Hinter einem Schaufenster steht ist eine durchsichtige Säule mit Asche
Hinter einem Schaufenster in Arnstadt ist die Asche-Säule des "Zentrums für Politische Schönheit" zu erkennen. Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann

Zentrum für Politische Schönheit Umstrittene Asche-Säule in Thüringen wieder verschwunden

Eine Stele, die vermeintlich die Asche von Holocaust-Opfern enthält, sorgt in Berlin für Aufsehen und heftige Kritik. Das "Zentrum für Politische Schönheit" hat auch Thüringen für eine ähnliche Aktion ausgewählt. In Arnstadt - gegenüber des dortigen AfD-Bürgerbüros - wurde eine Glassäule in ein Schaufenster gestellt. Doch mittlerweile ist sie wieder weg.

Hinter einem Schaufenster steht ist eine durchsichtige Säule mit Asche
Hinter einem Schaufenster in Arnstadt ist die Asche-Säule des "Zentrums für Politische Schönheit" zu erkennen. Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann

Die Künstlergruppe "Zentrum für Politische Schönheit" (ZPS) hat ihre umstrittene Aktion mit vermeintlicher Asche von Holocaust-Opfern offenbar auch in Thüringen wieder zurückgezogen. Nach Informationen von MDR THÜRINGEN war die Glassäule in einem Schaufenster in Arnstadt bis zum Mittwochabend wieder abgebaut. Eine ähnliche Stele hatte das ZPS nahe des Reichstags in Berlin errichtet und dafür heftige Kritik geerntet.

Arnstadt: ZPS-Aktion mit Asche auch in Thüringen

In Arnstadt hatte die Künstlergruppe für zwei Wochen ein leer stehendes Ladengeschäft in der Rosenstraße angemietet, wie der Vermieter sagte. Am Sonntag sei die Installation erfolgt.

Zwei Schaufenster wurden von innen mit weißer Farbe bemalt. Eines trug die Aufschrift "Seht die Menschen". Durch einen kleinen Schlitz sieht man Schutt in einer Lore. Im anderen Schaufenster stand die gefüllte Glasstele. Außerdem hing an der Scheibe das Gedicht "Die Asche von Birkenau" des Schriftstellers Stephan Hermlin. Das angemietete Geschäft liegt direkt gegenüber des AfD-Bürgerbüros in Arnstadt. Bisher äußerte sich die Künstlergruppe nicht, ob es diesbezüglich einen Zusammenhang gibt.

Ein Schild zeigt das Gedicht "Die Asche von Birkenau" von Stephan Hermlin.
Ein Schild zeigt das Gedicht "Die Asche von Birkenau" von Stephan Hermlin. Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann

Zentrum für Politische Schönheit verhüllt Asche-Säule in Berlin

Das ZPS hatte Anfang dieser Woche zwischen Bundestag und Bundeskanzleramt in Berlin eine Stahlsäule zum Gedenken an NS-Opfer installiert. In der Säule befindet sich nach ZPS-Angaben angeblich auch Asche von Opfern der Nationalsozialisten. Die Gruppe wolle damit auf die Überreste von Toten hinweisen, die immer noch kein Grab oder letzte Ruhestätte hätten, hieß es. Zudem wolle das ZPS damit vor einer Zusammenarbeit von CDU/CSU mit der AfD warnen.

Am späten Mittwochnachmittag veröffentlichte das ZPS im Internet eine Stellungnahme zur Aktion "Sucht nach uns", in der Fehler bezüglich der aktuellen Aktion eingestanden werden. So heißt es: "Wir wollen bei Betroffenen, Angehörigen und Hinterbliebenen aufrichtig um Entschuldigung bitten, die wir in ihren Gefühlen verletzt haben. [...] Zwar bekommen wir auch Rückmeldung von Angehörigen, die sowohl Form als auch Aussage unserer Arbeit begrüßen, aber unser Ziel war nie, Konflikte zwischen Menschen, die auf derselben Seite kämpfen, zu befeuern."

Als erste Konsequenz werde ein Teil der Säule in Berlin verhüllt, heißt es weiter. Die Crowdfunding-Seite soll abgeschaltet werden, ein für Samstag angekündigter "Zapfenstreich" wurde abgesagt.

Stiftung Buchenwald weist Kritik des ZPS zurück

Der Leiter der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Volkhard Knigge, hat den Vorwurf des Künstlerkollektivs "Zentrum für politische Schönheit" mangelnder Aufarbeitung des Umgangs mit sterblichen Überresten von NS-Opfern am Mittwoch bei MDR KULTUR zurückgewiesen.

Der Stiftungsleiter forderte vom ZPS bei der aktuellen Aktion eine genaue Dokumentation. Es gehe um wichtige Fragen, wie die menschlichen Überreste geborgen wurden, ob dabei die religiösen Belange der Juden berücksichtigt wurden und was passiere, wenn man "dieses ephemere Denkmal" wieder abbaut.

Nachbildung des Holocaust-Mahnmals in Bornhagen

Für Aufsehen in Thüringen hatte die Künstlergruppe bereits im Herbst 2017 mit einer Nachbildung des Berliner Holocaust-Mahnmals auf dem Nachbargrundstück von Thüringens AfD-Chef Björn Höcke in Bornhagen gesorgt.

Quelle: MDR THÜRINGEN/sv,mm,maf

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | Nachrichten | 05. Dezember 2019 | 07:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2019, 08:49 Uhr

26 Kommentare

martin vor 5 Stunden

@profiteur: Ich habe den Beitrag von "Stefan" anders verstanden: Wir tragen die Verantwortung für den Umgang mit der Geschichte und deren Folgen (denn dazu schrieb Stefan in dem Beitrag) und nicht für die Verbrechen. Oder haben Sie Stefan absichtlich falsch verstanden?

sorglos vor 14 Stunden

Ergänzung: ich schäme mich vor einer israelischen Rabbiner - Familie, mit denen ich sehr eng befreundet bin. Ich schäme mich vor dieser Familie, da der mütterliche Teil (aus Ungarn stammend) komplett in Auschwitz umkam. Ich schäme mich, dass es in D Leute gibt, die diese Opfer instrumentalisieren.

sorglos vor 14 Stunden

Das ZPS ist mit seinen Aktionen nicht nur aggressiv sondern auch pietätlos. Zum Einen ist die Störung der Totenruhe nach StGB strafbewehrt (gut so!). Zum Anderen ist es ein no go, die Asche jüdischer Menschen zu exhumieren (sofern sie echt ist/war). Man muß sich mit dem Ritus eines jüdischen Begräbnisses auseinander setzen! Das Kaddisch ist zwingend zu beten, ebenso wie die Bestattung durch einen Rabbiner. Mit dem Holocaust wird in letzter Zeit Schindluder getrieben. Das ist NICHTS für Populismus (genau das tut das ZPS), es ist NICHTS für Mißbrauch für irgendwelche Zwecke. Es ist Mißbrauch der Opfer, wenn sie für politische Zwecke instrumentalisiert werden. Wir haben Jahrzehnte mit Juden in diesem Land friedlich zusammen gelebt, jetzt wird instrumentalisiert - von linken und rechten Extremen (derzeit mehr von Linken!). Fahren sie alle nach Yad Vashem, gehen Sie in die Kindergedenkstätte! Es ist grauenvoll! Das ZPS geht nicht gegen neue Faschisten vor - sie setzen sich selbst in Szene!

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