Medien Mafia-Film des MDR kann nicht gesendet werden

Eine für den heutigen Mittwoch geplante MDR-Dokumentation über die armenische Mafia kann aufgrund einer Entscheidung des Landgerichts Berlin vom Dienstag nicht gesendet werden. Der armenische Botschafter in Deutschland, Ashot Smbatyan, hat über seine Anwälte eine einstweilige Verfügung erwirkt.

Ein gemeinsames Reporterteam von SPIEGEL und MDR THÜRINGEN hatte am Wochenende Informationen über den Botschafter öffentlich gemacht. Dagegen wehrt sich Smbatyan nun juristisch. MDR-Jurist Dirk Kremser sagte, aufgrund der einstweiligen Verfügung müsse die für heute geplante 30-minütige Dokumentation umgearbeitet werden. Da dies aus Zeitgründen nicht mehr zu schaffen ist, hat sich der MDR entschieden, die im vergangen Jahr gesendete Mafia-Dokumentation "Unsichtbare Kartelle - Mafia in Mitteldeutschland" erneut auszustrahlen (07.11.2018, um 20:45, Exakt - DIE STORY im MDR FERNSEHEN).

Auf Antrag der Anwälte von Smbatyan hat das Landgericht Berlin die Entscheidung über die einstweilige Verfügung aus Dringlichkeitsgründen ohne mündliche Verhandlung getroffen. Der MDR hatte deshalb noch keine Gelegenheit, dem Gericht seine Rechtsposition selbst darzulegen, und wird nunmehr rechtliche Schritte gegen den Beschluss prüfen.

Seit vier Jahren berichtet MDR THÜRINGEN über die armenische Mafia. Die Recherchen hatten nach einer blutigen Schießerei im Juli 2014 in Erfurt begonnen. Inzwischen sind daraus vier Filme und dutzende Beiträge entstanden. Sie beschäftigten sich mit dem Netzwerk und den Geschäften der armenischen Mafia in Deutschland. Seit Frühjahr dieses Jahres arbeitet ein Rechercheteam von SPIEGEL und MDR THÜRINGEN gemeinsam an diesem Thema.

MDR-Landesfunkhausdirektor Boris Lochthofen sagte: "Die investigative Recherche zum Thema Mafia ist von höchstem öffentlichen Interesse. MDR THÜRINGEN wird die Recherchen gemeinsam mit dem SPIEGEL weiterführen."

Quelle: MDR THÜRINGEN

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 07. November 2018 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. November 2018, 08:13 Uhr

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34 Kommentare

09.11.2018 22:45 martin 34

@33 karola: Welche Gesetze sollten Ihrer Meinung nach geändert werden? Im Zuge der sog. "Terrorismusbekämpfung" haben die Sicherheitsbehörden doch schon reichlich neue Möglichkeiten erhalten.

Ich denke eher, dass konsequenteres Handeln nebst vernünftig ausgebildetem und sensibilisierten Personal in ausreichender Anzahl sowie eine brauchbare Sachausstattung deutlich weiter helfen. Ja, das kostet im Gegensatz zu Gesetzesänderungen Geld. Und wirkt auch nicht sofort. Mit einer fix beschlossenen Gesetzesänderung würde meiner Meinung nach dem Volk doch nur Aktivismus aber keine Lösung geboten.

09.11.2018 10:59 karola 33

Ich finde es gut, dass Spiegel und MDR sich hier um Aufklärung bemühen. Das ist schwierig genug, da die Landes- und Staatsregierung seit Jahren jegliche Mafia-Strukturen in Deutschland verneint bzw. kundgibt, dass diese in Deutschland nicht vorhanden sind. Die Gründe dafür sind nicht nachvollziehbar.
Ich habe vor 4 Jahren ein Buch (Autor leider nicht mehr im Gedächtnis) über die Mafia in Deutschland gelesen. Dort wurde ebenfalls Erfurt als Standort genannt.

In Deutschland müssten für die Verfolgung der Mafia auch erst die Gesetze ähnlich wie Italien geändert werden. Sollte eigentlich schnellstens geschehen (ich meine, Diätenerhöhung ging innerhalb von Stunden durch).

Ich drücke MDR und Spiegel die Daumen und freue mich auf weitere Recherchen.

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