Nach Station bei Mittelbau-Dora Wagner für KZ-Gedenkstätte Buchenwald im Gespräch

Jens-Christian Wagner ist als künftiger Leiter der KZ-Gedenkstätte Buchenwald im Gespräch. Nach einem Bericht der Thüringer Allgemeinen soll er Nachfolger von Volkhard Knigge als Direktor der zuständigen Stiftung werden, der im April in Ruhestand geht.

Gedenkstättenleitung mit Professur in Jena verbunden

Jens-Christian Wagner
Jens-Christian Wagner Bildrechte: dpa

Wagner leitete von 2001 bis 2014 die Gedenkstätte Mittelbau-Dora, die ebenfalls zur Stiftung gehört. Seit 2014 leitet der 54-Jährige die Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, zu der unter anderem die KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen gehört.

Anfang des Jahres hatte er von zunehmenden rechten Provokationen in Gedenkstätten berichtet. "Es ist nicht überraschend, dass es auch an Schülerinnen und Schülern nicht spurlos vorbeigeht, wenn sich in der gesamten Gesellschaft die Grenzen des Sagbaren nach rechts verschieben", sagte er. Bedingt werde dies durch Vorstöße aus Reihen der AfD und anderer Rechtspopulisten.

Nach dem Zeitungsbericht lief die Nachfolgesuche seit 2018. Die Position sei mit einer Professur für "Geschichte in Medien und Öffentlichkeit" an der Universität Jena verbunden. Am Samstag war zunächst keine Bestätigung für die Meldung zu bekommen.

Volkhard Knigge: Neuausrichtung der Gedenkstätten seit 1994

Prof. Dr. Volkhard Knigge im Steinbruch des ehemaligen KZ Buchenwald nach der Entdeckung eines weiteren Stollens am 07.10.19
Volkhard Knigge, scheidender Leiter der KZ-Gedenkstätte Bildrechte: MDR/Holger John

Volkhard Knigge hatte seine Arbeit am 1. September 1994 aufgenommen. Der aus Bielefeld stammende Historiker verantwortete danach die Neukonzeption der Gedenkstätte. Das bedeutete unter anderem eine Trennung von der zuletzt 1985 konzipierten Ausstellung mit ihrer propagandistischen Sicht der DDR auf das Lager und die Einbeziehung des lange tabuisierten sowjetischen Speziallagers. Für Kontroversen sorgte er zuletzt bei den Turbulenzen um die Trennung vom Leiter der Gedenkstätte Mittelbau-Dora in Nordhausen sowie mit dem Hausverbot für AfD-Funktionäre am Holocaust-Gedenktag. Knigge verwies dazu auf das Geschichtsbild der AfD und Äußerungen ihres Thüringer Fraktionschefs Björn Höcke.

Zahlreiche Erinnerungsorte

Das KZ Buchenwald war ab Juli 1937 auf dem Ettersberg bei Weimar von den Nationalsozialisten errichtet worden. Bis zur Befreiung des Lagers im April 1945 wurden dort und in den am Ende 139 Außenlagern fast 280.000 Menschen unter menschenunwürdigen Bedingungen gefangen gehalten. Mehr als 56.000 von ihnen wurden von den Nazis ermordet oder starben an Krankheiten, Hunger oder durch medizinische Experimente.

Besucher stehen am Lagertor der KZ-Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar mit der Inschrift Jedem das Seine
Eingangstor des ehemaligen KZ Buchenwald Bildrechte: dpa


Zur Gedenkstätte Buchenwald gehört auch eine Ausstellung und ein Gräberfeld zum sogenannten Speziallager 2. Auf dem Gelände des ehemaligen KZ hatte der sowjetische Sicherheitsdienst zwischen 1945 und 1950 rund 28.000 Menschen interniert. Dazu gehörten regionale NS-Funktionsträger, aber auch Denunzierte. Mehr als 7.000 Internierte starben.

Im KZ Mittelbau-Dora bei Nordhausen mussten von 1943 bis Kriegsende rund 60.000 Häftlinge unter unmenschlichen Bedingungen in einem Bergstollen unter anderem die Rakete V2 und die Flugbombe V1 bauen. Jeder dritte Häftling überlebte das Martyrium in der unterirdischen Raketenfabrik nicht.

Historische Luftaufnahmen vom Konzentrationslager Mittelbau-Dora nahe Nordhausen vom 07.06.1953.
Luftbild der oberirdischen Anlagen des KZ Mittelbau-Dora Bildrechte: GDI-Th, Freistaat Thueringen, TLVermGeo

Quellen: Thüringer Allgemeine/MDR THÜRINGEN/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 22. Februar 0020 | 08:06 Uhr

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