Weimarer Land Corona-Krise macht Modemacher kreativ

Autorenbild Conny (Cornelia) Mauroner
Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Die Corona-Krise hat die Thüringer Modebranche ganz unterschiedlich hart getroffen. Während die einen mit neuen Mode-Linien auf dem Markt Fuß gefasst haben, kämpfen andere Unternehmen um ihre Existenz. Umsatzeinbußen gibt es aber überall. In Apolda haben wir uns in einigen Geschäften umgesehen.

Katrin Sergejew malt etwas in ein Buch
Designerin Katrin Sergejew in ihrem Atelier. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Produktion von Masken hat einige Firmen über Wasser gehalten, so auch Kaseee in Apolda. 1.500 Stück pro Woche haben Designerin Katrin Sergejew und ihr Team genäht. "Acht Wochen lang haben wir nichts Anderes gemacht, haben sogar die Wochenenden durchgemacht", berichtet Sergejew.

Stammkunden hätten ihr die Treue gehalten. In Größenordnungen hätten sie Mund-Nasen-Schutz-Pakete bei ihr geordert. Nur so gelang es der Unternehmerin, keine ihrer Mitarbeiterinnen in Kurzarbeit schicken zu müssen. Inzwischen sind die Läden wieder geöffnet und es wird wieder gekauft. Die Festmode allerdings bleibt hängen.

Es fehlen die Jugendweihen und Hochzeiten und andere schöne Partys. Dennoch, nach der langen Homeoffice-Zeit merkt man deutlich: Die Leute haben Sehnsucht nach schöner Bekleidung.

Katrin Sergejew

Durch Corona setzen Menschen andere Prioritäten

Allerdings, sagt Ingo Treu vom Lederatelier Apolda, ist das Kaufverhalten sehr zurückhaltend. Treu hatte mit seinem Unternehmen weniger Glück. Die aufwendigen Masken, die er zu Beginn der Corona-Zeit produziert hat, fanden nur wenige Wochen lang Abnehmer. "Bis die billige Konkurrenz aus China auf den Markt kam, lief's, dann war Schluss."

Luxusprodukte wie seine Taschen werden gerade nicht gekauft. Die Leute setzen andere Prioritäten. Fünf seiner einst sieben Mitarbeiter musste Treu nach Hause schicken. Wie es weitergeht, weiß er noch nicht. Ein paar kleinere Aufträge halten seine Firma am Laufen. Treu hofft auf ein Ende der Krise.

Wintermode zurzeit sehr gefragt

Umsatzeinbußen gab es auch bei den größeren Modeunternehmen. StrickChic Apolda hat in der "Saure-Gurken-Zeit" die Lager gefüllt, sagt Vizechef Christoph Müller. Das Unternehmen hat sich auf Herbst- und Wintermode spezialisiert und die ist aktuell sehr gefragt. "Wir holen gerade auf, was wir im Sommer verpasst haben und hoffen, dass das Loch nicht allzu groß wird."

Spezielle Corona-Edition entwickelt

Designer Boris Makarucha aus Weimar ist sein eigener Chef. Auch er hat von Anfang an Masken genäht.

Ein Mann der eine Tasche hält steht in einem Geschäft
Designer Boris Makarucha trägt eine Jacken mit integrierter Maske sowie eine Bauchtasche die wie eine Mund-Nasen-Schutzmaske aussieht. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

"Gerade zu Beginn im Frühjahr haben die Leute an mein Fenster geklopft und nach Masken gebettelt", erzählt Makarucha. Ihn hat die Krise beflügelt. Der Designer hat eine neue Modelinie herausgebracht: Eine Bauchtasche, die aussieht wie ein Mund-Nasen-Schutz und Jacken mit Masken daran sind seine neuesten Kreationen. Der Weimarer ist glücklich über ein Stück Normalität. Dass die Läden wieder geöffnet haben, sei ein Segen.

"Die Leute kaufen, sie kaufen bewusster, limitiert und regional." Aus Thüringen weg zu gehen, kommt für Makarucha nicht infrage - auch wenn er weiß, dass er in Düsseldorf oder Köln das Doppelte für seine Kleidung verlangen könnte.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 25. Oktober 2020 | 08:15 Uhr

2 Kommentare

Paule vor 5 Wochen

@der Vielfältige: Warum sollten Modemacher, Schneider und Designer nicht kreativ arbeiten und auch Mund-Nasen-Schutz verschönern? Gerade in einer Zeit, wo viele Soloselbstständige und Freiberufler aus den kreativen, künstlerischen Branchen keine Einnahmen mehr haben und auch keine Soforthilfe und Hartz 4-Unterstützung bekommen, sind Ideen gefragt um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Vielleicht ist es Ihnen nicht bewusst, dass im Moment manche Menschen seit 7 Monaten NULL Einnahmen haben da ihnen faktisch die Ausübung ihres Berufes untersagt wurde. Reich werden Modemacher wie der Weimarer Boris Makarucha mit dem Herstellen und Verkauf von MNS in keinem Fall!

der Vielfaltige vor 5 Wochen

Für mich ist ein Großteil in diesem Land nicht ganz dicht. Erst kauft man ständig das Klopapier um es zu horten, dann kauft man Designer Masken um damit zu glänzen und zur High Society zu gehören.

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