Weimarer Land Schilderklau in Grammetal beschäftigt Polizei

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Im Weimarer Land sind innerhalb kurzer Zeit etliche Ortseingangsschilder verschwunden. Insgesamt acht Ortsteile der neuen Landgemeinde Grammetal haben Verluste zu beklagen. Der kuriose Fall beschäftigt nun die Polizei.

Ein Metallgerüst ohne Ortsschild drin
In der Landgemeinde Grammetal häufen sich die Fälle von geklauten Ortsschildern. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Zwölf geklaute Ortseingangsschilder in nur wenigen Wochen - im Grammetal im Weimarer Land steht die Polizei vor einem Rätsel. Angefangen hat alles im Oktober 2019. Da war auf einmal das Schild des Ortes Mönchenholzhausen weg. Und es sollte nicht das Letzte sein. Auch Isseroda, Nohra und Hayn - insgesamt acht Ortsteile der neuen Landgemeinde haben Verluste zu beklagen.

Neugliederung der Gemeinde Grammetal als Motiv?

Ortschaftbürgermeister des Ortsteils Isseroda Ralf Lober
Isserodas Ortschaftsbürgermeister Ralf Lober vermutet, dass die Diebstähle mit der Neugiederung der Gemeinde Grammetal zu tun haben. Bildrechte: Privat

Warum aber stiehlt man ein derartiges Schild? Darüber streiten sich die Geister. Es gibt unterschiedliche Theorien. "Es hat auf jeden Fall etwas mit der Neugliederung der Gemeinde zu tun", sagt Isserodas Ortschaftsbürgermeister Ralf Lober. Lange gab es Streit, wohin Mönchenholzhausen gehören soll: zu Erfurt oder doch zur neuen Landgemeinde? Am Ende brachte ein Bürgerentscheid das Ergebnis. Ein Großteil sprach sich für einen Beitritt zur neuen Landgemeinde Grammetal aus. "Das aber ist nicht jedem recht. Viele können sich mit der neuen Struktur nicht anfreunden - es ist eine große Herausforderung, aus 16 Orten eine Gemeinde zu machen", so Lober.

Sammler könnten Schilder geklaut haben

Ortschaftbürgermeisterkandidat Sven Kühn
Für Ortschaftsbürgermeisterkandidat Sven Kühn könnte auch Sammelleidenschaft hinter den geklauten Ortsschildern stecken. Bildrechte: Privat

Vielleicht ist Wehmut Grund für den Schilderklau, vermutet der Ortsschaftsbürgermeister. Auf den alten Schildern steht noch "Mönchenholzhausen - Weimarer Land". Von einem Grammetal ist nichts zu lesen. "Oder aber es steckt einfach eine Sammleridee dahinter. So ein Schild ist für den einen oder anderen ein nettes Souvenir", sagt Sven Kühn, Bürgermeisterkandidat im Grammetal. Was aber kann man schon mit einem Ortseingangsschild anfangen? "In die Garage hängen, vielleicht", meint Kühn. Lober vermutet, es taucht vielleicht in einer Heimatstube oder einem Museum wieder auf. Auf einschlägigen Internetplattformen wird aktuell zumindest keines der Schilder angeboten.

Hoher Schaden für Gemeinden durch Schilderklau

Ärgerlich für die Gemeinden und auch das Land: Sie müssen für den Schaden zahlen. "Mehr als 400 Euro kostet ein einziges Schild. Bei zwölf Stück kommt eine Summe zusammen", so Kühn. Hinzu kommen Kosten für Gemeindearbeiter. Der positive Nebeneffekt: Die neuen Ortsschilder werden mit der aktuellen Ortsmarke versehen. Auf ihnen steht nun neben dem Ortsnamen und dem Kreis ebenso die Zugehörigkeit zur Landgemeinde Grammetal.

Die Polizei ermittelt weiter. Sie will die Verantwortlichen finden. In ihren Augen ist es Nostalgie, die dahinter steckt. Anders als im jüngsten Fall in Buchenwald bei Weimar. Auch dort ist erst kürzlich ein Ortseingangsschild verschwunden. Der Hintergrund in Buchenwald ist aber ein ganz anderer, stellt Polizeisprecherin Steffi Kopp fest. Die Beamten gehen in diesem Fall von einem rechtsradikalen Antrieb aus. Ein Buchenwald-Schild gilt in speziellen Kreisen als eine Art Trophäe.

Das Ortsschild von Isseroda in der Gemeinde Grammetal im Weimarer Land
Der Diebstahl der Ortsschilder kommt die Gemeinden teuer zu stehen. Mehr als 400 Euro kostet so ein Schild. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 08. Juli 2020 | 08:20 Uhr

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