Apolda Brite wird wegen Brexit zum Thüringer

Noch ist der Brexit lange nicht vollzogen und doch spürt man schon seine Folgen. Nicht nur in der Wirtschaft, auch in der Gesellschaft ist der bevorstehende Ausstieg Großbritanniens aus der EU angekommen. Erhebungen des Thüringer Landesamtes für Statistik beweisen: Die Zahl der Einbürgerungen von Briten ist auch im Freistaat sprunghaft gestiegen. Waren es zwischen 1991 und 2015 insgesamt gerade einmal zehn, registrierte das Amt im Jahr 2017 bereits 27 Einbürgerungen britischer Staatsbürger - Tendenz steigend.

Michael Dane, geborener Brite, mit seiner deutschen Einbürgerungsurkunde
Michael Dane, gebürtiger Brite, mit seiner deutschen Einbürgerungsurkunde. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Einer von ihnen ist Michael Dane. Der Landschaftsarchitekt aus dem Weimarer Land hat am Donnerstag im Landratsamt Apolda seine Einbürgerungsurkunde erhalten. Ein Verwaltungsakt, wie Dane sagt, nichts Emotionales. Er habe seine Gebühr gezahlt, sei mit einer Mitarbeiterin die Formulare durchgegangen, habe einen Strauß Blumen und die Urkunde erhalten - das war's. Viel aufregender sei der Einbürgerungstest gewesen, den Dane im Vorfeld absolvieren musste. 33 Fragen aus einem Katalog von 150 - anspruchsvoll. Es ging um das deutsche Regierungssystem, um Geografie und Gesellschaftskunde. Bestanden hat er den Test mit Bravour.

Mit dem Herzen bleibt er Brite

Seit 1983 lebt der Mann aus der Nähe von Manchester nun schon, mit Unterbrechungen, in Deutschland. Nie sei er auf die Idee gekommen, einen deutschen Pass zu beantragen. Doch das änderte sich - mit dem Brexit. Der Unternehmer, der einige Angestellte hat, sah sich vor Unsicherheiten gestellt. Was passiert mit seiner Firma, wenn er, als Chef, kein EU-Bürger mehr ist? Außerdem reizte es ihn, die gleiche Staatsbürgerschaft zu tragen wie seine Tochter. Auch das ein Argument für die Einbürgerung. Im Herzen bleibt er dennoch Brite. Seinen britischen Pass hergeben würde Dane niemals. Wenn er reist, wird er weiter den britischen Pass zeigen, ist sich Dane sicher. Im Alltag ändere die Entscheidung, ein "Mehrstaatler" zu sein, nichts. So darf sich Michael Dane jetzt nennen: Mehrstaatler. Ein neuer Begriff, den der Brite ganz neu dazugelernt hat.

Quelle: MDR THÜRINGEN/Conny Mauroner

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Radiogarten | 19. Januar 2019 | 09:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Januar 2019, 06:00 Uhr

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20 Kommentare

20.01.2019 22:59 Mediator an Sachse43(19) 20

Ich bin Deutscher und Europäer!
Warum sollte ich mich beim Wort "deutsch" also übergeben müssen?

Glauben sie nur weil ich mich ausdrücklich und massiv gegen Nazis und Verfassungsfeinde ausspreche müsste ich mich von Deutschland distanzieren? Seit wann stehen denn die oben genannten Gruppen für Deutschland, seine Gesellschaft oder seine Werte?

Zum Patrioten wird man übrigens nicht dadurch, dass man dies ständig betont, peinliche Hüte trägt, oder ständig mit der Deutschlandfahne aufmarschiert, damit man so tun kann als wäre man Demokrat und kein Rechtsradikaler.

Zum Patrioten wird man durch tätigen Einsatz für sein Land und unsere Gesellschaft, ohne davon viel Aufhebens zu machen. Einen Patrioten zeichnet übrigens auch aus, dass er andere respektiert.

PS: Wer Häuser anzündet oder durch die Blume dazu anstiftet ist alles, nur kein Patriot!

20.01.2019 18:06 Sachse43 19

@18: Sie sind bestimmt ein Wessi, ansonsten kann man dieses bildungsferne Beharren nicht erklären. Bei dem Begriff "deutsch" müssen Sie sich bestimmt übergeben. Ist auswandern für Sie eine Option?

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