Echsen Gecko-Züchter aus Apolda liebt sein Nacht-Hobby

MDR-Autorin Antje Kirsten
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Geckos sind kleine Echsen und bevölkern unsere Erde seit mindestens 50 Millionen Jahren. Die Urzeittiere faszinieren viele Menschen und sind  beliebte Haustiere. In Apolda gibt es einen Züchter, der Taggeckos für ganz Europa züchtet und Tiere auch schon nach Japan und Amerika verkauft hat. Aktuell können sie jedoch wegen der Corona-Pandemie von den Händlern nicht abgeholt werden.

Ein Neukaledonischer Kronengecko wird in einer Hand gehalten.
Ein Neukaledonischer Kronengecko wird in einer Hand gehalten. Bildrechte: MDR/Antje Kirsten

Ich wollte eigentlich gegen 11 Uhr bei Gunter Opel in Apolda klingeln. Am Telefon aber hatte er mich gewarnt: "Da sehen sie nichts, da schlafen die Geckos noch". Also steige ich am Nachmittag mit dem Züchter in den Keller seiner alten Villa und stehe plötzlich in einer fremden, fernen Welt.

Die Luft ist feucht, es ist 25 Grad warm und der Raum über und über mit Terrarien bestückt. Gunter Opel schiebt eine Glasscheibe auf und nimmt einen stattlichen Kronengecko auf die Hand: "Er ist der einzige, der sich im Beisein von Fremden anfassen lässt", erklärt er mir, und ich darf ihn streicheln. Fühlt sich nicht so flauschig an wie meine Katze, aber durchaus weich.

Gunter Opel, Geckozüchter mit einem Gecko auf der Hand.
Gunter Opel, Geckozüchter mit einem Gecko auf der Hand. Bildrechte: MDR/Antje Kirsten

Der Neukaledonische Kronengecko leckt sich mit der Zunge über die Augen, weil er keine Augenlider hat. Apropos Augen: Aus dutzenden Terrarien schauen uns die Geckos an. "Die beobachten uns ganz genau. Geckos sind Fluchttiere und huschen sofort weg, " sagt er und zeigt mir, wie perfekt sie doch an ihre Umgebung angepasst sind. Sie sind so braun wie der Stamm des Baumes oder so grün wie die Blätter.

Ein Terrarium mit allem Schnick-Schnack, manche verbauen ja auch Orchideen, brauchen sie eigentlich nicht. Ihnen reicht eine Wand, wo sich sie festhalten können, ein paar Blätter zum Verstecken und Feuchtigkeit.

Gunter Opel, Gecko-Züchter

Aber ein schön eingerichtetes Terrarium ist auch was fürs Auge. Weil Gunter Opel keine Nebelmaschine hat, sprüht er jeden Tag Wasser in jedes Terrarium. "Man muss sich mit den Tieren schon beschäftigen, sonst darf man so ein Hobby gar nicht erst anfangen", sagt der studierte Landwirt, der immer schon Tiere hatte. Einst züchtete er Chinchillas. Nach einer Reise 2004 nach Mauritius fand er zu den Geckos. "Ich finde es faszinierend, wie sie sich bewegen, wie sie sich ihrer Umwelt anpassen und wie lange sie schon auf dieser Erde leben. Sind halt niedliche, putzige Kerlchen".

Gunter Opel und Valentin (8 Jahre) mit einem Kronengecko.
Gunter Opel und Valentin (8 Jahre) mit einem Kronengecko. Bildrechte: MDR/Antje Kirsten

Nacht-Hobby Geckos züchten

Auf das Gecko-Züchten kam der 67-Jährige, weil es auch ein Nacht-Hobby ist, meint er lachend. "Das kann ich auch in der Nacht ausüben." Im Keller simuliert er mit einem Tag-Nacht-Regime auch Jahreszeiten. "Unsere Stromrechnung wollen Sie lieber nicht sehen." Taggeckos gibt es in der freien Natur vor allem auf Madagaskar, Mauritius, Re Union. Dort aber verlieren sie durch Waldrodungen zunehmend an Lebensraum.

Die Zucht in seinem Keller sei eben auch eine Art externer Artenschutz, so Opel. So ein Weibchen legt bis zu zehn Mal im Jahr ein "Doppelei". Nicht aus jedem schlüpft auch ein Gecko. Aktuell hat Gunter Opel rund 140 Geckos in seinen Terrarien. Und die wollen fressen. Lebendfutter wie Grau- und Waldschaben oder Grillen. Gunter Opel züchtet auch das Futter, etwa zehn Arten Insekten. In den vielen, vielen Plastikschalen auf den Terrarien wimmelt es nur so. Mit einer Pinzette wird gefüttert. Aber Geckos mögen auch Babybrei - Pfirsich-Maracuja zum Beispiel. Geckos lieben offenbar auch die Abwechslung.

Schaben in einer Plastebox.
Schaben in einer Plastebox. Bildrechte: MDR/Antje Kirsten

Seine Baby-Geckos, wie Sägeschwanzgecko oder Kurzkopfgecko, der aus der heißen Savanne von Madagaskar stammt, verkauft er in die ganze Welt. Normalerweise auf Europas größter Reptilienbörse in Hamm. Da hat er schon Geckos nach Amerika, Japan, China verkauft. Jedes Tier hat Papiere und wenn eines den Bestand verlässt, muss es bei der Unteren Naturschutzbehörde abgemeldet werden. Jetzt im Lock Down kann auch er kaum Tiere verkaufen, allerhöchstens er schickt sie mit Tiertransporten auf die Reise. Aber, sagt er, das wollen vielen Käufer nicht. "Sie wollen die Tiere bei mir sehen und hier abholen."

Von Amsterdam nach Apolda

So hat im Frühjahr ein Züchter aus den Niederlanden die lange Autofahrt von Amsterdam nach Apolda auf sich genommen - wegen eines Geckos. Deutschlandweit gibt es ungefähr 200 organisierte Züchter. Gunter Opel ist einer der absoluten Taggecko-Experten. Wer etwas über die so genannten Phelsuma wissen möchte, ist bei dem 67-Jährigen leidenschaftlichen Tierliebhaber an genau der richtigen Adresse. Mit einer Taschenlampe leuchtet er in der Brutmaschine ein Mini-Gecko-Ei an. Das Ei ist so groß wie der Nagel meines kleinen Fingers. Das eine Ei schimmert zartrosa. "Das ist befruchtet."

Ein Kronengecko an der Außenwand des Terrariums.
Ein Kronengecko an der Außenwand des Terrariums. Bildrechte: MDR/Antje Kirsten

So ein Gecko kostet zwischen 15 Euro und einigen tausend Euro. Je seltener, umso teurer. Seine Jungferngeckos sind, so hart das klingt, meist Schlangenfutter. Sie werden von Schlangenzüchtern gekauft. Jungferngeckos sind klein und vermehren sich rasant, brauchen keine Männchen. Die Weibchen legen nahezu ununterbrochen befruchtete Eier. Seltener sind da schon die Gestreiften Baumskinke von der Insel Borneo. Als Baumechsen haben sie Krallen, schlafen aber kurioserweise unter der Erde. Ab und an, erzählt Gunter Opel, büxt auch der eine oder andere Gecko mal aus, macht sich im Keller auf die Pirsch. "Ich habe dort keine Spinnen. Die fressen meine Geckos".

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Nachmittag | 21. Februar 2021 | 13:20 Uhr

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