Der Osten wählt Reaktionen aus Thüringen auf Wahl in Brandenburg und Sachsen

Die ersten Hochrechnungen der Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg zeigen eine Verschiebung der Machtverhältnisse. Während die Grünen sich verbessern, legt die AfD in beiden Ländern zweistellig zu. CDU, SPD und Linke müssen an diesem Wahlabend teils deutliche Verluste hinnehmen. Trotzdem behalten die CDU in Sachsen und die SPD in Brandenburg den Status als stärkste Partei.

Ein Wähler wirft bei seiner Stimmabgabe zur Landtagswahl in Sachsen den Wahlzettel in einem Wahllokal in eine Wahlurne.
Ein Wähler gibt seinen Stimmzettel ab. Die Reaktionen aus Thüringen auf die Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg fallen unterschiedlich aus. Bildrechte: Robert Michael/dpa

Die Reaktionen aus Thüringen

Die ersten Reaktionen aus Thüringen ließen nicht lange auf sich warten. Wolfgang Tiefensee (SPD) sieht einen Ansporn in den Ergebnissen und sagte gegenüber MDR THÜRINGEN: "Jeder vierte hat in den beiden Bundesländern Protest gewählt. Ich denke, jetzt ist es gut, jetzt müssen wir nach vorn schauen und denen die Stimme geben, die das Land wirklich voran bringen wollen." 

CDU-Generalsekretär Raymond Walk warnte die Thüringer Wähler hingegen vor den Folgen einer Protestwahl: "Wer die AfD wählt, der bekommt am Ende Rot-Rot-Grün. Wer stabile Verhältnisse will, der muss die CDU wählen."

Die Landesvorsitzende der Thüringer Linken, Susanne Hennig-Wellsow, setzt nach den ersten Zahlen aus Brandenburg und Sachsen für Thüringen auf den Amtsbonus von Bodo Ramelow. Offensichtlich setzten die Wähler auf Stabilität, sie hätten den Amtsinhabern an der Wahlurne noch "einige Prozentpunkte draufgepackt". Das sei der große Fingerzeig für Thüringen. "Wir haben die große Chance, dass auch Bodo Ramelow diesen Amtsbonus bekommt", so Hennig-Wellsow.

AfD-Landessprecher Björn Höcke sprach von einer "friedlichen Revolution an der Wahlurne" und sieht die "AfD als die neue Volkspartei im Osten". Der Partei sei es gelungen, die Parteienlandschaft durcheinanderzuwirbeln, weil andere Parteien die Probleme, die den Menschen unter den Nägeln brennen, nicht in politisches Handeln übersetzten. Höcke forderte zudem vorgezogene Neuwahlen auf Bundesebene.

In einem gemeinsamen Statement äußerten sich auch Anja Siegesmund und Dirk Adams von den Grünen. Die Erfolge bei den Wahlen in Brandenburg und Sachsen bestätigten die Grünen-Wahlergebnisse bei den Europa- und Kommunalwahlen und seien für die Thüringer Grünen eine "große Motivation für den Wahlkampf". Der Klima- und Umweltschutz sowie der "Kampf gegen Demokratiefeinde wie Höcke" seien die zentralen Herausforderungen für das Thüringen von morgen.

Der FDP-Landesvorsitzende und Landtagsspitzenkandidat Thomas Kemmerich hofft angesichts der ersten Hochrechnungen auf einen Einzug der Liberalen in die Landesparlamente von Sachsen und Brandenburg. Die Zahlen bestärkten die Thüringer Liberalen, einen optimistischen Wahlkampf zu führen. In Thüringen komme der FDP zudem eine besondere Rolle zu: "Nur mit dem Einzug in den Landtag besteht die Möglichkeit, eine Regierung aus der bürgerlichen Mitte zu bilden und Rot-Rot-Grün abzuwählen", so Kemmerich. Bei den Themen Klima und Migration wollten die Thüringer Liberalen "einen klaren Kurs der Vernunft fahren, auch wenn Teile der Bundes-FDP in Berlin das anders sehen".

Die Hochrechnungen auf einen Blick:

Schwierige Koalitionsverhandlungen stehen bevor

Aus Thüringer Sicht nicht weniger interessant werden die Koalitionsverhandlungen in den nächsten Wochen sein. Diese dürften sich besonders in Sachsen schwierig gestalten, da das bisherige Regierungsbündnis aus CDU und SPD seine Mehrheit verloren hat. Da die CDU eine Koalition mit der AfD ausgeschlossen hat, läuft es hier auf ein Dreierbündnis hinaus. Die Frage ist nur: in welcher Konstellation?

In Brandenburg ist man da kaum weiter, denn die rot-rote Regierung kann ihre Arbeit nicht fortsetzen. Eine Mehrheit könnte die SPD in einer Regierung mit der CDU und Linkspartei oder wahrscheinlicher als Kenia-Koaltion mit CDU und Grüne herstellen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/ask

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Die Nachrichten | 01. September 2019 | 20:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. September 2019, 09:46 Uhr

7 Kommentare

aus Elbflorenz vor 25 Wochen

"Die Konservativen haben in Sachsen leider keine Mehrheit."
Die Konservativen haben tatsächlich keine Mehrheit in Sachsen errungen, da nur die AfD noch bürgerlich-konservative Positionen vertritt.

Durchblick vor 25 Wochen

Es mag ja sein, wenn der Thüringer die AfD wählt, dass er rot-rot-grün bekommt. Wenn er die CDU wählt, bekommt er aber auch keine CDU in Reinkultur mehr, sondern eben auch eine weich gespülte CDU ohne ihr altes Profil. Die Mitte-Partei kann die wertkonservativen Wähler nicht mehr vertreten, wenn sie mit den Grünen zusammengeht. Die Wähler, die der Union die Stimme nicht mehr geben, drücken nicht ihren Protest aus. Sie drücken aus, dass sie eine andere Politik von der Union erwarten.

Jessy-2 vor 25 Wochen

Ralf: Wer waren die Besitzer der Volkseigenen Betriebe? Der liebe Gott, oder wer? Wieso hat denn die Treuhand die Ost Betriebe verkauft die niemand gehörten? Schon mal was von einer Bodenreform gehört? Die Gutsherren wurden enteignet, dazu gehörten Wälder und die Länder, sowie deren Güter! Ab und zu mal den Fernseher einschalten? Oder Enteignung in der DDR informieren? Und mit diesen 75% mal überlegen wie dies gemeint ist? Bei den Harz IV sind Sie wohl sprachlos? Wo steht etwas von Kalbitz von mir? Woher nehmen Sie sich das Recht, wer ein AfD Wähler ist, ist ein Nazi?

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