Der blinde Olaf Weber aus Weimar mit seinen Freunden auf einer Dorfstraße in Thüringen.
Olaf Weber (2. von rechts) aus Weimar lief heute fast 12 km für den Frieden. Bildrechte: MDR/Gregor Bleicher

Gehen, Joggen oder Radfahren "Staffellauf für den Frieden" durchquert Thüringen

Die bundesweite Laufaktion gegen Rüstungsexporte vom Allgäu bis nach Berlin hat am Dienstag Thüringen gequert. Unter dem Motto "Frieden geht!" beteiligten sich auf den acht Etappen zwischen Eisenach und Jena eine überschaubare Zahl von Frauen und Männern. Darunter junge Mütter und Professoren im Ruhestand. Die Aktion wird von Kirchen, Gewerkschaften und Friedensgruppen unterstützt. Der Staffellauf führt zwei Wochen lang vom Allgäu bis nach Berlin.

Der blinde Olaf Weber aus Weimar mit seinen Freunden auf einer Dorfstraße in Thüringen.
Olaf Weber (2. von rechts) aus Weimar lief heute fast 12 km für den Frieden. Bildrechte: MDR/Gregor Bleicher

Mit der sportlichen Aktion wollen die Teilnehmer auf die Rolle Deutschlands als weltweit drittgrößter Rüstungsexporteur von Kleinwaffen und viertgrößter Exporteur von Großwaffen aufmerksam machen. Die Teilnehmer an diesem knapp 1.000 km langen Staffellaufs setzen sich vor allem für ein Verbot dieser Exporte in Krisengebiete ein.

Olaf Weber ist einer von ihnen. Und er ist blind. Geboren wurde er 1943 in Dresden. Jetzt lebt er in Weimar. Er war Professor für Ästhetik an der Bauhaus-Universität Weimar. Seit seinem Ruhestand 2009 beschäftigt er sich intensiv mit den Themen Frieden, Krieg und Abrüstung. Am Dienstag läuft der 74-Jährige auf der sechsten Etappe des "Staffellaufs für den Frieden" mit. 11,7 Kilometer von Niederzimmern nach Weimar. Vorher hat er mit MDR THÜRINGEN darüber gesprochen:

Wann und warum haben Sie entschieden, teilzunehmen? Und dann noch eine so lange Strecke. Immerhin sind Sie keine 18 mehr und blind.

"Das ist kein Problem. Schon lange hatte ich mit meiner Frau einen Wanderurlaub in der Rhön geplant, wir sind also Anfang Mai eine ganze Woche jeden Tag 20 Km durch herrliche Gegenden gewandert. Da sind wir gut in Form."

Was versprechen Sie sich von diesem Staffellauf? Was soll damit erreicht werden?

"Zunächst können sich durch diesen Staffellauf friedliche Leute zu einer sportlichen Veranstaltung und zu einem Friedensfest zusammenfinden. Das wird sicher sehr schön. Natürlich tun wir das auch für eine erweiterte Öffentlichkeit in den Medien. In Weimar haben sich sowohl der Oberbürgermeister, der Generalintendant des Deutschen Nationaltheaters, der Superintendent der Evangelischen Kirche und weitere Prominente zur Begrüßung der Staffelläufer angesagt.  Die Gewerkschaft Verdi und Sportvereine sind dabei.

Die Friedensbewegung muss aus ihren Nischen heraus kommen.

Olaf Weber

Wir brauchen die großen Events und auch die kleinen lokalen Aktionen der Menschen, die sich auskennen. Am Zielpunkt des Staffellaufes in Berlin erwarte ich viele Menschen,  und will auch hier nochmal dazu aufrufen, Fahrgelegenheiten am 2. Juni zu nutzen, damit sich viele Bürger für den Stopp der Rüstungsexporte und eine friedliche Welt entscheiden.

Die Auftaktveranstaltung in Berlin beginnt um 12 Uhr auf dem Potsdamer Platz. Welchen Einfluss diese deutschlandweite Aktion auf die Politik der Bundesregierung haben wird, wage ich nicht zu benennen. Wir müssen weiter Druck machen, damit die aufgestauten Spannungen reduziert werden und die beschämende Aufrüstung in eine andauernde und weltweite Abrüstung umgewandelt wird."

Bei den Ostermärschen hatte man den Eindruck, dass das Interesse der Menschen am Thema Frieden abnimmt, obwohl die Kriegsgefahr wächst. Wie wichtig ist heute dieser Staffellauf?

"Die Kriegsgefahr wächst auch deshalb, weil immer weiter aufgerüstet wird. Für die Bundesregierung gibt es keinen Grund, den Rüstungsetat zu erhöhen außer dem Ruf der Waffenlobby nach neuen Aufträgen. Durch Rüstungsexporte wird aber die Sicherheit in der ganzen Welt vermindert.

Deutschland hält sich nicht mal an seine eigenen Exportbeschränkungen. Aber selbst wenn wir nur in solche Gegenden Waffen exportieren würden, die zur Zeit kriegsfrei sind, so werden sich durch diese Waffenexporte die Spannungen dort erhöhen und die Kriegsgefahr wächst auch dort. Deutschland liefert in manchen Gegenden an beide kriegführenden Parteien und profitiert auf diese Weise an den militärischen Auseinandersetzungen."

Braucht es in Zeiten des Informationsüberflusses andere, neue Wege, die Menschen zu erreichen und ihre Aufmerksamkeit auf wichtige Themen zu lenken?

"Ich bin sehr für neue Aktionsformen der Friedensbewegung. Viele Menschen spüren ein Unbehagen, wenn immer wieder neue Feindbilder aufgebaut werden, aber sie fühlen die Gefahr der eigenen Aufrüstung nicht unmittelbar. Wir haben mit der Initiative "Welt ohne Waffen" in Weimar ein gut funktionierendes Podium für Diskussionen über mögliche Wege zum Frieden. Aber wir brauchen mehr Möglichkeiten, sich auch anders als verbal auszudrücken. Vor allem junge Leute wollen nicht nur reden, sondern auch tun."

Quelle: MDR THÜRINGEN

Mehr aus Thüringen

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | THÜRINGEN JOURNAL | 29. Mai 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Mai 2018, 20:13 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

3 Kommentare

31.05.2018 12:54 martin 3

@MDR zu ihrer Anmerkung zu Beitrag #2:
Vielen Dank für den Hinweis. Aber diese Listen beinhalten meines Wissens nicht die "Militärhilfe", die jenseits der industriellen Lieferungen erfolgen. Möglicherweise waren die Radpanzer-Lieferungen an den NATO-Partner Türkei enthalten, weil sie über die Industrie erfolgten. Allerdings die Waffen- und Munitionslieferungen der Bundeswehr an die Kurden dürften in den Aufstellungen nicht enthalten sein.

Und in meinen Augen sind auch solche Lieferungen "Waffenexporte".

30.05.2018 15:39 martin 2

@1 ichich: Ich verfolge die deutschen Waffenlieferungen nicht so genau - dafür sind es mir zu viele. Aber zumindest in den Irak sind deutsche Waffen geliefert worden.


MDR Thüringen:
Hallo martin, einen Einblick in das Geschäft gibt es im sog. Rüstungsexportbericht der Bundesregierung in jährlichen Ausgaben. Ein Link dazu der Bericht über das erste Vierteljahr 2017: https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Publikationen/Aussenwirtschaft/ruestungsexport-zwischenbericht-2017.pdf?__blob=publicationFile&v=18
Der Bericht 2016: https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Publikationen/Aussenwirtschaft/ruestungsexportbericht-2016.pdf?__blob=publicationFile&v=8

Mehr aus der Region Weimar - Apolda - Naumburg

Mehr aus Thüringen