Kleine Kunststoffpartikel, die einem Peeling Gel hinzugefügt waren, auf einer Fingerkuppe.
Kleine Kunststoffpartikel, die einem Peeling Gel hinzugefügt waren. Bildrechte: imago/JOKER

Initiative im Bundesrat Thüringen dringt auf Verbot von Mikroplastik

Thüringen will sich für ein Verbot von Mikroplastik in Kosmetika und Reinigungsmitteln einsetzen. Gemeinsam mit Hamburg will der Freistaat am Freitag im Bundesrat eine entsprechende Initiative auf den Weg bringen.

von Peter Sommer

Kleine Kunststoffpartikel, die einem Peeling Gel hinzugefügt waren, auf einer Fingerkuppe.
Kleine Kunststoffpartikel, die einem Peeling Gel hinzugefügt waren. Bildrechte: imago/JOKER

Es sind erschreckende Zahlen: jedes Jahr gelangen in Deutschland rund 330.000 Tonnen Mikroplastik in Böden und Gewässer. Dort werden die Partikel von zahlreichen Organismen als vermeintliche Nahrung aufgenommen. Das wiederum gefährdet die Nahrungsketten von Vögeln und Fischen.

"Über die Folgen von Mikroplastik in Lebewesen besteht zwar noch erheblicher Forschungsbedarf", sagt Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne). "Aber wir wissen, dass Plastik verschiedene chemische Zusatzstoffe wie Weichmacher enthält und dass sich an der Oberfläche von Plastikpartikeln giftige Stoffe anreichern können. Eine gesundheitliche Gefährdung des Menschen können wir nach bisherigem Wissenstand nicht ausschließen - und deshalb muss das Vorsorgeprinzip gelten", so Siegesmund.

Das Land Thüringen will sich nun für ein Verbot von Mikroplastik in Kosmetika und Reinigungsmitteln einsetzen. Gemeinsam mit dem Stadtstaat Hamburg plant der Freistaat, am Freitag im Bundesrat in Berlin eine entsprechende Initiative auf den Weg zu bringen. Darüber hinaus fordert der Antrag, Abwässer so zu reinigen, dass Mikroplastik nicht in den Boden oder ins Grundwasser gelangen kann.

"Ein Zeichen setzen"

Anja Siegesmund
Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne). Bildrechte: MDR/Karina Heßland-Wissel

Dabei ist den Initiatoren des Antrags bewusst, dass Kosmetika in relativ geringem Umfang zur Belastung mit Mikroplastik beitragen. "Nur" bei 922 Tonnen pro Jahr liegt ihr Anteil. Dennoch wolle man mit dem Antrag beim Bundesrat "ein Zeichen setzen", ergänzt Olaf Möller, Staatssekretär im Thüringer Umweltministerium. Und damit auch dem Vorbild von Großbritannien, Schweden und Italien folgen. Dort bestehen schon entsprechende Verbote.

Unterstützung für den Thüringer und Hamburger Antrag kommt von Berlin und Bayern. Wobei der Freistaat Bayern im Bundesrat einen eigenen Antrag zum Verbot von Mikroplastik in Kosmetika eingebracht hat. Sowohl Ministerin Siegesmund als auch Staatssekretär Möller rechnen mit breiter Unterstützung im Bundesrat - dafür spreche die mittlerweile hohe Aufmerksamkeit und Sensibilisierung der Öffentlichkeit für das Thema "Mikroplastik".

Findet der Antrag eine Mehrheit im Bundesrat, muss die Bundesregierung - in der einen oder anderen Weise - handeln. Das könnte ein eigener Gesetzentwurf sein oder eine Verordnung, in der tatsächlich Mikroplastik in Kosmetika verboten wird.

Bundesministerium ist skeptisch

Das Bundesumweltministerium tritt jedoch auf die Bremse. Deutschland lehne nationale Alleingänge ab, heißt es aus Berlin. Andererseits sei die Bundesregierung bereits mit der Industrie übereingekommen, auf Mikroplastik in Kosmetika bis 2020 komplett zu verzichten. Werde die Vereinbarung nicht eingehalten, solle die EU aktiv werden.

Wer nicht auf staatliche Verordnungen und Verbote warten will, kann auch heute schon Mikroplastik-freie Cremes, Gels und Peelings nutzen. Seit geraumer Zeit bieten auch namhafte Hersteller Produkte an, in denen Mikroplastik etwa durch Maismehl, Siliziumdioxid oder Stoffe aus Aprikosenkernen ersetzt ist.

Siegesmund sagte, dass in Thüringen noch in diesem Jahr das Wassergesetz und Naturschutzgesetz verabschiedet werde. "Wir schützen Bäche, Flüsse und Seen durch pestizidfrei Grünstreifen und stärken die Gentechnikfreiheit in Thüringen." Mit dem Gemeinde- Städtebund sei ein Abwasserpakt beschlossen worden. Insbesondere Menschen im ländlichen Raum sollten mit dem neuen Gesetz vom Anschluss an zentrale Kläranlagen profitieren.

Grafik: Mikroplastik-Kreislauf
Grafik: Mikroplastik-Kreislauf Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 15. Februar 2019 | 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Februar 2019, 05:00 Uhr

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3 Kommentare

15.02.2019 22:13 W. Merseburger 3

MDR Thüringen,
liebe Redaktion, zunächst freue ich mich darüber, dass sie in einer Länge auf meinen Kommentar geantwortet haben, die ich leider für meinen Kommentar nicht habe. Da das Thema oben eben sehr komplex und extrem vielschichtig ist, kann man es in so kurzer Form nur "erschlagen" aber nicht diskutieren. Deswegen nur zwei "Argumente": wenn sie in Kosmetika Mikrokunststoffe einsetzen, unterliegen sie strengen Regeln der toxischen Unbedenklichkeit und es gibt keinen saubereren Kunststoff als Polyethylen. Und wenn man Maismehl als hochwertiges Nahrungsmittel dem Menschen vorenthalten will, um es in Kosmetika einzusetzen, ist dies geradezu abenteuerlich. Fazit die Grünen wollen wieder etwas per Gesetz verbieten und zwar dort, wo es am einfachsten erscheint. Weiterhin freue ich mich, dass sie es weitgehend vermieden haben, das Unwort "Plastik" zu verwenden( englischer Sprachgebrauch plastics, deutsch Kunststoff).

15.02.2019 18:48 W. Merseburger 2

Obiger Artikel ist fachlich sachlich von geringem Niveau, was die Gesamtproblematik Mikrokunststoff betrifft. Allein schon eine kurze Information bei Wikipedia hätte dem Autor klar machen müssen, dass ein Verbot von Mikrokunststoff juristisch nicht machbar ist. Nach Wikipedia besteht Mikrokunststoff per internationaler Definition aus Teilchen, die kleiner als 5 mm im Durchmesser sind. Schon hier müssten ganze Kunststoffsparten ihre Produktion von Neuware einstellen. Der größte Anteil von Mikrokunststoff entsteht durch Abrieb von Autoreifen, insbesondere von PKW-Reifen. Demgegenüber ist der Anteil dieser Partikel in Kosmetika eher gering und sehr gut reduzierbar. Allerdings steht im Artikel oben die nichtbewiesene Tatsache, dass in modernen Kunststoffen giftige Weichmacher enthalten sind. Diese sind nämlich verboten. Chinesische Produkte sind hier unsicherer. Liebe Grüne, Mikrokunstoffteilchen durch Maismehl in Kosmetika zu ersetzen ist wohl unüberlegter Aktionismus.

MDR THÜRINGEN:
Dazu ein paar Anmerkungen:

"dass ein Verbot von Mikrokunststoff juristisch nicht machbar ist" - Andere Länder (auch in Europa) haben es vorgemacht oder planen es zumindest. Sie bleiben eine Erklärung schuldig, warum es juristisch nun hier gerade nicht gehen sollte.

"Demgegenüber ist der Anteil dieser Partikel in Kosmetika eher gering und sehr gut reduzierbar." - Stimmt. Doch genau dieses wird traditionell sehr körpernah eingesetzt und könnte - so wird nicht ausgeschlossen - unseren Organismus schaden. Hinzu kommt: Hergestelltes Mikroplastik lässt sich eben leichter verbieten, als Mikroplastik das überall in unserer Umwelt entsteht.

"Allerdings steht im Artikel oben die nichtbewiesene Tatsache, dass in modernen Kunststoffen giftige Weichmacher enthalten sind." - Steht nicht direkt im Artikel, sondern ist ein Zitat von Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund. Davon abgesehen stehen Weichmacher zumindest im Verdacht, den menschlichen Hormonhaushalt beeinflussen zu können. Wissenschaftler der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie warnten in einer Studie vor bestimmten Chemikalien aus Verpackungen und sehen einen Zusammenhang zwischen plastikverpackten Lebensmitteln und Diabetes, Osteoporose und Adipositas.

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