Menschen demonstrieren auf einer Straße in Mattstedt
Demonstrationszug durch Mattstedt. Bildrechte: MDR/Steffi Magiera

Mattstedt Friedensdemonstration statt Rechtsrock

Die Polizei hat das für ein Rechtsrock-Konzert vorgesehene Veranstaltungsgelände in Mattstedt abgeriegelt. Auch ein mögliches Ersatztreffen der rechten Szene in einem anderen Ort in Thüringen soll verhindert werden. Am Samstagvormittag fanden ein Friedensgottesdienst und eine Demonstration gegen Rechts in Mattstedt statt.

Menschen demonstrieren auf einer Straße in Mattstedt
Demonstrationszug durch Mattstedt. Bildrechte: MDR/Steffi Magiera

Am Samstagvormittag fand ein Friedensgottesdienst in der Marienkirche in Mattstedt (Kreis Weimarer Land) statt, zu dem rund 150 Menschen gekommen sind. Anwesend waren unter anderem Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke), Thüringens CDU-Chef Mike Mohring, Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) und Pfarrer Lothar König. Im Anschluss an den Gottesdienst zogen 400 bis 500 Teilnehmer des Bündnisses "Buntes Weimarer Land" unter dem Motto "Kein Ort für Nazis" durch Mattstedt.

"Hier ist kein Platz für Nazis", sagte Ramelow nach dem Friedensgottesdienst. Zugleich forderte er für die Veranstalter von Rechtsrock-Konzerten, die unter dem Deckmantel des Demonstrationsrechts mit dem Verkauf von Eintrittskarten Geld verdienten, eine steuerrechtliche Überprüfung.  Innenminister Maier sprach von einem "Etappensieg". Er rechne aber mit weiteren Anmeldungen von Neonazi-Konzerten. "Der Kampf gegen Rechtsrock muss weitergehen", twitterte der Innenminister.

 Der Sprecher des Bündnisses "Buntes Weimarer Land", Max Reschke, zeigte sich zufrieden nach der Absage des Neonazievents. "Wir wollten zeigen, dass wir ein Dorf sind, das sich gegen Nazis stellt", sagte Reschke.

Rechtsrock-Konzert in letzter Minute geplatzt

Zuvor war das geplante Rechtsrock-Konzert in Mattstedt geplatzt. Das Verwaltungsgericht Weimar hatte einen Eilantrag der Veranstalter abgelehnt, das Gelände doch noch nutzen zu können. Zur Begründung hieß es, der von den Veranstaltern vorgelegte Mietvertrag hätte nicht abgeschlossen werden dürfen, ohne wirklich alle Flächen-Eigentümer um Erlaubnis zu fragen. Deshalb sei die Gemeinde berechtigt gewesen, den Zutritt zu verweigern, um das Privateigentum der Grundstücksbesitzer zu schützen. Teile des Geländes gehören dem Bund.

Die Organisatoren haben die Entscheidung nicht mehr angefochten. Beim Thüringer Oberverwaltungsgericht ging nach Angaben eines Sprechers bis zum Freitagabend kein Schriftsatz ein. Ein anderes Konzertgelände müssten die Veranstalter 48 Stunden vorher beantragen, sagte ein Ministeriumssprecher der dpa. Zum Gelände hätten die Veranstalter bis Montag um 7 Uhr keinen Zutritt, sagte ein Sprecher Landespolizeidirektion MDR THÜRINGEN. Auch nicht, um die Technik abzubauen.

Gerichtsentscheid Rechtsrock-Veranstaltung in Mattstedt fällt aus

Das geplante Rechtsrock-Konzert mit dem Titel "Rock gegen Überfremdung" in Mattstedt ist im letzten Augenblick geplatzt. Nach einem Friedensgebet demonstrierte das Bündnis "Buntes Weimarer Land" gegen Rechts.

Mattstedts Bürgermeister Gottweiss, Thüringens Ministerpräsident Ramelow und Pfarrer König auf dem Weg zur Kirche.
Mattstedts Bürgermeister Thomas Gottweiss, Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow und Pfarrer Lothar König auf dem Weg zur Marienkirche in Mattstedt. Dort fand am Samstag ein Friedensgottesdienst statt. In der Nacht zuvor hatte das Verwaltungsgericht Weimar den Veranstaltern eines geplanten Rechtsrock-Konzertes untersagt, das Gelände zu betreten. Bildrechte: MDR/Anke Preller
Mattstedts Bürgermeister Gottweiss, Thüringens Ministerpräsident Ramelow und Pfarrer König auf dem Weg zur Kirche.
Mattstedts Bürgermeister Thomas Gottweiss, Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow und Pfarrer Lothar König auf dem Weg zur Marienkirche in Mattstedt. Dort fand am Samstag ein Friedensgottesdienst statt. In der Nacht zuvor hatte das Verwaltungsgericht Weimar den Veranstaltern eines geplanten Rechtsrock-Konzertes untersagt, das Gelände zu betreten. Bildrechte: MDR/Anke Preller
Thüringens Innenminister Maier, Thüringens CDU-Chef Mohring und Thüringens Ministerpräsident Ramelow sitzen in einer kleinen Kirche.
Auch Finanzministerin Heike Taubert, vorn in der roten Jacke, und Thüringens CDU-Chef Mike Mohring, in der zweiten Reihe, waren in die kleine Kirche gekommen, um ein Zeichen gegen Rechts zu setzen. Bildrechte: MDR/Steffie Magiera
Menschen demonstrieren auf einer Straße in Mattstedt
Nach dem Friedensgottesdienst zogen 400 bis 500 Teilnehmer unter dem Motto "Kein Ort für Nazis" durch Mattstedt. Bildrechte: MDR/Steffi Magiera
Industriebrache in Mattstedt
Auf diesem brach liegenden Gelände einer ehemaligen Kunstharz-Fabrik sollte die Veranstaltung stattfinden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein brach liegendes Gelände.
Bis Montagfrüh um 7 Uhr dürfen die Veranstalter das Gelände nicht betreten. Auch nicht, um Technik abzubauen. Das Gericht begründete seine Entscheidung damit, dass die Veranstalter Genehmigungen von allen Eigentümern des Geländes hätten einholen müssen. Bildrechte: MDR/Ulrich Sondermann-Becker
Berittene Polizei auf einem Gelände
Die Polizei war mit mehreren Hundertschaften unterwegs und riegelte das Gelände weiträumig bis nach Apolda ab. Bildrechte: MDR/Mayte Müller
Polizisten kontrollieren ein Auto
Wie bereits angekündigt, gibt es in der gesamten Umgebung von Mattstedt Polizeikontrollen. Bildrechte: MDR/Steffi Magiera
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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 25. August 2018 | 19:00 Uhr

Polizei spricht Platzverweise aus

Die Polizei hat mehrere angereiste Anhänger der rechten Szene zurückgewiesen. Wie ein Polizeisprecher MDR THÜRINGEN sagte, sei eine Reihe von Platzverweisen ausgesprochen worden. So seien bisher zwei Verstöße gegen das Versammlungsgesetz festgestellt worden. Zudem seien zwei Anzeigen erstattet worden, weil Anhänger der rechten Szene unter anderem Baseballschläger und mit Quarz gefüllte Handschuhe dabei hatten. Bereits am Morgen seien in einer Gaststätte in Erfurt zehn Platzverweise an eine Gruppe Rechtsextremer erteilt worden, nachdem es von ihnen "Sieg Heil" Rufe gegeben hat.

Zwei weitere Anzeigen wegen Bedrohung wurden am Freitagnachmittag in Mattstedt aufgenommen. Dort waren der Ortsteilbürgermeister Andreas Schuchert und zwei städtische Mitarbeiter bei der Begehung des Veranstaltungsgeländes bedroht worden. Die Platzverweise erstrecken sich neben Mattstedt auf die Stadtgebiete von Apolda und Themar sowie die Veranstaltungen des III. Weges in Erfurt und die angemeldete Kundgebung in Kloster Veßra.

Dort trifft sich die Szene jetzt auf einem Privatgrundstück. Nach Polizeiangaben sind etwa 400 Menschen zu diesem improvisierten Neonazi-Konzert gekommen. Es sei von einem bekannten Vertreter der rechten Szene in Thüringen kurzfristig angemeldet worden. Die Polizei ist vor Ort und geht möglichen Rechtsverstößen nach.

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Quelle: MDR THÜRINGEN/dpa

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https://www.mdr.de/thueringen/video-kloss-fritz-neuer-song-erstes-date-100.html

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 25. August 2018 | 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. August 2018, 21:11 Uhr

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88 Kommentare

27.08.2018 20:20 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 88

noch @ 87. Red.:
... und falls Sie noch ein bissl Zeit für 'andere Regionen' übrig haben, empfehle ich eine 'kleine Übersicht':
https://www.mdr.de/sachsen/rechtsextreme-uebergriffe-nazis-sachsen-100.html

Nicht nur Thüringen hat einen 'leicht rechten Einschlag':
"In Sachsen werden rein rechnerisch seit 2011 täglich mindestens fünf rechtsextreme Straftaten begangen. Das geht aus einer Antwort des Innenministeriums auf eine Anfrage der Linken im Sächsischen Landtag hervor."

Dagegen muß man doch mal aufstehen und Position bekennen! Im 'thüringer Teil' des MDR sieht man glücklicherweise die Red. noch in manchen Situationen antworten.
Aber mit der Tolerierung solcher Positionen gibt man solchen Leuten nicht das Gefühl der Ablehnung, sondern der Akzeptanz.

Und bei '5 rechtsextremen Straftaten pro Tag' hat sich offensichtlich schon ein gewisses 'Akzeptanzgefühl' breitgemacht...

27.08.2018 19:09 Ekkehard Kohfeld 87

@85 Grünes Nackedei Wie Du an "Ekkis" Aussagen siehst, bringt er durchaus mal das eine oder andere durcheinander.

Meine Antworten an ihn halte ich auf einem 'recht einfachen Niveau', was bei 'Normaldenkern' schon mal zu Mißverständnissen führen kann.
Aber Dein Einwurf zeigt mir, daß man sich selbst nur die Reputation versaut, wenn man auf solche 'Anfragen' eingeht.Danke für den Hinweis!##Ach Grünes Nackedei wissen sie eigentlich noch was sie so zusammen mischen.Ich kann nichts dafür wenn sie mich nicht verstehen habe ich ihnen schon des öfteren gesagt ... [Beleidigung entfernt - Anm.d.Red.]... .Aber nichts des do trotz werde ich weiter gegen sie schreiben auch wenn sie mich nicht verstehen,wie wollen keine Antidemoraten (Nazis) nie wieder.Das ist Bürgerpflicht.

MDR THÜRINGEN:
Bitte diskutieren Sie beide wieder zum Sachverhalt des Artikels. Weitere Kommentare, die nur die persönlicher Ebene betreffen, aber keinen Bezug zum Thema aufweisen, werden nicht veröffentlicht.

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