Ein einjähriger Junge sitzt inmitten von Bauklötzen auf dem Fußboden.
Der kleine Matti besucht jetzt für ein halbes Jahr die Einrichtung einer Tagesmutter, ehe er ab Januar in den Kindergarten in Apolda gehen kann. Dort war nicht rechtzeitig ein Platz frei geworden. Bildrechte: MDR/Mandy Peter

Apolda Lösung gefunden: Statt Klage jetzt Kita-Platz

Matti sitzt inmitten von bunten Bauklötzen. Mit dem Schnuller im Mund vergewissert er sich immer wieder, dass seine Mama Mandy Peter in der Nähe ist. Seit gut einer Woche besucht der knapp Einjährige zur Eingewöhnung die Einrichtung einer Tagesmutter in Kapellendorf. Dass er hier einen Platz bekommen hat, dafür mussten seine Mama und sein Papa kämpfen und Nerven lassen.

von Juliane Maier-Lorenz

Ein einjähriger Junge sitzt inmitten von Bauklötzen auf dem Fußboden.
Der kleine Matti besucht jetzt für ein halbes Jahr die Einrichtung einer Tagesmutter, ehe er ab Januar in den Kindergarten in Apolda gehen kann. Dort war nicht rechtzeitig ein Platz frei geworden. Bildrechte: MDR/Mandy Peter

Die junge Familie hatte gemeinsam mit ihrem Anwalt schon die Klage auf einen Rechtsanspruch für einen Platz in einem Kindergarten gegen die Stadt Apolda vorbereitet. Sie wäre vermutlich eine der Ersten gewesen, die im Freistaat diesen Schritt gegangen wäre. Mandy Peter hat ihre Klage jetzt zurückgezogen, denn die Stadt Apolda lenkte ein und sicherte ihr einen Platz im Wunschkindergarten zu.

Eine Mutter mit zwei kleinen Kindern
Mandy Peter mit ihren Kindern Jasmin (6) und Matti (elf Monate). Bildrechte: MDR/Juliane Maier-Lorenz

Matti wird Mitte Juni ein Jahr alt. Der Plan der Familie: Mama Mandy geht einen Tag später wieder als Sekretärin in Jena arbeiten. Doch ein Platz in ihrem Wunsch-Kindergarten bekommt Familie Peter für Matti nicht. Erst im August wird hier was frei, so die Stadt Apolda. Zu spät für die junge Mutter, zu hoch die finanziellen Einbußen. Mehrere Städte und Regionen in Thüringen kämpfen derzeit mit dem steigenden Bedarf an Kindergartenplätzen. Gründe sind die gestiegenen Geburtenzahlen und ein Zuzug von Familien aus dem Umland in die angefragten Städte.

"Mir wurde der Platz bei einer Tagesmutter angeboten", erzählt Mandy Peter. Doch dort müsste Matti für mindestens sechs Monate hin. Und so würde ihr Anspruch auf einen Platz in Apolda verfallen. Wohin mit dem Kind, wenn Mama und Papa nach der Geburt wieder arbeiten wollen? Diese Frage treibt viele Eltern um, weiß auch Ulrike Grosse-Röthig, Thüringer Landeselternsprecherin der Kindertagesstätten. "Besonders in Erfurt ist die Situation katastrophal, hier man die Stadt die Entwicklung um die Geburtenraten schlichtweg verschlafen."

Matti geht jetzt ab Januar in den Kindergarten nach Apolda. Wie ein Sprecher der Stadt auf MDR-THÜRINGEN-Anfrage mitteilte, bleibt die Anmeldung des Kindes weiter bestehen, nur der Betreuungsbeginn verschiebt sich nach hinten. Mandy Peter fiel ein Stein vom Herzen. "Ich bin froh, dass wir diese Möglichkeit erhalten haben", sagt die junge Mutter. Sie würde diesen Schritt, ihren Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz einzuklagen, wieder gehen.

Derzeit werden in Apolda nach Angaben der Stadt 863 Kinder in sieben Einrichtungen betreut. Auch hier steigen die Geburtenzahlen an, weswegen die Stadt investieren und Kindergärten ausbauen möchte.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 17. April 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Mai 2019, 07:30 Uhr

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11 Kommentare

16.05.2019 02:00 Marie 11

Warum bleibt Matti nicht bei der Tagesmutter?
Wird der Krippenplatz für Matti jetzt bis Januar freigehalten? (Das sind 5 Monate.)
Das Kitaplätze erst zu August frei werden ist logisch, weil dann die Großen zur Schule gehen und somit Jüngere in den Kindergarten kommen und somit Krippenplätze frei werden. Diese werden dann neu besetzt.
Ich finde, es wurde ein wenig egoistisch gedacht. Dachte die Mutter, dass für Matti mitten im Jahr ein Krippenplatz frei ist und dann auch noch in der Wunschkita?
Matti ist jetzt vermutlich seit gestern bei der Tagesmutter. Mama geht ab Mitte Juni wieder arbeiten und wie überbrückt sie die Ferien? Die Tagesmutter wird vermutlich auch im Juli frei haben.
Matti hätte zu August einen Krippenplatz gehabt. Der Vater kann noch zwei Monate Elternzeit nehmen. Somit wäre die Zeit bis dahin überbrückt gewesen. Vermutlich mit finanziellen Einbußen, dafür Stärkung der Bindung.
Und im Januar muss Matti sich trennen und alles fängt von vorne an.

Anm.d.Redakt. Liebe Marie, Frau Peter nimmt Mitte Juni ihre Arbeit nach dem Erziehungsjahr wieder auf. Zu diesem Zeitpunkt konnte ihr die Stadt keinen Kita-Platz bieten. Nicht immer ist es möglich, auch aufgrund, wie Sie richtig festgestellt haben, finanzieller Einbußen, dass Vater oder die Mutter deswegen die Elternzeit verlängern. Matti bleibt nicht bei der Tagesmutter, weil die Familie in Apolda wohnt und so viel flexibler ist, was zum Beispiel das Abholen und Bringen des Kindes angeht. Und Frau Peter ist mit ihrem Wunsch, ihr Kind zum Zeitpunkt des ersten Geburtstages in eine Einrichtung geben zu können, nicht allein. Es wäre bedenklich, wenn in ganz Deutschland jetzt "Sommerkinder" geboren werden, nur damit diese auch einen Betreuungsplatz zum Schulanfang bekommen.

15.05.2019 21:00 martin 10

@atheist: Wie wäre es, wenn die Eltern selbst entscheiden? Ich halte es übrigens für ausgemachten Unfug, dass hier alle Frauen in die Arbeit gezwungen werden.

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