Fahrer auf der Flucht Beine eines Polizisten in Apolda überrollt - Fahndung läuft noch immer

Nach dem Angriff auf einen Polizisten in Apolda ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft wegen versuchter Tötung. Ein 39-Jähriger war dem Beamten über die Beine gefahren. Die Fahndung nach dem Fahrer läuft noch immer.

Polizeibeamte in Uniform und zivil in einer Straße in Apolda.
In der Nacht untersuchten Polizisten den Tatort in Apolda. Bildrechte: MDR/Johannes Krey

In Apolda ist ein Polizist von einem Autofahrer angefahren und schwer verletzt worden. Wie die Jenaer Polizei am Freitag mitteilte, entkam der Autofahrer. Es handele sich um einen 39 Jahre alten Mann, den die Beamten erkannt hätten. Den Angriff werten Polizei und Staatsanwaltschaft als versuchte Tötung.

Die Fahndung nach dem Angreifer läuft seit der Nacht zum Freitag. Ein Hubschrauber flog die Region bereits ab. Auch am Tag lief die Suche unter anderem mit einem Spürhund weiter, bislang ohne Erfolg.

Apolda: Fahrer setzt zurück und überrollt Polizisten

Zum Hergang hieß es, die Beamten hätten den Autofahrer am Donnerstagabend in Apolda kontrollieren wollen. Statt anzuhalten, habe der Fahrer Gas gegeben und sei geflohen. Er habe dabei mehrere rote Ampeln überfahren. In einer Straße im Stadtgebiet von Apolda hätten die Polizisten versucht, den Fahrer erneut zu stoppen. Das Auto habe zunächst angehalten.

Als sich einer der Beamten dem Wagen von hinten genähert habe, sei der Fahrer rückwärts gefahren und habe den Polizisten erfasst. Als der Beamte stürzte, habe der Autofahrer erneut zurückgesetzt und sei über die Beine des Mannes gefahren. Der Polizist wurde in ein Krankenhaus eingeliefert.

Dem verletzten Polizisten war beim Sturz das Magazin aus der Waffe gefallen; Munition hatte sich auf der Straße verteilt. In der Nacht suchten Beamte den Tatort ab. Es seien alle Projektile gefunden worden, so Polizeisprecherin Steffi Kopp.

Politiker und Gewerkschaft reagieren entsetzt

Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) reagierte entsetzt. Er sei fassungslos, schrieb er auf Twitter und sprach von einer "abscheulichen und gewissenlosen Tat". Dem Verletzten wünsche er schnelle und vollständige Genesung. Auch der Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Kai Christ, äußerte sich betroffen. Christ sagte MDR THÜRINGEN, das Auto als Waffe einzusetzen sei eine neue Qualität von Gewalt gegen Polizeibeamte. So etwas habe er in Thüringen noch nicht erlebt. Nach Angaben des Gewerkschafters beobachten die Beamten eine erhöhte Gewaltbereitschaft gegen Polizei und Rettungskräfte.

Zahl der Angriffe auf Polizisten steigt

Laut der Statistik des Innenministeriums wurden im Jahr 2019 in Thüringen 237 tätliche Angriffe gegen Polizisten registriert. Das sind fast 35 Prozent mehr als 2018. Auch bundesweit nahmen solche Angriffe zu: um 27,5 Prozent. Die Zahl der im Einsatz verletzten Thüringer Beamten stieg von 147 auf 180, wobei 179 Polizistinnen und Polizisten physisch verletzt wurden.

Am kommenden Montag beschäftigt sich das MDR-Fernsehen in der Sendung "Fakt ist" aus Erfurt mit dem Thema Gewalt gegen Polizisten. Unter dem Titel "Die Polizei - Freund, Feind und Opfer - Kein Respekt mehr auf der Straße" diskutieren unter anderem Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD), der AfD-Landtagsabgeordnete und ausgebildete Polizist Ringo Mühlmann und die Chefin der Thüringer Polizeischule, Heike Langguth.

Quelle: MDR THÜRINGEN/seg,maf

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 26. Juni 2020 | 19:00 Uhr

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