DAK-Studie Jedes dritte Kind in Thüringen ist chronisch krank

von Sandra Voigtmann

In Thüringen sind mehr Kinder chronisch erkrankt als Gleichaltrige in anderen Bundesländern. Jungen sind dabei häufiger betroffen als Mädchen. Außerdem gibt es erhebliche Unterschiede zwischen städtischen und ländlichen Regionen im Freistaat. Das ist das Ergebnis einer am Montag vorgestellten Länderstudie der gesetzlichen Krankenkasse DAK-Gesundheit. Für die Studie wurden tausende Thüringer Versichertendaten aus dem Jahr 2016 ausgewertet.

Ein dicker Junge steht vor einem offenen Kühlschrank und beißt in ein Sandwich
Adipositas, also krankhafte Übergewichtigkeit, ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen bei Kindern Bildrechte: Colourbox.de

Die Studie zeichnet ein düsteres Bild. Neurodermitis, Asthma, Rückenschmerzen, Übergewicht - jedes dritte Kind in Thüringen ist körperlich chronisch krank. Das am häufigsten verschriebene Medikament bei Kindern und Jugendlichen ist Asthmaspray. Etwa acht Prozent der Kinder leiden an Asthma. Die Atemwege sind generell häufig betroffen. Rund 64 Prozent aller Kinder beziehungsweise Jugendlichen waren wenigstens einmal aufgrund einer Atemwegserkrankung beim Arzt.

Jeder 20. Minderjährige ist chronisch übergewichtig

Erschreckend auch: Knapp jedes zehnte Kind leidet an einer potenziell chronischen psychischen Erkrankung. Die häufigsten seelischen Probleme sind dabei Schulangst und Depressionen. Letztere führen Experten auch darauf zurück, dass sich Thüringer Kinder weniger bewegen. Jeder 20. Minderjährige ist chronisch übergewichtig und leidet an einer diagnostizierten Fettleibigkeit. Diese erhöhe die Wahrscheinlichkeit, an einer Depression zu erkranken, um das Dreifache.

Alarmierend sei auch die Häufigkeit von Rückenschmerzen, sagte Marcus Kaiser, Leiter der DAK-Landesvertretung Thüringen. Sechs Prozent aller Kinder ab zwölf Jahren wurden wenigstens einmal im Jahr wegen Rückenleiden behandelt. Frühe Muskel-Skelett-Probleme können im Erwachsenenalter schwere Rückenleiden nach sich ziehen, so Kaiser.

Wohnort und soziale Herkunft spielen eine Rolle

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Wohnort und soziale Herkunft haben Folgen für die Gesundheit von Kindern in Thüringen. Sag mir wo Du wohnst und ich sage Dir, welche Krankheiten Du hast. Was plakativ klingt, ist Lebenswirklichkeit in Thüringen. Die Zahlen der Studie zeigen die Unterschiede. Demnach seien die Unterschiede zwischen Stadt- und Landkindern größer als gedacht, so Kaiser. Kinder und Jugendliche in städtischen Regionen haben doppelt so häufig Karies, erkranken mehr als doppelt so häufig an Depressionen und zu einem Fünftel häufiger an Viruserkrankungen. Außerdem haben sie öfter grippale Infekte. Landkinder dagegen haben mehr Allergien und Magen-Darm-Infekte.

Häufigste Erkrankungen von Kindern in Thüringen (DAK-Studie)
Bildrechte: DAK Gesundheit

Kinder von Eltern ohne oder mit niedrigen Schulabschlüssen sind nicht nur häufiger übergewichtig oder zahnkrank, sondern bekommen auch bis zu 43 Prozent mehr Medikamente verschrieben. Bedenklich sei auch der Zusammenhang bei Alkohol- und Drogenmissbrauch. Der Anteil der Kinder mit klinisch diagnostizierter Suchterkrankung ist um zwei Drittel höher, wenn sie selbst suchterkrankte Eltern haben.

92 Prozent aller Kinder und Jugendlichen waren im Jahr 2016 wenigstens einmal beim Arzt oder im Krankenhaus. Dabei ist der Anteil bei unter Einjährigen besonders hoch. 99 Prozent der Kinder hatten einen dokumentierten Kontakt mit dem Versorgungssystem. Je älter die Kinder werden, desto weniger gehen sie zum Arzt. Bei den 14-Jährigen sind es nur noch knapp 75 Prozent, die sich wenigstens einmal im Jahr behandeln lassen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 25. März 2019 | 16:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. März 2019, 17:32 Uhr

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8 Kommentare

26.03.2019 12:55 Mediator an SGDHarzer66(7) 8

Na dann drücken sie sich doch einfach klarer aus beim nächsten mal!

Im Artikel geht es um Kinder mit:
- Adipositat
- Muskel- und Skeletterkrankungen
- psychischen Leiden
- usw.

Für all das lassen sich objektive Gründe anführen die etwas mit gänderten Lebensgewohnheiten, Leistungsverdichtung in der Schule oder grundsätzlicher mit den negativen Auswirkungen einer Wohlstandsgesellschaft zu tun haben.

Eine Verschwörungstheorie, wie sie sie bemühen, braucht man für die Erklärung dieser Erscheinungen nicht.

26.03.2019 12:23 SGDHarzer66 7

10. "Mediator", sie haben leider nicht begriffen, worum es in meiner Aussage geht.
Trotzdem wünsche ich ihnen einen angenehmen Tag.

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