Zwei Bienenwagen stehen am Rand von einem Feld.
Die Zahl der Imker hat in Mellingen deutlich zugenommen. Sie freuen sich über die Blühstreifen. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Insektenschutz Blühstreifen in Mellingen sprießen bereits

Wer in den letzten Tagen draußen war, hat es gesehen: Die Bienen sind schon ziemlich aktiv. Um ihnen zwischen Raps und Mais das Leben leichter zu machen, hat die Agrargenossenschaft Mellingen jetzt zwölf Meter breite Blühstreifen angelegt. Und zwar fast vier Kilometer lang. Das Beste daran: Die Thüringer konnten Patenschaften für diese Flächen übernehmen. Und das haben mehr als 170 auch getan.

von Grit Hasselmann

Zwei Bienenwagen stehen am Rand von einem Feld.
Die Zahl der Imker hat in Mellingen deutlich zugenommen. Sie freuen sich über die Blühstreifen. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Als die Idee entstand, Paten für die Blühstreifen zu finden, hatte die Agrargenossenschaft Mellingen mit etwa 100 Interessenten gerechnet. Mittlerweile sind es mehr als 170. Jeder von ihnen übernimmt die Patenschaft für etwa 100 Quadratmeter Bienenweide für ein Jahr (50 Euro) oder auch für zwei (80 Euro). Als Gegenleistung kann man sich das ganze Jahr an den Blumen erfreuen, die Fläche wird mit Namen gekennzeichnet und im Herbst bekommt man ein Glas Honig vom Mellinger Imker.

Idee aus Bayern importiert

Eigentlich muss die Agrargenossenschaft fünf Prozent ihrer Flächen als sogenannte ökologische Vorrangsfläche bebauen. Bisher wurde die Quote immer erfüllt. An Feldrändern wuchsen Blumen und es wurde Luzerne angebaut, die später ans eigene Vieh verfüttert oder in der zum Unternehmen gehörenden Biogasanlage verwertet wurde. Dann hörte Lutz Streiber, Chef der Agrargenossenschaft, aus Bayern von der Idee der Patenschaften für Blühstreifen. Diese Flächen werden nicht bebaut, dort wird nicht gedüngt und auch Pflanzenschutzmittel sind tabu.

Insektenschutz hat Priorität

Inzwischen hat Streiber auf 3,8 Kilometern die jeweils zwölf Meter breiten Blühstreifen angesät. Und das vor allem entlang der B87 und des Ilmtal-Radweges. "Es soll ja auch schön aussehen. Wer will schon immer nur am Mais vorbei radeln", so der Vorstandsvorsitzende der Agrargenossenschaft. In erster Linie sollen davon aber Bienen und andere Insekten profitieren. Blühpflanzen, darunter blühende Kulturpflanzen aber auch Ackerwildkräuter sind eine wichtige Nahrungsquelle für Insekten und andere Tiere (zum Beispiel Feldhasen).

Die langanhaltende Blühphase, der aus mindestens 20 verschiedenen Blühpflanzen zusammengestellten Mischung, zieht viele Bestäuber an. Vier Fünftel der in Deutschland heimischen Nutz- und Wildpflanzen sind auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen. Vor allem Honig- und Wildbienen sowie Hummeln leisten hierzu einen wesentlichen Beitrag. Durch ihre üppige Vegetation und ein ausgeprägtes Wurzelwerk vermindern die Blühstreifen zudem Nährstoffverluste und Bodenerosion. Außerdem sollen sie dazu beitragen, dass neben dem Anbau von Kulturpflanzen wie beispielsweise Raps und Mais in Reinkultur, ein ausreichendes Angebot an Pollen und Nektar sowie Nistmöglichkeiten zur Verfügung steht.

Wirtschaftlichkeit ist Voraussetzung

Auf einen schönen Nebeneffekt freut sich Leni Eberhardt: Ihre Familie hat eine Zwei-Jahres-Patenschaft übernommen. Bienen mag Leni allerdings gar nicht und auch Honig isst sie nur, wenn sie muss. Dafür will die Elfjährige im Sommer auf ihrem Stück Blühstreifen die schönsten Blumensträuße pflücken. Trotzdem bleibt die Agrargenossenschaft ein Unternehmen, das Gewinn machen will. "Bei uns wirken auch die Mechanismen des Marktes. Wir müssen Löhne, Pachten und Sonstiges, was für den Betrieb notwendig ist, zahlen", sagt Streiber. "Und die Einnahmen aus den Patenschaften werden mit 19 Prozent versteuert, weil es keine landwirtschaftliche Produktion ist." Trotzdem liegt er jetzt mit seinen Blühstreifen ein Prozent über der gesetzlichen Vorgabe. Und das soll auch so bleiben.

Ein Bienenwagen steht an einer Wiese.
Die Imker und ihre Bienen sind begeistert von der Idee. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Das Projekt "Blühpatenschaften" will Streibel auch nach den zwei Jahren fortführen. Denn ökologisch gesehen, sollten die die Streifen am besten dauerhaft bestehen bleiben, mindestens aber fünf Jahre: Ihren vollen Wert für den Schutz der Artenvielfalt erreichen Blühflächen nämlich erst ab dem dritten Jahr. Und sie werden auch nicht nur im Sommer genutzt: Sie beherbergen auch viele Überwinterer und Larven von Insekten.

Paten vor allem aus der Region

Eine der ersten Patenschaften ging übrigens an den Spielmannszug Mellingen. Ralph Burckhardt: "Ich fand die Idee sofort super. Ich komme ja selber aus der Landwirtschaft und weiß, wie wichtig die Bienen sind." Auch dem Landesverband der Thüringer Imker gefällt die Idee. Logisch. Schließlich profitieren seine Bienen davon. Deshalb hat er ebenfalls eine Patenschaft übernommen.

Nur etwa zehn der Paten sind übrigens Firmen, alle anderen Privatleute und Familien. Die meisten aus Mellingen, Weimar und dem Umland. Auch Politiker haben sich beteiligt. Und zwar quer durch alle Parteien, die im Landtag vertreten sind. Nur die Grünen und die AfD sind nicht dabei.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Radiogarten | 04. Mai 2019 | 10:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Mai 2019, 15:26 Uhr

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1 Kommentar

05.05.2019 09:12 mäxchen spurtefix 1

12 Meter breit, 4 Kilometer lang. Jetzt müssen nur die insekten wissen, dass es sowas gibt. Nachdem man ihnen durch bebauung auf der 'Grünen Wiese', durch flächenversiegelung und von der EU geförderte monokulturen die lebensgrundlage dermassen vermißt hat, dass sie ihre reproduktion fast eingestellt haben. Aber 'die Krönung der Schöpfung' legt blühstreifen an, so kann man ruhigen gewissen sein haupt betten, was für die natur getan zu haben und weiter investruinen in die landschaft setzen.

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