Balkone von Wohnungen
Der Wohnungsverband fordert höhere Mietzuschüsse (Symbolfoto). Bildrechte: dpa

Problem für Mieter und Vermieter Wohnungsverband: Mietzuschüsse für Hartz-IV-Empfänger zu gering

Bei Hartz-IV-Empfängern übernehmen Kommunen die Kosten für Unterkunft und Heizung. Die Thüringer Wohnungswirtschaft moniert: Gerade auf dem Land seien die Sätze zu niedrig angesetzt. Viele Vermieter machten so Verlust.

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Der Wohnungsverband fordert höhere Mietzuschüsse (Symbolfoto). Bildrechte: dpa

Die Thüringer Wohnungswirtschaft kritisiert die Höhe der Mietzuschüsse für Hartz-IV-Empfänger. Die staatlichen Hilfen seien in den ländlichen Regionen oft zu niedrig, sagte der Chef des Verbands der Thüringer Wohnungs- und Immobilienwirtschaft, Frank Emrich. Unternehmen machten bei solchen Vermietungen Verlust oder sie müssten ärmere Menschen geballt in Wohngebäuden mit niedrigem Standard unterbringen. Dies führe zu einer Gettoisierung und Stigmatisierung.

Bei Hartz-IV-Empfängern übernehmen die Kommunen die Kosten für Unterkunft und Heizung. Die Höhe der Sätze wird von den Landkreisen und kreisfreien Städten bestimmt. Eine bundeseinheitliche Regelung gibt es nicht. In ländlichen Regionen Thüringen seien die Sätze "definitiv nicht auskömmlich für Wohnungsunternehmen", kritisierte Emrich.

4,04 bis 4,23 Euro Kaltmiete im Kreis Gotha

Frank Emrich, Verbandsdirektor Verband der Thüringer Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (vtw)
Frank Emrich, Verbandsdirektor Verband der Thüringer Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (vtw). Bildrechte: MDR/Lisa Kästner

Nach den Erfahrungen von Wohnungsunternehmen wäre Emrich zufolge eine Kaltmiete von mindestens etwa fünf Euro pro Quadratmeter kostendeckend. Die Sätze für die Kosten der Unterkunft lägen auf dem Land aber häufig unterhalb dieses Wertes. Als Beispiel nannte er den Landkreis Gotha mit Werten zwischen 4,04 und 4,23 Euro pro Quadratmeter. Die Geschäftsführer von acht kommunalen Wohnungsbaugesellschaften und -genossenschaften aus Ostsachsen hatten sich nach einem MDR-Bericht bereits an die dortige Landesregierung gewandt, um auf diese Grundproblem aufmerksam zu machen.

Der Wohnungswirtschaftsverband sieht neben den Kämmerern der Kommunen auch das Land in der Pflicht. "Landespolitik muss die Landkreise über den kommunalen Finanzausgleich so ausstatten, dass diese in der Lage sind, ihre Verpflichtungen zu erfüllen", sagte Emrich. Ebenso dürften die Unterkunftssätze nicht "der Willkür des jeweiligen Finanzpolitikers" unterliegen. Er plädierte dafür, sie nach einer gesetzlich vorgeschriebenen Dynamik regelmäßig anzuheben, so wie das für das Wohngeld derzeit geplant sei.

5,50 Euro in Erfurt, 5,70 Euro in Jena

Die Städte Erfurt und Jena zahlen für die Unterkunft von Hartz-IV-Empfängern laut Verband derzeit etwa 5,50 Euro beziehungsweise 5,70 Euro pro Quadratmeter. Dies erlaube den Wohnungsunternehmen dort jedenfalls eine angemessene Versorgung von sozial Schwachen mit Wohnraum, sagte Emrich. Allerdings gebe es in Erfurt bereits Stimmen, die davor warnten, dass auch in der Landeshauptstadt ärmere Menschen schwerpunktmäßig in bestimmten Wohngegenden untergebracht werden würden. Günstiger Wohnraum sei dort vor allem in Plattenbauvierteln vorhanden.

Quelle: dpa, MDR THÜRINGEN/sar

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 14. Oktober 2019 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Oktober 2019, 11:57 Uhr

5 Kommentare

Kritiker vor 5 Wochen

8 Euro nun da kann man ja 7,50 Mehrkosten durchaus "überleben", denn selbst als Grundsicherung sind anzusetzende 12 -15 Euro/Monat mehr nötig um nicht am Hungertuch zu nagen oder man zu den Tafeln gehen muss. Die Leistungsbezieher dürfen doch nicht zu sehr verwöhnt werden! Sarkasmus aus!

Eulenspiegel vor 5 Wochen

Also ich plädiere dafür das die Mieten erstens gesengt werden und zweitens auf diesen niedrigen Niveau festgeschrieben werden. Und wenn der Wohnungsverband der Meinung ist seine einnahmen seien zu niedrig so steht es ihm frei selber Sozialleistungen zu beantragen.
Denn was der Wohnungsverband hier fordert ist doch dicke Einkommen für ihre Mitglieder auf Kosten des Steuerzahlers mit den Umweg über die Mieter.

winfried vor 5 Wochen

Stimmt nur bedingt.
Die Hartz-IV-Versorgung erfolgt nach zwei Grundsätzen:
bedarfsermittelt ... und ... bedarfsorientiert.
Die bedarfsorientiert versorgte Gruppe hat kein Problem.

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