Mitfahrbank in Tiefengruben
Mitfahrbank in Tiefengruben: Wer sich hier niederlässt, kann darauf hoffen, von hilfsbereiten Autofahrern ein Stück mitgenommen zu werden. Bildrechte: MDR/Cornelia Mauroner

Tonndorf und Tiefengruben Modernes Trampen: Zehn neue Mitfahrbänke im Weimarer Land

Mitfahrbänke sind die elegante Art des Trampens. 2014 stand die erste Mitfahrbank in Rheinland-Pfalz und auch in Thüringen gibt es immer mehr davon: in Hinternah, Markvippach, Vesser, Steinbach und anderen Orten. Im Weimarer Land kommen nun zehn neue Mitfahrbänke hinzu.

von Conny Mauroner

Mitfahrbank in Tiefengruben
Mitfahrbank in Tiefengruben: Wer sich hier niederlässt, kann darauf hoffen, von hilfsbereiten Autofahrern ein Stück mitgenommen zu werden. Bildrechte: MDR/Cornelia Mauroner

Die Idee zu den Mitfahrbänken im Weimarer Land stammt von der Initiative "Talvolk", die das Projekt ins Rollen gebracht hat. "Talvolk" ist ein Zusammenschluss von Menschen in der südlichen Region des Landkreises Weimarer Land, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, für ein besseres Zusammenleben zu sorgen.

Mitfahrbank in Tiefengruben
Eine der zehn neuen Mitfahrbänke steht in Tiefengruben. Sie soll die Anbindung des Dorfes an Städte wie Weimar und Erfurt verbessern. Bildrechte: MDR/Cornelia Mauroner

Ein Ziel ist die bessere Anbindung ihrer Dörfer an die Städte. Auf Busse allein können sich die Leute nicht verlassen. Viel zu selten fährt der öffentliche Personennahverkehr. Die neuen Mitfahrbänke stehen in Tonndorf, Tiefengruben und bald auch in Nauendorf und Hohenfelden. Sie verbinden die Tal-Region mit frequentierteren Orten und damit mit Städten wie Weimar und Erfurt. Ältere und Jugendliche sind die Zielgruppe der Mitfahrbänke. Sie sind am wenigsten mobil, stellt Mitinitiator Thomas Meier fest. Skepsis versucht die Initiative "Talvolk" mit Aufklärung zu lösen. Es wurden Flyer verteilt, in denen die Funktionsweise der Mitfahrbänke erklärt wird.

Unsere Hoffnung ist, dass die Menschen aus dem Tal mit der Zeit die Bänke annehmen und sich dann auch gegenseitig mitnehmen. Viele kennen sich ja auch untereinander, hier in den Dörfern.

Thomas Meier, Initiative "Talvolk" und Mitinitiator der Bänke

Noch muss sich aber rumsprechen, was es mit den neuen Bänken auf sich hat, denn angenommen werden sie ganz unterschiedlich. Vor allem ist die Scheu, sich auf eine Bank zu setzen, noch groß, wie Mitinitiator Thomas Meier feststellt. Tramper gibt es nur wenige.

Mitfahrbank in Tiefengruben
Ein großes "M" auf einem Zettel hinter der Windschutzscheibe verrät, dass der Autofahrer gerne bereit ist, andere mitzunehmen. Bildrechte: MDR/Cornelia Mauroner

Anders sieht es mit der Bereitschaft aus, fremde Menschen mitzunehmen. Nur ein paar Minuten dauert es, bis Autos halten und Fahrer ihre Hilfe anbieten, wie unsere Reporterin selbst feststellt. Gerne lässt sie sich einen Ort mitnehmen. Die Fahrerin hat nach eigenen Worten keine Angst, fremde Menschen ins Auto steigen zu lassen. Und auch die Mitreisenden können sich sicher fühlen: Ein großes "M" hinter der Windschutzscheibe verrät, dass der Fahrer gerne bereit ist, andere zu chauffieren. Nur wer in der Region wohnt, bekommt eines dieser Zeichen. Man kennt sich - und das gibt ein gewisses Maß an Sicherheit, wie Thomas Meier sagt.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 25. April 2019 | 07:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. April 2019, 07:20 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

5 Kommentare

26.04.2019 19:15 pkeszler 5

@dmehl 4: "Viel zu selten fährt der öffentliche Personennahverkehr."
Wäre es da nicht besser, den ÖPNV dem Bedarf entsprechend auszubauen ?"
Das ist ja gerade das Problem. Der öffentliche Nahverkehr fährt zu selten, weil der Bedarf zu gering ist. Heute fährt eben jeder lieber mit dem eigenen PKW zum Einkauf oder zum Arzt, weil er damit unabhängiger ist.
Das gleiche Problem haben wir doch auf der sog. Pfefferminzbahn von Buttstädt nach Großheringen. Wer will denn schon auf einem zugigen Bahnsteig auf den nächsten Zug warten?

26.04.2019 11:12 dmehl 4

"Viel zu selten fährt der öffentliche Personennahverkehr."
Wäre es da nicht besser, den ÖPNV dem Bedarf entsprechend auszubauen ?
Wollte man nicht die ländliche Räume attraktiver machen und verhindern,
das diese weiter abgehangen werden ?
Und ist der ÖPNV nicht auch unter dem Gesichtspunkt des Begrenzens des Klimawandels eine sinnvolle Option ?
Und in der Praxis:
man stellt ein paar Bänke auf und verteilt ein paar Flyer (übrigens früher Handzettel genannt).
Und wer wird bei schlechtem Wetter / Kälte auf der Bank sitzen ?
Die Bereitschaft der Menschen, sich untereinander zu helfen und die gute Intention, das Zusammenleben der Menschen zu verbessern, wird ausgenutzt,
um staatliche Aufgaben und Ausgaben zu vermeiden / zurückzufahren.

Mehr aus der Region Weimar - Apolda - Naumburg

Mehr aus Thüringen