Kommunalwahl 2019 Maik Tille: das "Stehaufmännchen" aus Bad Sulza

von Conny Mauroner

Maik Tille ist von Beruf Jurist. Die Politik interessierte den 42-Jährigen schon immer, doch erst seit 2013 ist er Mitglied der CDU. "Ein Freund hat mich dazu gebracht", sagt Tille und ergänzt, dass er zunächst lieber im Hintergrund gearbeitet hat. Bis zu dem Zeitpunkt als 2017 die Frage im Raum stand: Wer beerbt Johannes Hertwig (CDU) – den langjährigen Bürgermeister der Stadt Bad Sulza? Hertwig wollte in den Ruhestand gehen und bereitete seine Nachfolge vor. Tille wurde als Kandidat ins Spiel gebracht und hat sich nach eigenen Worten auch "gern nominieren lassen".

Maik Tille
"Stehaufmännchen" Maik Tille Bildrechte: MDR/Maik Tille

Vielleicht etwas zu spät, denn vier Monate vor der Wahl hatte Tille kaum Zeit, sich vorzubereiten. Für einen ausgeklügelten Wahlkampf sei es zu spät gewesen. Vielleicht sei das ein Grund gewesen, warum er im ersten Wahlgang mit nur vier Stimmen und in der darauf folgenden Stichwahl um den hauptamtlichen Bürgermeisterposten mit 21 Stimmen unterlag, resümiert Tille Wochen nach seiner Niederlage. Der CDU-Politiker musste sich dem SPD-Mann Dirk Schütze geschlagen geben. "Die erste Nacht konnte ich kaum schlafen, weil ich mir Gedanken gemacht habe, woran hat es gelegen - dieses Müh, was noch gefehlt hat. Was hätte man noch anders machen können. Das sind die Fragen, die man sich stellt."

Ziel: Beigeordneter im Kreistag

Aber der Jurist gab sich kämpferisch. Nur wenige Wochen nach dieser Niederlage nahm er eine ganz andere Nominierung an: Der Kreistag suchte nach einem neuen Beigeordneten oder einer Beigeordneten. Tille sah sich berufen und warf seinen Hut in den Ring, wollte Vize im Weimarer Land werden. Die Aussichten schienen nicht schlecht, denn Mehrheitsverhältnisse im Kreistag sprachen für einen Kandidaten der CDU. Doch auch hier war die Vorbereitungszeit zu kurz, sagt Tille. Zeit, mit allen Fraktionen ins Gespräch zu kommen ,gab es nicht. "Dabei war im Vorfeld signalisiert worden, man solle die Wahl zurückstellen, bis sich einzelne Fraktionen verständigt haben. Aber die Wahl sollte wohl erzwungen werden. Aber was man erzwingt, muss nicht zwangsläufig gelingen", so Tille.

Ziel: Ortschaftsbürgermeister in Bad Sulza

Luftbildaufnahme von Bad Sulza
Bad Sulza im Weimarer Land Bildrechte: GDI-Th, Freistaat Thueringen, TLVermGeo

Zu Wenige kannten Tille als Menschen. Die Folge: wieder eine Niederlage für den Mann aus Bad Sulza. Und wieder fehlten nur ein paar Stimmen. Tille ist ein Stehaufmännchen. Selbstzweifel lasse er nicht zu, erst recht nicht bei derart knappen Wahlergebnissen, sagt er. Das würde ja die Wähler enttäuschen, die ihm sein Vertrauen geschenkt haben. Und deshalb machte er weiter. Tilles Name stand auch am 26. Mai auf dem Wahlzettel. Diesmal ging es um den Posten des ehrenamtlichen Ortschaftsbürgermeisters von Bad Sulza. Die Bewerbung war gut überlegt und länger vorbereitet, sagt Tille. Der Wahlkampf ruhig und unaufgeregt. "Wir haben versucht, uns aus jeglichen Wahlkampagnen rauszuhalten und ganz sachlich zu bleiben." Auf große Plakatierungen verzichtete er. Er halte davon nicht viel, glaube nicht daran, dass sich der Wähler von Plakaten leiten lasse.

Im Kreistag und im Stadtrat

Nun - nach der Wahl - stellt Tille die Überlegung an, ob er zu wenig "getrommelt" hat, zu wenig Aufmerksamkeit in der Bevölkerung erregte. Denn was folgte war ein Déjà-vu: Nach Auszählung der Stimmen lag Tille wieder einmal hauchdünn hinten. Ganze fünf Stimmen fehlten zum Sieg. Warum? Das kann auch Maik Tille nicht erklären. "Im Vorfeld der Wahl war angezweifelt worden, ob ich lange genug in Bad Sulza wohne", das habe vielleicht für Verunsicherung in der Bevölkerung gesorgt. Zu Unrecht, wie Tille findet und der Wahlausschuss gab ihm recht. Tilles Kandidatur war rechtlich sauber, hieß es von dort. Drei Tiefschläge innerhalb weniger Monate und alle derart knapp. Am einfachsten wäre es natürlich, den Kopf in den Sand zu stecken. Doch die Politik an den Nagel hängen, das liegt ihm fern. Im Gegenteil: "Man kommt zu dem Schluss: Jetzt erst recht! Aufgeben würde man, wenn man klar unterlegen hätte. Wenn der Wähler mit 100 zu 1.000 Stimmen gezeigt hätte, Du bist nicht unser Kandidat. Dann würde ich mich nicht noch mal stellen. Aber bei so knappen Ergebnissen, sehe ich das nicht so. Das gibt mir den Mut weiterzumachen." Und Tille macht weiter. In den Kreistag hat er es geschafft und auch im Stadtrat von Bad Sulza hat der Jurist nun einen Platz, wenn auch nicht den des Bürgermeisters.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Zuletzt aktualisiert: 31. Mai 2019, 08:33 Uhr

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1 Kommentar

31.05.2019 11:22 Parteilos 1

Herr Tille ist kein Stehaufmännchen sondern der offensichtliche und peinliche Versuch der CDU auf Biegen und Brechen einen ihrer Leute in eine entsprechendes Amt zu heben.
Dabei sollte es nicht um die Versorgung einzelner Personen oder Parteien gehen, sondern um Sachthemen und die Entwicklung der jeweiligen Orte im Sinne der Einwohner. So wie es auch die Thüringer Kommunalordnung (ThürKO) vorsieht.
Eine hauchdünne Mehrheit der Wähler hat das erkannt und dementsprechend Gewählt.

Wenn man (aus purem Selbstzweck) Parteifarben für so wichtig hält, sollte man wenigstens Kandidaten aufstellen die bereits vorher durch Engagement und Ortskenntnis auffallen. Von Herrn Tille hatte ich bis zur Bürgermeisterwahl in Bad Sulza noch nie etwas gehört.

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