Gemeindefusionen Bilanz und Ausblick aus dem Weimarer Land

Die Fusion hat der Gemeinde "Am Ettersberg" viel gebracht - so sieht es zumindest Bürgermeister Thomas Hess (CDU). Rückgängig machen würde er sie auf "keinen Fall". Für die Bürger ändern sich Hundesteuersätze, Abwasserfragen und einige Straßennamen.

Schloss Ettersburg
Die Gemeinde Am Ettersberg ist erfüllende Gemeinde für die Ortschaft Ettersburg. Bildrechte: IMAGO

Der eine hat schon - die andere hat es noch vor sich. Was sie vereint ist die Zahl ihrer Überstunden. Thomas Hess (CDU) ist seit Monaten damit beschäftigt, seine Gemeinde "Am Ettersberg" wirklich zusammen zu führen. Das fällt mal leicht, mal schwerer, sagt der Ex-Bundeswehr-Soldat, der im Mai zum Bürgermeister gewählt wurde.

Die Akten auf seinem Tisch stapeln sich. Es sind Anfragen, Anträge von der Hundesteuer bis hin zum Bauhof, Breitbandausbau und energetischer Sanierung. Alles landet auf Hess Tisch. Nicht unbedingt ein Vorteil der Fusion, sagt Thomas Hess.

Die ehrenamtlichen Bürgermeister in seinen Ortschaften haben nur noch wenig Befugnis. Sämtliche Unterschriften muss Hess selber leisten. Das verlängert so manches Mal den Bearbeitungsweg und die Bearbeitungszeit, sagt Hess.

Thomas Hess an seinem Schreibtisch
Thomas Hess (CDU) ist seit Monaten damit beschäftigt, seine Gemeinde "Am Ettersberg" zusammenzuführen. Bildrechte: MDR/Thomas Hess

Landgemeinde verschafft sich Gehör

Würde er die Fusion rückgängig machen? Auf keinen Fall! Der Region hat sie viel gebracht: "Am Ettersberg" wird wahrgenommen und das auch in Erfurt. Als Landgemeinde könne man ganz anders agieren, z.B. bei der Beantragung von Fördermitteln.

Außerdem könne die Gemeinde viel leichter gesetzliche Vorgaben einhalten, die Menschen hätten fixe Ansprechpartner z.B. im Bauhof. Die eine oder andere Entscheidung würde er vielleicht heute etwas anders fällen, aber Bürgermeister Hess hat es nicht so mit den Gedanken über das "hätte, wäre, wenn".

Sei ehrlich und transparent

Seiner Kollegin Alexandra Seelig in Grammetal gibt er gern Tipps mit auf den Weg: Sei ehrlich, sei transparent - ist seine erste Botschaft. Das Ortsrecht muss angepasst werden. Das führt zwangsläufig dazu, das sich z.B. Hundesteuersätze ändern. Rede mit den Menschen und begründe warum das so ist.

Seelig nimmt die Ratschläge gern an. Vieles ist schon umgesetzt. So müssen im Zuge der Fusion z.B. einige Straßen umbenannt werden. In der Landgemeinde darf sich keine Anschrift doppeln.

Einwohner einbinden

Bei der Wahl der neuen Namen hat Seelig (parteilos) die Einwohner ins Boot geholt und Vorschläge gesammelt und gemeinsam mit ihren Mitarbeitern die Besten ausgewählt. Und so wird am 31.12. die Straße "Im Dorfe" in Bechstedtstraß zur "Salzstraße". In Hopfgarten wird es einen "St. Witus Weg" geben.

Nur die Post hat nicht rechtzeitig mitgespielt. Die Postleitzahl wird erst Anfang Februar vereinheitlicht. Immerhin, die Einwohner haben damit mehr Zeit, ihre Briefbögen zu ändern und die neuen Adressen Rentenkassen und Sparkasse mitzuteilen.

Folgen für Feuerwehr

Weniger augenscheinlich für die fusionierten Bürger sind die Veränderungen von Strukturen, wie beispielsweise die Feuerwehren: Die 16 Wehren werden bleiben, nun aber braucht es "jetzt" einen Ortsbrandmeister - und nicht erst in ein paar Monaten, sagt Seelig.

Die VG-Chefin hofft auf zügige Entscheidungen und eine schnelle Bürgermeisterwahl. Denn auch der muss neu bestimmt werden. Am 16. Januar werden sich alle Gemeinderäte zum ersten Mal an einen Tisch setzen. 76 werden es sein - allein dafür ein Saal zu finden, war eine Herausforderung.

Die 76 Männer und Frauen müssen dann übers neue Ortsrecht entscheiden - über Friedhofsgebühr, Abwasserfragen und Kita-Beiträge. Alles wird neu angefasst.

Ein Rat dazu aus dem nördlichen Kreis und Bürgermeister Thomas Hess: Achtet auf die Kirmes- und Heimatvereine - stärkt den Ehrenamtlern den Rücken. Sie sorgen dafür, dass sich die Ortschaften in der Landgemeinde wiederfinden. Denn ihren Namen werden sie verlieren, nicht aber ihre Identität.

Hinweis der Redaktion: In einer ersten Fassung des Textes stand in einer Bildunterschrift, dass die Gemeinde Ettersburg eine von 14 Ortschaften der Gemeinde Am Ettersberg sei. Das ist falsch. Wir haben die Bildunterschrift angepasst.

Quelle: MDR THÜRINGEN/nis/jw

5 Kommentare

Burgfalke vor 47 Wochen

"Größere Verwaltungseinheiten bringen der Leitung höhere Geld-Einstufung"
Frage dazu:
Woher kommt dieser plötzliche Geldsegen? Nur aus "geförderten" (mit Speck...) scheinbar freiwilligen Zusammenschlüssen in sich werden keine zusätzlichen Gelder "erwirtschaftet"! Es sind lediglich Taschenspielertricks: von einer Tasche in die andere! An anderer Stelle fehlen diese Gelder!!!
In Sachsen und Sachsen- Anhalt ist man da längst zu anderen Einsichten gelangt. Selbst Ihr Parteifreund Innenminister Stahlknecht (CDU) aus S.-A. hat dies öffentlich zum Ausdruck gebracht!
Kritiker hier des "Nörgeln" oder "Unkenntnis" zu unterstellen, ist mehr als befremdlich und einerseits auch typischer Ausdruck von ...! Das sollen besser andere User hier bewerten. Die Leittragenden sind die Bürger und alle (!) Dienstleister. Ein Hinterfragen von unnötigen Folgeerscheinungen findet nicht im Ansatz statt. Schönreden jeder Fehlentwicklung ist "Standard".

Burgfalke vor 47 Wochen

Grundsätzlich gibt es zu dieser Thematik ausschließlich nur "Hofberichterstattung"!

Es wird sich in jeder Hinsicht sich in die Taschen gelogen und es gibt keinerlei Medien, die das kritisch hinterfragen bzw. unter Anwendung eines gesunden Menschenverstandes viele Dinge aks unnötigen Irrsinn klassifizieren!
In Sachsen und Sachxen- Anhalt ist man längst zu anderen Einsichten gekommen.
Gemeindenamen sind gleichzusetzen mit Firmennamen. Beide gehören wie ein Familienname in die oberste Zeile einer Anschrift. Es hat lediglich die Verwaltungszuständigkeit geändert. Daher braucht es keine Änderungen von Straßennamen oder Anschriften, denn die Bürger sind nicht umgezogen!!!
Es ist öängst selbstverständlich, daß auch CDU- Leute längst keine Wertvorstellungen mehr haben! Ortsnamen sind ein Teil unseres Kulturgutes!

Thomas_Hess vor 47 Wochen

Lieber winfried, Ihr Kommentar zeugt von Unkenntnis und dem Bedürfnis des Nörgelns. Ich erhalte die gleiche Entgeltgruppe wie der vorhergehende VG-Vorsitzende. Die übergeleiteten Bürgermeister der selbstständigen Gemeinden, nun Ortschaftsbürgermeister erhalten eine geringere Aufwandsentschädigung. Ergo wird hier Geld gespart.
Ich wünsche Ihnen für das kommende Jahr alles Gute.
Thomas Heß

Mehr aus der Region Weimar - Apolda - Naumburg

Mehr aus Thüringen