dutzend Mitglieder gehören. Die Ermittler gehen davon aus, dass durch die "Erfurter Gruppe" Geldwäschegeschäfte organisiert werden. Die 'Ndrangheta gilt als der größte, europäische Kokain-Importeur. Ihr Jahresumsatz wird auf 55 bis 60 Milliarden Euro geschätzt.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 19. Februar 2019 | 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Februar 2019, 20:33 Uhr

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39 Kommentare

20.02.2019 19:00 part 39

Thüringen und die BRD sind mittlerweile nur noch Durchgangsstationen zu Geldwäsche, die großen Geschäfte finden längst weiter ostwärts statt, außer bei einigen Koksmetropolen. Doch neben der Mafia gibt es noch die Schattenwirtschaft, die ebenfalls keine Steuern zahlt, sich in finanzieller Vorteilsnahme übt und ihre Billionen in allen möglichen Steurparadiesen dem Umlauf entzieht. Bei beiden blicken Politiker und Ermittlungsbehörden längst nicht mehr durch, gäbe es da nicht die Whistleblower, die manchmal die Spitze eines Eisberges offen legen. Und wenn manche Lokale in Erfurt nur zu 60 % ausgelastet werden wegen reservierter Tische, wird klar, das man nicht unbedingt mit der Gastronomie sein Geld verdienen möchte.

19.02.2019 18:03 MarcIlm 38

Zitat..."der ostblock war halt wirtschaftlich unattraktiv und gedlwäsche war nicht zuletzt durch behinderungen zwischen den banken schlecht möglich"...zumindest scheint dies auch Vorteile haben zu können. Und bitte nicht an Nostalgie denken, es gibt genug Entwicklungen unserer modernen hochkapitalistischen Welt, die mehr als deutlich in die Kritik geraten müssen. Wenn es an öffentlicher Sicherheit und Rechtsempfinden schwinden wird es gesetzmäßig an den Rändern lauter werden. Mir reicht es jetzt an sich schon.

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