Coronavirus Thüringen bleibt bei Maskenpflicht in Handel und Nahverkehr

Die Maske gehört auch weiterhin für die Thüringer zum Einkaufen dazu. Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) bleibt bei der Maskenpflicht. Für die AfD und den Thüringer Handelsverband ist das nicht nachvollziehbar. Sie würden die Pflicht am liebsten abschaffen.

Endhaltestelle am Kurpark ein Fahrgast mit Mundschutz aus dem Fenster schaut.
Bildrechte: MDR/Marko Förster

Thüringen bleibt bei der Maskenpflicht im Einzelhandel und in öffentlichen Verkehrsmitteln. Gesundheitsministerin Heike Werner sagte am Montag MDR THÜRINGEN, bis Ende August werde sich daran nichts ändern. Der Mund-Nasenschutz habe sich in Geschäften und im Personennahverkehr zum Schutz der Beschäftigten und der Kunden bewährt. Die aktuelle Corona-Verordnung der Landesregierung gilt bis zum 15. Juli. Am Dienstag will das Kabinett über die neue Verordnung entscheiden, die dann bis Ende August gelten soll.

Verunsicherung durch aktuelle Debatte

Die aktuelle Debatte verunsichere unnötig, so Werner weiter. "Wir sehen an Beispielen aus der ganzen Welt, dass die Pandemie nicht vorbei ist. Zahlreiche Studien belegen, dass das Virus sich insbesondere in Räumen gut verbreiten kann, in denen die Durchlüftung nicht ausreichend gewährleistet ist" so Werner wörtlich. Zudem könnten in den Bereichen des Öffentlichen Personennahverkehrs und des Einzelhandels keine Kontakte erfasst werden.

Die Landesregierung halte die Mund-Nasen-Bedeckung und den Mindestabstand deshalb auch weiter für vergleichsweise milde Mittel, mit denen sich eine große Wirkung zur Eindämmung der Pandemie erzielen lasse. Gerade die bevorstehende Urlaubszeit könne das Infektionsgeschehen verändern, denn mit erhöhten Reisetätigkeiten gehe auch ein erhöhtes Risiko einher. "Umso mehr gilt es, auch weiter mit Bedacht zu handeln und gegenseitig aufeinander zu achten, damit wir auch diese Zeit gut überstehen."

AfD fordert sofortiges Ende der Maskenpflicht

Die AfD-Fraktion im Thüringer Landtag ist komplett anderer Meinung. So fordert die AfD erneut das sofortige Ende aller coronabedingten Einschränkungen und damit ein sofortiges Ende der Maskenpflicht im Einzelhandel sowie in Bus und Bahn. Bereits Ende April sei dies aufgrund der geringen Corona-Infektionen möglich gewesen. "Nicht die Maskenpflicht allein, sondern die Gesamtheit der von der Landesregierung erst zu spät und dann entschieden zu lange verhängten Corona-Maßnahmen hat zu einer schweren Schädigung der Wirtschaft und Gesellschaft geführt, deren mittel- und langfristige Folgen derzeit noch nicht einmal ansatzweise absehbar sind", heißt in einer Stellungnahme der AfD.

Die AfD-Fraktion habe bereits vor zehn Wochen in ihrem Positionspapier die weitgehende Beendigung aller coronabedingten Einschränkungen und die Rücknahme der diesbezüglichen Verordnungen gefordert. Es sei schlicht nicht mehr vertretbar, die Grundrechte von über 2,1 Millionen Thüringern aufgrund von 93 aktiven Coronavirus-Infektionen einzuschränken.

CDU mahnt zu Wachsamkeit und Prävention auf

Diese Auffassung wird von Thüringens zweitgrößter Oppositionspartei CDU nicht geteilt. "Unser gemeinsamer Erfolg ist es, die erste Corona-Welle abgewehrt und unsere Gesellschaft in die Phase der Infektionskontrolle und -prävention zurück überführt zu haben. Dadurch sind wir in der Lage, die strengen Kontaktsperren der ersten Welle hinter uns zu lassen" heißt es auf Nachfrage von MDR THÜRINGEN. Der erneute Ausbruch des Virus beim Fleischproduzenten Tönnies offenbare jedoch, wie wichtig Wachsamkeit und Prävention noch immer für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Gesundheit seien.

Dazu zähle als elementare Hygieneregel neben Händewaschen und Abstandsgebot auch eine Mund-Nasen-Abdeckung in Ladengängen und geschlossenen Räumen, deren ausbreitungshemmende Wirkung unbestritten sei. "Die Abschaffung der Maskenpflicht in Geschäften konstruiert eine Normalität, die wir noch nicht wieder erreicht haben."

FDP: Maskenpflicht benachteiligt stationären Handel

Für die Thüringer FDP-Fraktion ist in Sachen Maskenpflicht die Quadratmeterzahl der Geschäfte entscheidend. So könne beispielsweise in großen Möbelhäusern der Corona-Abstand problemlos eingehalten werden. Dort sei der Mund-Nasen-Schutz verzichtbar. Im übrigen steigerten Masken nicht gerade das Einkaufsvergnügen. Das nutze vor allem den Online-Händlern und schade dem Einzelhandel in den Innenstädten.

Die FDP-Landtagsfraktion fordere von der Landesregierung klare Vorgaben und Rahmenbedingungen für die bisher verbotenen Veranstaltungen wie Kirmesfeste oder Street-Food-Festivals. "Die Behörden und Kommunen brauchen einen rechtssicheren Leitfaden für die Genehmigung". Sollte die Landesregierung die existenzbedrohende Lage der Veranstalter und Schausteller weiter ignorieren, dann werde die FDP einen entsprechenden Antrag zur Rettung der Branche einreichen.

Ein Kunde steht in einem Supermarkt vor einem Regal, und trägt dabei einen Mundschutz.
Im Handel müssen die Thüringer auch weiterhin einen Mund-Nasen-Schutz tragen. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Handelsverband würde Maskenpflicht am liebsten abschaffen

Der Thüringer Handelsverband fordert die schnellstmögliche Abschaffung der Maskenpflicht in Geschäften - aber mit gesundheitspolitischem Augenmaß. Geschäftsführer Knut Bernsen sagte MDR THÜRINGEN, es wäre für den Einzelhandel gut, wenn die Maskenpflicht abgeschafft werden könne und durch eine Empfehlung in den Geschäften ersetzt würde.

Allerdings belaste den Handel nicht zuletzt die allgemeine wirtschaftliche Situation. Staatliche Finanzhilfe für in Existenznot geratene Einzelhändler könne hier helfen. Besonders betroffen sind laut Bernsen die Bereiche Mode/Fashion und Schuhe. Die Besucherzahlen in den Städten würden derzeit bei etwa bei 75 Prozent der Vorjahreswerte liegen. In ländlichen Regionen seien es deutlich weniger.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 06. Juli 2020 | 19:00 Uhr

86 Kommentare

Ines W. vor 4 Wochen

diffuse Ängste und das Schüren von diffusem Unmut ist doch eher das Metier der AfD.

Wie sie darauf kommen, dass die Maskenpflicht keine wissenschaftliche Grundlage hat, das erklären sie selbstverständlich nicht. Da sie behaupten es gebe keine Grundlage für die Maskenpflicht MEHR, dann akzeptieren sie ja, dass es einmal einen Grund dafür gab. Da stellt sich mir die Frage, was sich an dem Infektionsrisiko in Geschäften oder im ÖPNV geändert hat, dass man nun angeblich keine Maske mehr braucht. So weit mir bekannt ist sind die Busse im Berufsverkehr immer noch so voll, dass man keinen ausreichenden Sicherheitsabstand halten kann. Gleiches gilt für Geschäfte in denen viele Menschen sind und sich nicht aus dem Weg gehen können.

Ines W. vor 4 Wochen

Sie armer armer Mensch! Noch zwei Monate Maskenpflicht. Das ist ja eine Ewigkeit. Dumm nur, dass das was sie als "Schwachsinn" bezeichnen der aktuelle Sachstand der Wissenschaft ist, was die Reduzierung des Ansteckungsrisikos mit Sars-Cov-2 angeht. Man muss kein Genie sein um den Fakt zu akzeptieren, dass eine Maske das Infektionsrisiko dort senkt, wo Menschen nicht ausreichend Abstand halten können. Da unterscheidet sich eine Grippe nicht von Covid-19.

Nur mal so als Frage: Woher beziehen SIE denn ihr Wissen zum Sinn / Unsinn von Masken? Sie klingen stramm ideologisch und nicht wirklich naturwissenschaftlich angehaucht, was ihre 'Argumentation' betrifft.

martin vor 4 Wochen

@soll: Sie schreiben: "Es kann sich ja nicht jeder was vorschreiben lassen." - meinen Sie das ernst? Falls ja: Sind Sie Anarchist oder weshalb sind Sie der Meinung, dass es ins Belieben eines Einzelnen gestellt sei, ob er allgemeingültige Regeln befolgt oder nicht? Klar, kann man Regeln übertreten - wenn man die damit verbundenen / angedrohten Sanktionen in Kauf nimmt. Allerdings gelten die Regeln dann trotzdem.

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