Rechtsrock in Thüringen Ausnahmezustand im Weimarer Land

Ende August wurde in Mattstedt ein geplantes Rechtsrock-Konzert kurzfristig abgesagt. Nun bereitet sich Apolda auf Nazi-Konzerte vor. Sowohl dort als auch in Magdala (Weimarer Land) sind Veranstaltungen für den 5. und 6. Oktober angemeldet worden. Auf einer Informationsveranstaltung am Dienstagabend in Apolda haben sich sowohl Initiatoren des Bündnisses "Wir für Apolda", Vertreter der Stadt Apolda, Mitarbeiter des Vereins Mobile Beratung in Thüringen sowie zahlreiche Bürger getroffen.

Apolda bereitet sich auf die geplanten Rechtsrock-Konzerte am 5. und 6. Oktober vor. Dabei fahre man eine Doppelstrategie, wie Max Reschke, Sprecher des Bündnisses "Wir für Apolda" sagte. Sowohl für Apolda als auch für Magdala im Weimarer Land seien Veranstaltungen und Gegendemonstrationen geplant. Für beide Orte hätten die Nazis Veranstaltungen angemeldet.

Menschen gehen 2016 über den Marktplatz mit dem Rathaus in Apolda
Der Marktplatz von Apolda. Er sei zu klein für ein Rechtsrock-Konzert, so die Stadt. Bildrechte: dpa

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Rechtsradikalen ihr Lager in Magdala aufschlagen sei höher, schätzt Christoph Lammert vom Verein Mobile Beratung in Thüringen (Mobit) ein. Auf einem freien Feld hätte ein Konzertveranstalter weitaus mehr Platz für Bühne, Technik, einen Parkplatz und auch Zelte. Diese Logistik sei auf dem Marktplatz in Apolda nicht gegeben. Zudem habe die Stadt Apolda selbst eine Veranstaltung für die geplanten Konzerttage auf dem Markt angemeldet. Geplant sei ein Herbstspektakel - ein großes Familienfest, so Vizebürgermeister Volker Heerdegen.

"Konzert behördlich kaum zu verbieten"

Konzertbesucher
Thüringen entwickelt sich immer mehr zum Mekka der rechten Szene. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Konzert behördlich zu verbieten, scheint kaum möglich, so Lammert. Angemeldet sei es als politische Kundgebung und unterliege damit besonderem Schutz. Nach der Absage des eigentlich für Mattstedt geplanten Konzerts, wollen die Rechtsradikalen nun zwei Veranstaltungen an einem Wochenende unterbringen.

Laut Mobit wollen sie das sogenannte Rocktoberfest und das Festival "Rock gegen Überfremdung III" miteinander verbinden. Dabei seien für die Szene hochkarätige Bands engagiert. Einige hätten enorme Anziehungskraft, so Lammert von Mobit. Er erwartet rund 6.000 Besucher. Von Seiten des Bündnisses sei man gut vorbereitet, so Sprecher Max Reschke. Es gebe Unterstützung über Apolda hinaus. Auch Weimarer und Erfurter Bündnisse hätten sich angeschlossen und sind am besagten Wochenende präsent.

Enorm engagiert ist auch die Kirche. Es wird Gottesdienste und Andachten geben. Auch eine "Straße der Demokratie" ist geplant. Man hoffe auf eine rege Beteiligung der Bevölkerung. Apolda und Magdala sollten Zeichen setzen.

"Nazis die Türen verschlossen halten"

In einem offenen Brief fordert das Bündnis "Wir für Apolda" außerdem Hoteliers und Pensionsbetreiber auf, den Nazis die Türen verschlossen zu halten. Einige Betreiber haben angekündigt, ihren Laden zu schließen. Man sollte sich gut überlegen, wem man Anfang Oktober ein Zimmer vermietet, so Pfarrerin Susanne Böhm. Sie appellierte an den Zusammenhalt. Es stinke sie an, eventuell den schönen Apoldaer Marktplatz für ein derartiges Ereignis hergeben zu müssen.

Auch die Pastorin Magdalas ruft zu Protesten auf. Ihre Gemeinde sei von den Plänen regelrecht überrumpelt worden, sagte Jeannette Lorenz-Büttner. Für den 1. Oktober habe sie eine Infoveranstaltung im Ort geplant. Auch die Magdalaer müssten im Bilde sein.

Quelle: MDR THÜRINGEN

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 01. Oktober 2018 | 05:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. September 2018, 13:17 Uhr

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29 Kommentare

27.09.2018 17:08 Thore 29

@Ein "Rübergezogener" #22
Ich wohnte 4 Jahre im Westen (Köln), unwissend was dort brodelte, es wurde immer schlimmer und offensichtlicher !
Als meine Tochter eingeschult werden sollte (Steinberg-Schule) und wir beim Schnuppertag feststellten, das nur 30% der Klasse Deutsche waren, zogen wir zurück nach Thüringen !
Und das schlimmste war, diese Zustände wurden akzeptiert !

PS: Das Ganze liegt jetzt 25 Jahre zurück !..........Ihnen einen guten Rückzug ins bunte West-Germany, ich habe meinen Rückzug niemals bereut !

27.09.2018 15:11 der_Silvio 28

@20 Gunseter; "Klar, dass Nazis es nicht toll finden, wenn sie Gegenwind bekommen.
Das scheint wohl eher das Problem zu sein, oder ;-)"
Ist das eine Unterstellung, ich sei ein Nazi?
Ich habe kein Problem damit, sich gegen Extremismus zu stellen.
Ich habe ein Problem damit, daß man sich allein gegen Rechtsextremismus stellt, während der Linksextremismus bzw. religiöser Extremismus hinten runterfallen.
Ist Linksextremismus, mit Ausrufen wie 'Deutschland verrecke', 'Kill Cops' (auf dem Dach von Conne Island) oder'ACAB', harmlos?
Dass sie mir daraus Rechtsextremismus unterstellen, lässt tief blicken und ist IHR Problem.

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