Sechs Männer posieren in einer Kirche vor dem Altar nach einer Podiumsdiskussion für ein Foto.
Volker Heerdegen, Beigeordneter der Stadt Apolda, Christoph Eisenhuth, Pfarrer i.R. und damaliger Leiter Runder Tisch, Matthias Büchner, DDR-Sprecher "Neues Forum", Mike Mohring, der damals die Schülergruppe "Neues Forum" organisierte, der derzeitige Pfarrer von Apolda, Thomas-Michael Robscheit, und Jürgen Schwarz, Kreissprecher "Neues Forum" in der Apoldaer Kirche (von links nach rechts). Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

30 Jahre Mauerfall Zeitzeugen erinnern sich in Apolda an den Wendeherbst 1989

1989 - an dieses Jahr erinnern sich wohl die meisten Menschen in Deutschland. Auch in Apolda wissen viele noch, was sie zum Beispiel am 4. November getan haben. 2.000 von ihnen waren damals in die Lutherkirche gekommen, um am Friedensgebet teilzunehmen. Montagabend wurde am Orignalschauplatz daran erinnert. Dabei sprachen Zeitzeugen vor dutzenden interessierten Bürgern.

von Conny Mauroner

Sechs Männer posieren in einer Kirche vor dem Altar nach einer Podiumsdiskussion für ein Foto.
Volker Heerdegen, Beigeordneter der Stadt Apolda, Christoph Eisenhuth, Pfarrer i.R. und damaliger Leiter Runder Tisch, Matthias Büchner, DDR-Sprecher "Neues Forum", Mike Mohring, der damals die Schülergruppe "Neues Forum" organisierte, der derzeitige Pfarrer von Apolda, Thomas-Michael Robscheit, und Jürgen Schwarz, Kreissprecher "Neues Forum" in der Apoldaer Kirche (von links nach rechts). Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Hans-Joachim Galiffè hat die Versammlung damals organisiert. Die Martinskirche sagt er, war viel zu klein geworden. Ohne Werbung zu machen, seien die Leute in Scharen zum Friedensgebet gekommen - so auch am 4. November 1989. Die Menschen wollten eine Veränderung, die Menschen wollten eine Revolution und zwar friedlich, so Galiffé.

Wunsch nach Freiheit

Von einer friedlichen Revolution spricht auch Pfarrer i.R. Christoph Eisenhuth. Er leitete damals den Runden Tisch und war eine zentrale Figur im Umbruch in Apolda. Den Begriff Wende lehnt Eisenhuth ab - er stört sich daran. Dieses Wort sei von Egon Krenz geprägt worden und drücke nicht aus, was die Menschen damals dachten. Der Wunsch nach Freiheit habe 1989 alles überstrahlt. Auch in seiner Wohnung hatten sich die Pfarrer der Umgebung versammelt. Gemeinsam hätten sie Friedensgebete organisiert, erinnert sich Eisenhuth.

Plakate am Küchentisch gemalt

Der DDR-Sprecher des Neuen Forums, Matthias Büchner, war am 4. November 1989 nicht in der Lutherkirche dabei. Er war zur gleichen Zeit bei einer Demonstration in Berlin, aber erinnert sich an die Kraft, die von Apolda ausging. Zu einer Demonstration am 6. November waren tausende Menschen gekommen. Bei 12.500 hat Mike Mohring damals aufgehört zu zählen. Er war Gründungsmitglied der Schülergruppe Neues Forum und hat die Demonstrationen mitorganisiert. Am heimischen Küchentisch hat er Plakate gemalt und handschriftlich Aufrufe verfasst. Gemeinsam mit Freunden hat er sie auf einfachste Weise vervielfältigt und mit selbst zusammengerührten Latexleim an Betonmasten gepappt, so Mohring. Die Polizei habe die Jungs aufgehalten und ihnen die Ausweise weggenommen, doch sie hätten weiter gemacht. Halb Apolda mobilisiert zu haben, das hat Jeden in der Runde beeindruckt.

Keiner wusste, was kommt

Der Demonstrationszug am 6. November - er führte vom Gericht durch die Stadt. Ziel war die Stasi Zentrale Apolda. Es war ein mulmiges Gefühl, erinnern sich einige Apoldaer. Keiner wusste, was kommt. Wenige Tage später wurde die Mauer geöffnet - genau zu der Zeit, als sich die Apoldaer wieder in der Kirche versammelt hatten - zum Friedensgebet.

Quelle: MDR THÜRINGEN/jml

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Vormittag | 05. November 2019 | 10:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. November 2019, 10:11 Uhr

2 Kommentare

K - P Baumann vor 5 Wochen

Oho, da fehlte eben der wichtigste Satz meines Kommentars.
Hier ist er …
Tatsache ist, daß die UdSSR verfügt hatte - am 8. November 1989 - die Grenze zur BR Deutschland am 9. November 1989 aus Richtung DDR um 21:00 h zu öffnen.

Fragen Sie doch einmal beim DlF nach, dort hat man über dem Vorgang m 9. November 2014 eine Sendung gestaltet.
Die Dame war eine Ärztin aus Magdeburg und war mit Wartburg und Tochter um 20:30 h auf der Ostseite der Helmstedter Grenze eingetroffen, zur Verblüffung der dortigen DDR-Grenztruppen. Pünktlich um 21:00 h wurde sie nach Deutschland reisen gelassen.
Dies ist vor einiger Zeit noch Dr. Brinkmann, dem Bild-Reporter der Schabowski um 18:00 h des Tages den Satz des Tages, des Jahres entlockte:
"Soweit ich weiß, s o f o r t ." entlockte.

Also, wie ich neulich Daniel S. Hamilton bei der DGAP sagte: "Berlin was as always too late !"

K - P Baumann vor 5 Wochen

In Apolda hat sich keine Mauer geöffnet.
Das wissen wir alle.
Die Mauer hat sich irgendwann nach 22:00 h in der Bornholmer Straße in Berlin geöffnet. Auch das wissen wir alle.
Was eigentlich aber überhaupt nur wenige wissen. Die Grenze - also nicht die Mauer - hatte sich bereits um 21:00 h am 9. November 1989 geöffnet.
Um 21:00 Uhr ?
Ja, denn ich erinnere ich mich noch sehr genau, daß ich an dem Donnerstag immer bei einem Panzer-Regiment in der Nähe von Gudow einen EDV-Kurs gab. Das Seminar endete um 21:300 h. Irgendwelche 20 Minuten später war ich immer auf der Autobahn zurück nach Hamburg. Auch an dem Tag.
Um 22:00 h brachte als erste Meldung der Nachrichtendienst des DlF die Meldung, die hier aus der Erinnerung zitiert ist:
"Eine Dame hätte in Helmstedt von Magdeburg kommend die Grenze überquert, hätte in der Telephonzelle kurz telephoniert, hätte einen Kaffee getrunken und wäre sodann in die DDR zurückgekehrt:"
Anweisung der UdSSR um verfügt !!!

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