Fördermittel Wie Mehrgenerationenhäuser in Thüringen durch die Corona-Krise kommen

Die Thüringer Begegnungsstätten für Jung und Alt können im kommenden Jahr mehr Geld vom Bund bekommen. Alle 24 Träger von Mehrgenerationenhäusern haben bis zu 40.000 Euro aus dem Bundesprogramm "Mehrgenerationenhaus. Miteinander - Füreinander" beantragt. Laut Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend können die Häuser 10.000 Euro mehr für ihre Angebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene ausgeben als in der vergangenen Förderperiode.

Der Eingangsbereich des Mehrgenerationenhaus in Weimar.
Ein Mehrgenerationenhaus in Weimar Bildrechte: MDR/Corinna Ritter

Auch die Mehrgenerationenhäuser in Thüringen hat der Lockdown im Frühjahr hart getroffen. Monatelang waren die Häuser zu. Kontakt zu Stammgästen und Beratung für Familien funktionierte nur per Telefon. Kurse, Theater, Kino, Vorträge und Feiern - alles fiel weg. Einnahmen durch Vermietung, Gastronomie und Teilnehmergebühren gingen verloren. Auch die mehr als 1.100 ehrenamtlichen Helfer bekamen kein Geld. Sie erhalten für ihre Arbeit zum Beispiel als Kursleiter bis zu 200 Euro monatlich. Bis jetzt ist das lockere Zusammenkommen von Jung und Alt in den offenen Treffs entsprechend der Hygienekonzepte kaum möglich, bedauert Anne-Kathrin Lange. Sie ist Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft Mehrgenerationenhäuser und koordiniert das Bürgerzentrum Weimar-West. Speisen bietet sie hier nicht an, nur Getränke.

Kleine Mehrgenerationenhäuser müssen Angebot einschränken

Lange weiß, dass es in ihrem großes Haus leichter fällt, den Abstand von eineinhalb Metern zwischen den Besuchern abzusichern. Sie kann, je nachdem wie viele Mütter mit Kind sich treffen oder Seniorinnen zur Gymnastik kommen, die passenden Übungsräume zuweisen. Ob Malkurs, Schachkurs oder die Handarbeitsgruppe - alles findet wie gewohnt statt, sagt Lange. Sie ist froh, niemanden abweisen zu müssen. Sogar Chor und Orchestergruppe proben schon seit Längerem. Auch Vereine, Initiativen und Fachgruppen der Stadtverwaltung nutzen die Chance nach Anmeldung für Treffen und Beratungen. Im Mehrgenerationenhaus ist auch dank der langen Flure für zusätzliche Tische und Stühle genügend Platz. "Und jetzt kommen plötzlich ganz neue Gruppen ins Haus, die es noch nicht kannten, den Stadtteil noch nicht kannten", freut sich die Chefin.

Frauen im Mehrgenerationenhaus Weimar beim Sport.
Die Gymnastikgruppe für Seniorinnen kann derzeit wie gewohnt stattfinden. Bildrechte: MDR/Corinna Ritter

Anders sieht es in kleineren Häusern aus, erzählt Anne-Kathrin Lange. Gruppen mit einst 20 Teilnehmern werden verkleinert, um einer Ansteckung mit dem Coronavirus vorzubeugen. Gibt es keine Zusatztermine, fallen die Kurse aus oder finden 14-tägig statt. Im Mehrgenerationenhaus Meiningen beispielsweise müssen Mütter mit Babys weiter auf ihr sogenanntes Prager Eltern-Kind-Programm (PEKiP) zur Frühförderung verzichten, bedauert Leiterin Antje König. Lüften und die nötige Wärme für die Kleinen - das klappt nicht.

Besucher haben Gemeinschaft vermisst

Familien mit Kindern und vor allem Senioren sind froh, dass die Begegnungsstätten mit ihren Bibliotheken, Computerräumen oder Kreativwerkstätten wieder geöffnet sind. Sie seien "ausgehungert" gewesen und kommen wieder verstärkt zu den Kursen, sagt Bianca Fliß von der Frauen- und Familienbegegnungsstätte "Düne" e.V. in Sondershausen. Ihr Problem ist ein personelles. Eine Referentin hat ihr Angebot abgesagt, aus Angst sich mit dem Coronavirus anzustecken. Ersatz zu finden, sei schwierig, sagt Fliß. Dank mobiler Wände kann sie Räume entsprechend des Bedarfs vergrößern, sodass viele Angebote stattfinden und Selbsthilfegruppen sich treffen können.

Vorsichtige Planung für 2021

Für ihr Haus plant die Leiterin für 2021 vorsichtig: "eher drei Schritte zurück". In der neuen, nun mit acht Jahren doppelt so langen, Förderperiode des Bundes plant sie, mit Lesepaten zusammenzuarbeiten und Picknicks mit Literatur anzubieten. Denn Fliß hat - wie sechs weitere Leiter von Mehrgenerationenhäusern - Geld beantragt, um zusätzlich Erwachsene mit Lese-, Schreib- oder Rechenschwäche zu betreuen. Laut Bundesfamilienministerium gibt es dafür im kommenden Jahr bis zu 15.000 Euro jährlich zusätzlich.

Die Thüringer Mehrgenerationenhäuser haben für den sogenannten Sonderschwerpunkt insgesamt rund 61.000 Euro beantragt. Sie hoffen darauf, dass im kommenden Jahr ähnlich viele Gäste kommen. Dann sollen sich die Mitarbeiter mit dem neuen Bundesprogramm Mehrgenerationenhaus "Miteinander-Füreinander" verstärkt den Themen Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Demokratieförderung widmen. Im vergangenen Jahr nutzten nach Angaben des Sozialministeriums täglich rund 2.400 Kinder, Jugendliche und Erwachsene die rund 860 Kurse und Beratungsangebote in einem Mehrgenerationenhaus.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 18. Oktober 2020 | 19:00 Uhr

2 Kommentare

MDR-Team vor 6 Tagen

@Leachim-21: Von "erst heute im Artikel darauf verwiesen" kann nicht die Rede sein. Wie sie unter "Mehr zum Thema" sehen können, haben wir bereits 2016 im Artikel "Förderung für vier weitere Jahre gesichert" über die Förderung solcher Einrichtungen berichtet.

Leachim-21 vor 6 Tagen

interessanter Artikel nur wusste ich gar nicht das es sowas wie Mehrgenerationenhäuser gibt, weis der Steuerzahler eigentlich wofür seine Steuern ausgegeben werden und auch warum erst heute in diesen Artikel darauf verwiesen wird. das ganze an sich ist doch gut wenn Jung und Alt sich austauschen können. dies sollte vielmehr gebracht werden.

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