Umwelt Abwasser-Streit in Guthmannshausen

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Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

In Thüringen verfügen nur etwa 80 Prozent der Menschen über eine den rechtlichen Vorgaben genügende Abwasserentsorgung. Das soll in den nächsten Jahren geändert werden. Doch das wird teuer. Auch für die Anwohner.

Der Ort Guthmannshausen, die Lössa, Abwasser-Pumpwerke, das Klärwerk in Großneuhausen
Kathrin Kuppardt und ihr Freund Karl-Heinz Harbusch fühlen sich mit ihren Bedenken nicht ernst genommen. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Kathrin Kuppardt stammt aus Guthmannshausen. Inzwischen hat es sie nach Eschwege verschlagen. Seit dem Tod ihrer Mutter kümmert sie sich um ihr Elternhaus. Und da beginnt auch schon das Problem:

Als die Einwohner des Ortes nämlich über die bevorstehenden Bauarbeiten und die damit verbundenen Kosten informiert wurden, war sie noch nicht für das Grundstück verantwortlich.

Kommunikation scheint schwierig

Jetzt versucht sie, die nötigen Informationen zusammenzutragen und kommt damit nicht wirklich weiter: "Immer wieder werde ich vertröstet, niemand spricht mit mir. Da ist es doch nicht verwunderlich, dass ich langsam glaube, hier stimmt etwas nicht."

Der Ort Guthmannshausen, die Lössa, Abwasser-Pumpwerke, das Klärwerk in Großneuhausen
Der obere Teil der Bergstraße ist schon fertig. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Dazu kommt, dass aus dem Rohr, das neben ihrem Grundstück an der Lossa liegt, regelmäßig ein übler Gestank aufsteigt und das Wasser dann auch trüb wird. Kathrin Kuppardt hat den Verdacht, dass dort Fäkalien in das Flüsschen geleitet werden. Außerdem soll sie ihr Haus jetzt auch an den neuen Abwasserkanal anschließen und das wird teuer. "Genau weiß ich noch nicht, was das kosten soll, aber das bewegt sich so zwischen 6.000 und 10.000 Euro" sagt Kathrin Kuppardt.

Keine Fehler festgestellt

Zuständig für das Abwasser und auch für die Bauarbeiten ist Betriebsgesellschaft Wasser und Abwasser (BeWA) Sömmerda. Geschäftsführer Maik Weise kann zwar verstehen, dass der Geruch und auch die Kosten für Kathrin Kuppardt sehr unangenehm sind, ihre Vorwürfe weist er jedoch weit von sich:

Es gab Vor-Ort-Termine und einen umfangreichen Schriftwechsel. Wir haben ihr alles genau erklärt.

Maik Weise Geschäftsführer BeWA

Und auch, dass Fäkalien in die Lossa geleitet werden, stimme nicht: "Letzte Woche hatten wir Bauabnahme. Da werden auch mehrere Wasserproben genommen. Es gab keinerlei Beanstandungen." Heißt, das mit Fördermittel realisierte Projekt entspricht dem Thüringer Gesetz zur Neuordnung des Wasserwirtschaftsrechts vom Mai 2019.

Schwierige Abwasser-Situation in Guthmannshausen

Ein Teil des Ortes ist ans Abwasser-Netz angeschlossen, manche Haushalte betreiben eine Kleinkläranlage. Stück für Stück soll nun alles auf den neuesten Stand gebracht werden. Doch das ist teuer. Auch für die Anwohner.

Der Ort Guthmannshausen, die Lössa, Abwasser-Pumpwerke, das Klärwerk in Großneuhausen
Nicht weit von der Brücke über die Lossa liegt Kuppardts Grundstück. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Der Ort Guthmannshausen, die Lössa, Abwasser-Pumpwerke, das Klärwerk in Großneuhausen
Nicht weit von der Brücke über die Lossa liegt Kuppardts Grundstück. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Der Ort Guthmannshausen, die Lössa, Abwasser-Pumpwerke, das Klärwerk in Großneuhausen
Aus diesem Rohr kommen die Gerüche, die Kathrin Kuppardt ärgern. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Der Ort Guthmannshausen, die Lössa, Abwasser-Pumpwerke, das Klärwerk in Großneuhausen
Landen hier wirklich Fäkalien in der Lossa? Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Der Ort Guthmannshausen, die Lössa, Abwasser-Pumpwerke, das Klärwerk in Großneuhausen
Das Wasser ist klar, der Wasserstand sehr niedrig. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
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In Guthmannshausen gibt es derzeit noch ein Mischsystem fürs Abwasser. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
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Ein Teil der Haushalte ist schon ans Klärwerk in Großneuhausen angeschlossen. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
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Ein Teil der Abwasser-Leitungen im Ort ist nämlich schon fertig Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
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Hier im Schaltraum sieht man den Baufortschritt auf einen Blick. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
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Die beiden neuen Pumpstationen in Guthmannshausen erkennt man an kleinen Lämpchen. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
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Eine steht am Ortseingang, die andere an der Brücke. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
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Aus diesen Rohren kommen keine Fäkalien. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
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Systemumstellung dauert noch

Um zu verstehen, woher der Geruch kommt, muss man wissen, dass Guthmannshausen bisher immer im Mischsystem entwässert wurde. Das bedeutet, dass sowohl Abwasser als auch Regenwasser über einen Kanal in der Straße in die Lossa geleitet wurde. Dieses Abwasser wurde aber in Kleinkläranlagen oder Absetzgruben vorgeklärt und enthält keine Fäkalien.

Derzeit wird das auf ein Trennsystem umgestellt. Dann läuft nur noch das Regenwasser in die Lossa, Abwässer kommen ins Klärwerk in Großneuhausen. Diese Umstellung kann nur schrittweise erfolgen, weil sie einfach zu teuer ist. Frühestens 2028 wird das abgeschlossen sein.

Der Ort Guthmannshausen, die Lössa, Abwasser-Pumpwerke, das Klärwerk in Großneuhausen
Eine der beiden Pumpstationen im Ort. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Das bedeutet, wenn es wenig regnet, ist der momentan der Anteil des Schmutzwassers größer als der des Regenwassers. Je nachdem, wie lange dieses Schmutzwasser in der Klärgrube gesammelt wurde, kann es schon etwas angefault sein und daher rührt der Gestank. Wenn dann der Wasserpegel der Lossa noch sehr niedrig ist, wird der Effekt noch verstärkt. "Es ist schließlich ein Unterschied, ob man einen Eimer Schmutzwasser mit 100 oder mit 1.000 Liter Wasser verdünnt", erklärt Maik Weise.

Problem in ganz Thüringen

Das Problem besteht nicht nur in Guthmannshausen. Bislang sind nur rund 80 Prozent der Thüringer Haushalte an eine zentrale Kläranlage angeschlossen. Damit ist Thüringen bisher bundesweit Schlusslicht, heißt es aus dem Thüringer Umweltministerium.

Vor allem im ländlichen Raum besteht Nachholbedarf. Zukünftig sollen Abwässer aus Orten mit mehr als 200 Einwohnern durch die Abwasserzweckverbände zentral entsorgt werden, darauf hat man sich mit den Kommunen vertraglich verständigt. "Der Pakt mit dem Thüringer Gemeinde- und Städtebund ist unser gemeinsames Bekenntnis: Wir wollen, dass mehr Grundstücke in Thüringen an die öffentliche Abwasserentsorgung angeschlossen werden, wir so die Umwelt besser schützen und die Kosten dafür fair verteilt sind", so Umweltministerin Anja Siegesmund.

Moderne Kläranlage in Großneuhausen

Mit Abschluss des vorerst letzten Bauabschnitts sind jetzt zwei Pumpwerke in Guthmannshausen in Betrieb, ein Großteil der Grundstücke ist ans Abwassernetz angeschlossen. Von hier fließen die Abwässer ins Klärwerk nach Großneuhausen.

Der Ort Guthmannshausen, die Lössa, Abwasser-Pumpwerke, das Klärwerk in Großneuhausen
Das Klärwerk in Großneuhausen. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

In Thüringen sind laut Gesetz alle Siedlungsgebiete mit mehr als 200 Einwohnern zentral zu entsorgen. Mit dieser Regelung sind deutlich mehr Grundstücke an eine öffentliche Abwasserbeseitigung anzuschließen als zuvor geplant. Das wird für Land und Kommunen noch ein großes Stück Arbeit.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 18. September 2020 | 16:00 Uhr

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