Empfehlung der Kommission Mindestlohn: Thüringer Regierungsparteien kritisieren bundesweiten Vorschlag

Der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland soll bis zum 1. Juli 2022 in vier Stufen auf 10,45 Euro steigen. Die Reaktionen aus Thüringen fallen unterschiedlich aus.

Figuren in Arbeitskleidung stehen vor  Geldmünzen
Der gesetzliche Mindestlohn war zum 1. Januar 2015 eingeführt worden. Bildrechte: imago/Ralph Peters

Die bundesweite Mindestlohnempfehlung stößt in Thüringen auf unterschiedliche Reaktionen. Besonders die Regierungsparteien des Landes kritisieren den Vorschlag, während die Arbeitgeber wörtlich von einer "angemessenen" Erhöhung sprechen.

Am Dienstag hatte sich die Mindestlohnkommission dafür ausgesprochen, den Mindestlohn in vier Schritten bis zum 1. Juli 2022 von derzeit 9,35 Euro auf 10,45 Euro anzuheben.

Die Vertreter der Thüringer Regierungsparteien sind sich einig: Der Mindestlohn muss deutlich schneller steigen. Die Linke teilte mit, dass ein höherer Mindestlohn die lokale Kaufkraft erhöhen würde. Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linke-Fraktion, Lena Saniye Güngör, bezeichnete das Ergebnis als "soziales Armutszeugnis". Der Mindestlohn müsse mindestens auf 12,63 Euro pro Stunde angehoben werden. SPD-Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee bekräftigte via Twitter, dass zwölf Euro die Zielmarke bleiben.

AfD fordert Entlastung der Unternehmen

Bernhard Stengele, Landessprecher der Grünen, teilte mit, Corona dürfe kein gültiges Argument für einen zu niedrigen Arbeitslohn sein. Der AfD-Landtagsabgeordnete René Aust dagegen fordert bei höheren Lohnkosten eine gleichzeitige Entlastung der Unternehmen.

Die Verbandssprecherin des Allgemeinen Arbeitergeberverband Thüringen, Ute Zacharias, sagte, der geplante Mindestlohn trage der wirtschaftlichen Lage Rechnung. Für den Landesbezirk Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen der Gewerkschaft Verdi reicht der Kompromiss von 10,45 Euro nicht aus. Er fordert weiterhin eine Erhöhung auf 12 Euro.

Quelle: MDR THÜRINGEN/mm

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 01. Juli 2020 | 14:00 Uhr

2 Kommentare

Eulenspiegel vor 4 Wochen

„Der AfD-Landtagsabgeordnete René Aust dagegen fordert bei höheren Lohnkosten eine gleichzeitige Entlastung der Unternehmen. „
Ich denke da kann man sehr schön sehen wessen Interessen die AfD vertritt.
Also die Interessen des kleinen Arbeitnehmers der für seine paar Euro hart arbeiten muss garantiert nicht.

lobo56 vor 4 Wochen

In 2 Jahren eine Erhöhung des Mindestlohns um 1,10€ ! Auf dann 10,45€.
Alle , die dafür monatelang verhandelt haben, liegen weit ,weit darüber.
20 Mio an Telekom für eine warn-App (völlig überteuert im Vergleich zu anderen Ländern), Mehrwertsteuer Senkung , durch die große
Einkommen mit großen Anschaffungen am meisten profitieren! Dafür gibt man
gern Steuergelder aus. Für hart arbeitende Menschen wird um jeden Cent gefeilscht! Und dann sollen die Unternehmen, die gerade den Mindestlohn zahlen auch noch entlastet werden ?? Mit Steuergeld ? Geht's noch ?

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