Coronavirus-Krise Behinderten-Werkstätten vor großen Herausforderungen

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Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Die Corona-Pandemie verlangt Abstand. Direkte Begegnungen werden manchmal unmöglich. So verbietet sich aktuell ein direkter Kontakt zu Behinderten. Einen Blick in deren Lage vermittelt Rola Zimmer, die Vorstandsvorsitzende des Lebenshilfewerks Weimar/Apolda.

Die Arbeit ist oft ihr ganzes Leben - sie gibt ihnen Struktur und eine Aufgabe. Seit Wochen dürfen die Behinderten im Freistaat ihre Werkstätten nicht mehr betreten. Die Corona-Allgemeinverfügung macht den Alltag auch für sie unmöglich.

Das stellt die Betroffenen vor große Herausforderungen, wie Rola Zimmer, Vorstandsvorsitzende des Lebenshilfewerkes Weimar/Apolda sagt. Ihnen fehlt es an Struktur, an einer sinnvollen Aufgabe, vor allem aber an sozialen Kontakten, so Zimmer. Die Mitarbeiter der Lebenshilfe versuchen abzudecken, was sie können. Sie telefonieren mit den Betroffenen, bringen das Mittagessen persönlich zu Hause vorbei oder aber schicken den "Allgemeinen Dienst", der sich um sie kümmert.

Doch es bleiben die Ängste und die Einordnung von all dem, was gerade passiert. Es bleiben viele offenen Fragen und niemand ist da, der sie beantworten kann.

Arbeit in der Werkstatt strukturiert den Alltag - und fehlt nun

Behinderte Menschen und Arbeit
Die Einschränkungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus treffen auch Menschen mit Behinderung schwer (Symbolbild). Bildrechte: Colourbox.de

In den Wohngemeinschaften für die Behinderten ist die Herausforderung ebenfalls groß. Keiner der Werkstatt-Arbeiter ist die Enge gewöhnt. Normalerweise haben sie ihren Alltag - verlassen früh das Zimmer und kehren erst am Abend heim. Doch nun ist alles anders. Und so werden sie beschäftigt: Es gibt Spaziergänge allein, oder zu zweit und Bastelangebote. Doch auch hier fällt vielen buchstäblich die Decke auf den Kopf.

Ein weiteres Problem sind die monetären Ausfälle der Behindertenwerkstätten. Schließlich gibt es Aufträge aus der Wirtschaft zu erfüllen. Ein paar Bereiche, wie die Wäscherei, die Küche und auch die Gärtnerei sind weiter geöffnet. Betrieben werden sie aber aktuell von festen Mitarbeitern der Lebenshilfe. Behinderte haben zu ihrem Schutz keinen Zutritt. Das Nötigste an Aufträgen wird abgearbeitet, doch Vieles bleibt liegen.

Fehlende Einnahmen reißen Löcher in die Kassen

Die Einnahmen, auf die die Werkstätten so angewiesen sind, die fehlen. Löhne werden weiter gezahlt und auch die Kosten für Lagerräume und Mieten. Die Corona-Krise, sie reißt auch in die Kassen der Behindertenwerkstätten große Löcher. Ob das Sozialdienstleistergesetz dafür aufkommt, ist noch nicht abschließend geklärt. Rola Zimmer wünscht sich für ihre behinderten Angestellten eine geordnete Rückkehr ins Arbeitsleben. Und das bald. Mit Mundschutzmasken und auseichend Abstand, vielleicht im Schichtsystem könnte gearbeitet werden, sagt sie.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 16. April 2020 | 18:00 Uhr

3 Kommentare

Schnattchen vor 32 Wochen

Meine Behinderte Tochter ist zu Hause, weil der Förderbereich der Behindertenwerkstatt geschlossen hat. Uns beiden geht es endlich richtig gut. Kein Stress mit morgens 6.00 Uhr aufstehen bis 7.30 Uhr in der Werkstatt sein und das mit Pfkegegrad 5. Kleine Fahrdienste wurden eingespart,B nur grosse Busse.Tochter bringe ich selber hin danach auf Arbeit und das gleiche zurück. Gesamtes Essen gebe ich täglich mit, da auch nur gespart wurde mit Grossküchen Fertigessen. In den Werkstätten ist gutes Fachpersonal ersetzt wurde mit billigeren Arbeitskräften wo die Ausbildung nicht ausreichend ist. Fazit, perfekte Ruhe, Epileptischen Anfällen haben sich wesentlich verringert, wir haben endlich Zeit miteinander.

siebels12 vor 32 Wochen

Es geht über all so schlecht in der Behindertenwerkstätte. Selbst bei uns in der WFBM Aurich/Wittmund sieht es sehr schlecht aus. Wir beschäftigenten wissen nicht mal ob wir überhaupt wieder anfangen können oder so. Der Lohn wird erst mal weiter bezahlt aber keiner weiß wie lange noch. Ich möchte hoffen das es vom statt hilfe kommt das wir unsere Plätze behalten können. Denn nicht nur ich sondern mehrere Menschen mit körperlichen Einschränkungen oder geistiger Einschränkung sind auf die Werkstätten angewiesen um etwas zu tun zu haben. Ich bete jeden Tag das alle werkstätten für Behinderten Menschen hilfe bekommen um weiter arbeiten zu können.

KathiMarie vor 33 Wochen

Leider ist es wie überall, finanzielle Not durch Schließung. Trotz allem können wir unsere Mitmenschen nicht dieser Gefahr aussetzen. Es ist einfach noch zu früh, die Infektionen mit dem sogenannten Corona Virus steigen weiter an. Ich wünsche allen Gesundheit und Durchhaltevermögen! Grüße, Kathi Marie

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