Einrichtung wird desinfiziert Kindergarten in Weimar bleibt wegen Krätze geschlossen

Es juckt unangenehm und ist hochansteckend: Krätze. In Weimar sind deshalb die Türen eines Kindergartens dicht. Dass der Fall überhaupt bekannt wurde, ist nicht selbstverständlich. Denn meldepflichtig sind die Erkrankungen nur bei "gehäuftem" Auftreten.

Kindergarten
Der Kindergarten "Waldstadt" Weimar: Erste Fälle von Krätze bestätigten sich schon Anfang des Jahres. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Kindergarten "Waldstadt" im Weimarer Ortsteil Schöndorf bleibt bis einschließlich Mittwoch geschlossen. Grund ist ein Krätzebefall. "Wir haben das nicht gerne gemacht. Eine Schließung ist immer das letzte Mittel", sagte Rudolf Dewes, der Chef des Trägers, der Hufeland-Trägergesellschaft (HTG). Alle Gegenstände aus Stoff werden bei mindestens 60 Grad gewaschen, um die Krätzemilben abzutöten. Außerdem wurden Teppiche entsorgt, Kuscheltiere der Einrichtung für zwei Wochen in Säcke gepackt und eingefroren, um die Milben gänzlich abzutöten. Die 125 Kinder können wegen der großen Ansteckungsgefahr in keinem anderen Kindergarten betreut werden. Trotz verschärfter Hygieneregeln lassen sich weitere Infektionen nicht eindämmen.

Erste Verdachtsfälle kurz vor Weihnachten

Amtsärztin Oberbeck im Interview
Isabelle Oberbeck, Amtsärztin der Stadt Weimar. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Am Dienstag und Mitwoch soll ein Reinigungsdienst die gesamte Einrichtung umfassend desinfizieren. Erste Verdachtsfälle hatte es bereits vor Weihnachten gegeben. Diese hätten sich aber nicht bestätigt, sagte Rudolf Dewes, HTG-Geschäftsführer. Im neuen Jahr seien allerdings die ersten, auch von Ärzten bestätigten Fälle aufgetreten.

Isabelle Oberbeck, Amtsärztin der Stadt Weimar, geht davon aus, dass nach der Schließzeit keine lebenden Milben mehr in der Einrichtung auftreten. Nicht auszuschließen sei, dass sich die Krankheit aber innerhalb der betroffenen Familien weiter ausbreitet. Man sei mit den Eltern im Gespräch, sagte die Amtsärztin. Ab Donnerstag soll der Kindergarten wieder öffnen.

Im letzten Jahr fast 100 Krätze-Meldungen in Thüringen

Wie viele Krätze-Fälle es landesweit gibt, ist nicht leicht zu beantworten. Wie das Thüringer Gesundheitsministerium auf Anfrage mitteilte, besteht für Krätze nur dann eine Meldepflicht, wenn die Erkrankung gehäuft auftritt. Von einer Häufung wird laut Thüringer Infektionskrankheiten-Meldeverordnung ab fünf Fällen innerhalb von 48 Stunden gesprochen. Im Jahr 2019 wurden laut Ministerium 96 Krätze-Häufungen in Thüringen bekannt. Am häufigsten waren Familien betroffen (61). Die anderen Fällen verteilten sich auf Kindertagesstätten und Schulen (16), Alten- und Pflegeheimen (3) sowie 16 Fälle in "sonstigen Einrichtungen."

Krankheit ist immer aktuell

"Krätze war nie weg", sagte Susanne Glasmacher, Pressesprecherin des Robert-Koch-Instituts (RKI). "Die Krankheit war bloß nicht so im Fokus." Es gibt keine bundesweite Meldepflicht für Krätzefälle. Nur Erkrankungen aus Gemeinschaftseinrichtungen, wie Kindergärten, Pflegeheime und Obdachlosenheimen, werden an die Gesundheitsämter gemeldet. Daher gibt es keine bundesweiten Statistiken. "Aufgrund von Krankenhausdiagnosen können wir aber langjährige Zyklen feststellen, deren Ursachen nicht bekannt sind", so Glasmacher. Auch gebe es große regionale Unterschiede.

Was ist Krätze? Die Krätze, medizinisch als Skabies bezeichnet, ist eine durch die Skabiesmilbe verursachte ansteckende Hautkrankheit des Menschen. Die Milben sind nur 0,3 bis 0,5 Millimeter groß und damit kaum mit bloßem Auge sichtbar. Sie graben sich in die obere Hautschicht des Menschen ein, wo die Weibchen über ihre Lebenszeit von etwa vier bis acht Wochen täglich mehrere Eier legen. Die Reaktion auf Milbenausscheidungen verursacht nach einiger Zeit Hautreaktionen. Besonders dort, wo Menschen auf engem Raum zusammen leben, können sich Skabiesmilben verbreiten. Daher kommt es gelegentlich zu Krankheitshäufungen, vor allem in Gemeinschafts- oder Pflegeeinrichtungen.
Quelle: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Keine Übertragung durch Händeschütteln

Hautausschlag am Arm
Hautausschlag durch Krätze. Bildrechte: imago/blickwinkel

Eine Übertragung von Krätze setzt einen großflächigen, längeren und kontinuierlichen Haut-zu-Haut-Kontakt in der Größenordnung von fünf bis zehn Minuten voraus. Dementsprechend sind Handschütteln, Begrüßungsküsse, Umarmungen und Ähnliches ohne Übertragungsrisiko. "Krätze ist nichts, was einen in der U-Bahn anspringt", sagt die RKI-Sprecherin. Personen, die sich bei einem Patienten anstecken können, sind im Regelfall Mitglieder einer Familie oder Wohngemeinschaft, zum Beispiel Paare, eng vertraute Geschwister, Eltern mit Kleinkindern sowie pflegebedürftige Personen, deren Betreuer und Pfleger.

Quelle: MDR THÜRINGEN/jml

Zuletzt aktualisiert: 21. Januar 2020, 20:27 Uhr

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