Stefanie Lachmann bei einem Auftritt.
Stefanie Lachmann bei einem Auftritt. Sie liebt die Musik. Bildrechte: Axel Clemens

Serie I Starke Frauen Frauenwahlrecht ist auch, zu entscheiden, was ich anziehe - Stefanie Lachmann

100 Jahre Frauenwahlrecht, das ist mehr als ein Kapitel im Geschichtsbuch. Im Thüringer Landtag sind auch heute nur 37 der 91 Abgeordneten Frauen. Doch es gibt auch außerhalb der Politik jede Menge starke Frauen im Freistaat, die ohne den Kampf der Frauen von damals heute nicht selbstbestimmt leben könnten. Eine davon ist die Musikerin Stefanie Lachmann aus Hottelstedt.

von Grit Hasselmann

Stefanie Lachmann bei einem Auftritt.
Stefanie Lachmann bei einem Auftritt. Sie liebt die Musik. Bildrechte: Axel Clemens

Sie bezeichnet sich als "Wossi". Geboren ist sie in Baden-Württemberg, 2002 kam sie dann nach Weimar. Und da ihr Mann ein echter Thüringer ist, bezeichnet sie ihre Familie als Ost-West-Konglomerat.

Stefanie Lachmann arbeitet bei der Bürgerstiftung Weimar. Und zwar in der Ehrenamtsagentur. "Das Ehrenamt ist sehr wichtig, wenn man Dinge voran bringen will. Egal, ob neue Projekte, für die es noch kein Geld gibt, oder auch an Stellen, wo es etwas mehr Einsatz braucht."

Allerdings merkt sie auch immer wieder, dass Leute in die Agentur kommen, die gern etwas tun wollen, eigentlich aber auch Geld brauchen. Für die ein Nebenjob viel besser geeignet wäre.

Die Ehrenamtsagentur arbeitet unabhängig, ist nicht der Stadt Weimar unterstellt. Und auch ihre Projekte reichen von Hilfe im Garten bis hin zu aufwändigen Ferienfreizeiten.

Rock, Musicals, Jazz - Musikerin mit Leib und Seele

Gelernt hat Stefanie Lachmann eigentlich Schriftsetzerin. Und ihr ganzes Leben lang hat sie außerdem Musik gemacht. Als Stephanie Brill tritt sie heute auf. Zum einen als Livemusikerin auf Feiern und Festen quer durch die Republik, zum anderen schreibt sie eigene Songs. Ihre erste Solo-CD hat sie gerade veröffentlicht. Auch Musicals und Jazz hat sie schon gemacht.

Ihr Haus in Hottelstedt war lange ihr Traum. Sie liebt zwar das Leben in der Stadt mit all seinen Annehmlichkeiten, die Natur und die Ruhe sind ihr aber noch wichtiger. Vor allem die Freiheit genießt sie sehr. Ein Jahr hat es gedauert, das Haus überhaupt bewohnbar zu machen. Jetzt kümmert sie sich vorrangig um den Garten, auch wenn sie viel unterwegs ist. Zum Glück kann ihr Mann gut kochen, das mag Stefanie nämlich nicht wirklich.

Serie I Starke Frauen Stefanie Lachmann tanzt auf vielen Hochzeiten

Stefanie Lachmann arbeitet bei der Ehrenamtsagentur, macht Radio, ist professionelle Sängerin, Mutter und restauriert nebenbei ihr Haus. Wie sie das schafft? Mit Spaß.

Eine junge Frau singt in ein Mikrofon.
Mit 16 hat sie angefangen, Musik zu machen. Bis heute sieht sie sich in erster Linie als Musikerin. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Eine junge Frau singt in ein Mikrofon.
Mit 16 hat sie angefangen, Musik zu machen. Bis heute sieht sie sich in erster Linie als Musikerin. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Stefanie Lachmann bei einem Auftritt.
Auf der Bühne steht sie unter dem Namen Stefanie Brill. Das ist übrigens ihr Mädchenname. Bildrechte: Axel Clemens
Eine Frau genießt ein Glas Weißwein.
Entspannung findet Stefanie Lachmann vor allem in der Natur. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Eine Frau steht neben zwei Fahrrädern an einem See.
Bei schönem Wetter fährt sie sogar nach Weimar zur Arbeit mit dem Rad. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Zwei Frauen sitzen in einem Bis und halten ein Schild herraus auf dem steht ''Engagment voll abgefahren''.
Die Ehrenamtsagentur ist eine Einrichtung der Bürgerstiftung Weimar. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Eine Frau mit Kopfhörer neben einem Mikrofon.
Auch eine Radio-Sendung zum Thema "Ehrenamt" hat sie konzipiert. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Auf einer Bühne stehene mehrere Personen mit Urkunden und Blumen.
Dafür wurde sie kürzlich mit dem Innovationspreis ausgezeichnet. Bildrechte: Timo Jaster bagfa
Stefanie Lachmann und ein Mann.
Persönliche Freiheit und Gleichberechtigung sind ohne den richtigen Partner nicht zu erreichen. Stefanie Lachmann hat ihn gefunden. Ihr Mann Dirk ist auch Musiker. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Eine Frau mit Maurerkelle arbeitet an einer Hauswand.
Ihr Haus in Hottelstedt hat Stefanie Lachmann mit ihrem Mann selber restauriert. Gelernt hat sie dabei viel. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Eine Frau und ein Mann sitzen nebeneinander und schauen sich an, der Mann spielt dabei auf einer Gitarre.
Mit ihrem Sohn macht Stefanie Lachmann so oft es geht zusammen Musik. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Stefanie Lachmann steht an einer Straße, hält den Daumen raus mit einem Schild in der Hand - Expedition.
"Expedition" ist der Name ihres neuen Albums. Die PR dafür macht sie auch selber. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Eins wird auf dem Dorf klarer als in der Stadt: Wenn man in einer Gemeinschaft lebt, muss man auch mal nach rechts und links schauen, sagt sie. Es ist ihr nicht nur wichtig, dass man auf sich selbst achtet, sondern dass man auch anderen gegenüber aufmerksam ist. Das vor allem wollte sie auch ihrem Sohn mitgeben, der inzwischen 19 ist. "Ich finde, er ist sehr gut geraten." Und ihre Augen leuchten, wenn sie von ihm spricht.

Und auch in ihre eigene Radiosendung ist sie eher zufällig "reingerutscht". Fasziniert hat sie das Thema schon immer. Und als das Thema "Ehrenamt" dann stärker in die Öffentlichkeit rückte, war der Zeitpunkt gekommen. "Help" heißt ihr Radiomagazin, inzwischen hat sie sogar den Innovationspreis dafür bekommen.

"Natürlich wäre mein Leben ganz anders, wenn wir kein Frauenwahlrecht hätten"

Das fängt bei der Schulbildung an, Führerschein, Berufswahl - wie kann eine Frau ihr Potential überhaupt entwickeln? All das haben wir schon den Suffragetten (Frauenrechtlerinnen in Großbritannien und den USA Anfang des 20. Jahrhunderts, Anm. d. Red.) zu verdanken, findet sie. Man nimmt diese Errungenschaften nur irgendwie gar nicht mehr so wahr. In der Musik ist das leichter, sagt Stefanie Lachmann: "Wenn ich geil singe, dann singe ich geil. Dann hat der Mann einfach Pech gehabt."

Auch als ihr Kind noch kleiner war, konnte sie nie zu Hause sitzen. Sie hat sich das von ihrer Mutter abgeschaut, sagt sie. "Meine Mama ist mein absolutes Vorbild. Sie hat auch einen Beruf gelernt. Und in dem hat sie auch gearbeitet. Obwohl sie verheiratet war. Sie konnte für sich selber sorgen. Auch wenn das damals im Westen eher nicht üblich war."

Ungerechtigkeit regt sie auf. Sie selbst bezeichnet sich als fairen Menschen. Und sie findet es nicht richtig, dass man als Frau irgendwann in das Alter kommt, wo man kaum noch eine Wahl hat. Egal, ob in der Musik, im Job oder in der Lebensplanung. Dabei ist es so wichtig, Dinge zu ändern, die einen nicht glücklich machen. Über sich selbst bestimmen zu können. "Allerdings verlangt das eine Menge Mut", sagt sie. Stefanie Lachmann hat diesen Mut in ihrem bisherigen Leben aufgebracht. Auch wenn man sich fragt, wie viele Stunden ihr Tag eigentlich hat.

Quelle: MDR THÜRINGEN

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR spezial | 09. November 2018 | 18:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. November 2018, 09:27 Uhr

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3 Kommentare

15.11.2018 18:51 Außenstehender 3

@ 1 Agnostiker: Herzlichen Glückwunsch. Mit Ihrer Aussage / Prophezeiung reihen Sie sich in die Reihe der Propheten ein und stellen sich Allah gleich.
Nicht nur der Islam kennt Propheten, ein Blick ins "Alte Testament" ( Jesaja, Daniel, Hiob ...) wäre dabei schon sehr hilfreich.
Ich habe gar nicht gewußt, daß es vom Wort Frau eine weibliche Form (Frau_Innen) gibt. Man lernt halt nie aus.

14.11.2018 16:08 martin 2

@1 agnostiker: Grüner Einheitsstaat? Ich dachte das Volk steht wie ein Mann hinter der AfD?

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