Sanierung Bad Sulzas Gradierwerk: Ein Bauprojekt mit Hürden

Autorenbild Conny (Cornelia) Mauroner
Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Die Sanierung des Gradierwerkes in Bad Sulza im Weimarer Land wird weitaus teurer als geplant. Statt der kalkulierten 800.000 Euro wird sie nun 2,6 Millionen Euro kosten. Und: Statt der geplanten Bauzeit von einem Jahr werden es am Ende wohl fast drei.

Ein langes Gebäudes aus Holz steht auf einer Wiese.
Längst sollte das Gradierwerk in Bad Sulza wieder begehbar sein, doch die Bauarbeiten ziehen sich in die Länge. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Das Gradierwerk "Louise" ist Bad Sulzas ganzer Stolz. Seit mehr als 200 Jahren rieselt die stadteigene Sole nun schon die Schwarzdornwände hinunter und heilt die Atemwege vieler Kurgäste. Zuletzt 1992 erneuert, war es wieder an der Zeit, den Schwarzdorn zu tauschen. Das war der Plan im Jahr 2018. Der Schwarzdorn sollte erneuert und die Zerstäuberhalle auf Vordermann gebracht werden. Rund 800.000 Euro waren für die Arbeiten eingestellt. Ein Jahr sollte das dauern. Doch daraus wurde nichts. "Das ist wie bei einem alten Haus. Schaut man hinter die Tapete, entdeckt man die Schäden", sagt Bad Sulzas Bürgermeister Dirk Schütze (SPD). Und so kam es dann auch.

Erste Hindernisse beim Bau

Hier und da kamen morsche Holzbalken zum Vorschein. Sie mussten ausgetauscht werden. Und auch das Auffangbecken für die Sole hielt nicht mehr stand. Aufwendig wurde ein neuer Trog installiert. Die gesamte Pumpentechnik wurde ausgetauscht und das Gradierwerk bekam eine nagelneue Lichtinstallation. Ein paar neue Bänke wurden aufgestellt und der Wandelgang war damit fertig. Nun sollte die Zerstäuberhalle auf Vordermann gebracht werden. Geplant war ein kleiner, unaufgeregter Bauabschnitt. Doch daraus wurde nichts. Beim Öffnen der Decke traten verkohlte Balken zu Tage. Man erinnerte sich an ein Feuer, das in den 1980er-Jahren dort wütete. Es hatte offenbar größere Schäden angerichtet als ursprünglich gedacht. Die Zerstäuberhalle geriet ins Wanken.

 Ein Schild an einem Bauzaun weist auf Bauarbeiten hin.
In Bad Sulza ist man optimistisch, im Frühjahr das Gradierwerk wieder öffnen zu können. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Das Dach musste abgedeckt und die Holzkonstruktion neu aufgebaut werden. Diese Arbeiten waren weder kostenmäßig noch im Zeitbudget eingeplant. Doch Bürgermeister Dirk Schütze nahm die neuen Hiobsbotschaften gelassen. "So ist das nun mal, wenn man ein Denkmal auseinandernimmt." Den Planern oder Architekten macht er keine Vorwürfe. "Was würde das auch bringen?", so Schütze, "Es ist besser, man ist jetzt lösungsorientiert."

Statt 800.000 nun 2,6 Millionen Euro Kosten

Bad Sulza muss tiefer in die Stadtkasse greifen. Rund 2,6 Millionen Euro wird die Sanierung des Gradierwerkes nun kosten. Auch wenn das Bauvorhaben mit 60 Prozent gefördert wird, bleibt eine gehörige Summe an der ohnehin schon klammen Kommune hängen. Erst kürzlich schaffte es Bad Sulza aus der Haushaltssicherung heraus. "Da hilft der Kurpfennig. Bad Sulza profitiert vom Sonderlastenausgleich des Freistaates. Außerdem weiß ich den Stadtrat hinter mir", sagt der Bürgermeister. Es herrscht Einigkeit. Das Bauprojekt Gradierwerk hat höchste Priorität.

"Wir sind auf der Zielgeraden", sagt Bauamtsleiter Jörg Hammer. Er rechnet damit, im Frühsommer wieder eröffnen zu können. Kurdirektorin Melanie Kornhaas teilt diesen Wunsch. Seit Jahren muss sie Kurgäste und Kliniken vertrösten. Sie konnten das Gradierwerk in den vergangenen Monaten nur in Teilen oder gar nicht nutzen. Zu den Bauarbeiten kam dann auch noch Corona dazu. "Die Einnahmen aus Eintrittsgeldern sanken von jährlich rund 30.000 Euro auf quasi null. Das schmerzt einer Stadt wie Bad Sulza sehr", so Kornhaas. Auf weitere Hiobsbotschaften hat auch sie keine Lust mehr.

Lift stoppt auf vorletzter Stufe

Pfusch am Bau, auch den hat es gegeben. Ein Treppenlift sei das aktuellste Beispiel. "Er stoppt auf der vorletzten Stufe und transportiert nur Lasten bis maximal 75 Kilogramm." Der Bau am Gradierwerk ist ein Projekt mit vielen Hürden. Doch auch die wird Bad Sulza noch meistern, sagen Kornhaas und Schütze. Sie sind zuversichtlich, dass das Gradierwerk sehr bald wieder öffnen kann. Was bleibt ist allerdings noch die Unsicherheit namens Corona.

Quelle: MDR THÜRINGEN/jml

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 19. Januar 2021 | 06:40 Uhr

1 Kommentar

part vor 6 Wochen

Tja, Schwarzdorn, der zu den Schlehen Gewächsen gehört, wächst wohl auch nicht so üppig verstreut hierzulande, eigentlich müsste es doch auch mit porösen anorganischen Baustoffen gehen ähnlich Effekte zu erzielen, die zudem preiswerter sein könnten. Dann wäre zwar der nostalgische Effekt weg aber der Gesundheitseffekt der gleiche, ebenso wie bei der Home-Anlage, die aber auch Ablagerungen an Möbeln und Wänden über die Zeit erzeugen könnte. Eine Alternative könnte zudem Lärchenholz darstellen, ebenfalls unverwüstbar über Jahrzehnte.

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