Frischback-Filiale im Hauptbahnhof Erfurt
Frischback-Filiale im Hauptbahnhof Erfurt. Bildrechte: MDR/Paul-Philipp Braun

Neues Bäcker-Bündnis Landesverband der Bäcker sieht Frischback-Übernahme kritisch

Ein neues Thüringer Bäcker-Bündnis will die insolvente Bäckereikette "Frischback" übernehmen. Das schmeckt nicht jedem. Der Landesinnungsverband befürchtet: Vielfalt für Kunden könne verloren gehen.

von Mirjam Winzer

Frischback-Filiale im Hauptbahnhof Erfurt
Frischback-Filiale im Hauptbahnhof Erfurt. Bildrechte: MDR/Paul-Philipp Braun

Der Landesinnungsmeister des Thüringer Bäckerhandwerks, Lutz Koscielsky, sieht die neu gegründete GmbH "Arge Bäcker in Thüringen" mit gemischten Gefühlen. Koscielsky sagte MDR THÜRINGEN, dass beide Gesellschafter der Arge damit ihre Macht auf dem Thüringer Bäckerei-Markt demonstrierten. Dadurch wird sich laut Koscielsky der Bäckerei-Markt im Freistaat auch verändern: Die Vielfalt für die Thüringer Kunden beim Bäcker seine Brötchen zu kaufen, gehe durch diese Bäcker-Gesellschaft verloren.

Wie am Dienstag bekannt wurde, will nach Angaben von Insolvenzverwalter André Rombach die "Arge Bäcker in Thüringen" zum Monatsende bis zu 57 Filialen der Bäckerei-Kette "Frischback GmbH" im Rahmen einer Unternehmensübertragung übernehmen.

Ziel: Bäcker-Handwerk in Thüringen erhalten

Daniel Nahrstedt und Ralf Nahrstedt in einer ihrer Backfilialen.
Daniel Nahrstedt und Vater Ralf Nahrstedt in einer ihrer Backfilialen. Bildrechte: MDR/Backhaus Nahrstedt/uligraphics

Wie Daniel Nahrstedt gegenüber MDR THÜRINGEN sagte, ist der Anlass für das neue Bäcker-Bündnis die Insolvenz der Frischback-Kette in Arnstadt. Die Ziele für ihn seien aber weitaus höher angesiedelt: Das Bäcker-Handwerk in Thüringen solle dadurch erhalten bleiben. "Die Gespräche laufen momentan auf Hochtouren. Sowohl mit den Frischback-Mitarbeitern, als auch mit anderen kleinen, familiengeführten Bäckereien, die auch mit in unser Boot geholt werden sollen."

Trotz Bedenken zollt Koscielsky den neuen Gesellschaftern Respekt. Die beiden Geschäftsführer machten einen tollen Job und hätten ihre Geschäfte rentabel gesteigert, sagte er. Bäckereiketten, wie jene von Helbing und Nahrstedt, sind seinen Angaben nach gut aus der Krise herausgekommen. Beide würden die A-Lagen, also Top-Standorte in größeren Städten, haben und sich nicht auf C-Lagen konzentrieren. Dadurch könnten sie ihre Vormacht auf dem Markt ausbauen, so Koscielsky weiter.

Arge Bäcker in Thüringen GmbH Seit dem 17. April und damit seit genau einer Woche ist die "Arge Bäcker in Thüringen" als GmbH im Handelsregister eingetragen. Hinter der Arge stehen die beiden Geschäftsführer Tobias Helbing aus Leinefelde (Mein Lieblingsbäcker GmbH & Co. KG) und Daniel Nahrstedt aus Meiningen (Backhaus Nahrstedt Premium GmbH). Gegenstand der GmbH ist laut Amtsgericht Jena die Förderung und Aufrechterhaltung des traditionellen Bäckereihandwerks - zum Erwerb, Vertrieb und der Veräußerung von Bäckereifilialen und anderen Einrichtungen, die zum Verkauf und Verzehr von Backwaren und anderen Lebensmitteln geeignet sind. Sitz der GmbH ist Erfurt.

"Wir werden schrumpfen"

Im Jahr 2018 sind nach Angaben des Thüringer Bäckerhandwerks 5,5 Prozent der Bäckereien in Thüringen verloren gegangen. Das Bäckereisterben liege vor allem daran, dass der Freistaat überwiegend ländlich geprägt ist. Gründe sind laut Landesinnungsverband außerdem, dass es kaum noch Nachfolger für die jeweiligen Betriebe gibt. Dann ist die Insolvenz schnell gegeben. Hinzu kommt, dass immer weniger junge Menschen "Bäcker" lernen wollen. "Wenn eine Bäckerei heutzutage kein Konzept hat, dann ist es schwierig, auf dem Markt bestehen zu können."

[Anmerkung der Redaktion: Wir haben den Titel des Artikels geändert. In einer ersten Fassung war von der Bäckerinnung die Rede. Dieser Begriff verknappt zu sehr. Der Landesinnungsverband vertritt als Dachorganisation der regionalen Bäcker-Innungen in Thüringen nach eigenen Angaben die Interessen der Mitgliedsbetriebe auf den verschiedenen politischen Ebenen und unterstützt sie in rechtlichen, fachlichen und wirtschaftlichen Fragen. Ihm gehören Thüringens regionale Bäckerinnungen freiwillig an.]

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 24. April 2019 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. April 2019, 16:14 Uhr

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8 Kommentare

26.04.2019 21:37 Erfurter Patriot 8

Wenn die Bäckerketten denn so schlecht sind, wieso kaufen die Leute dann dort?
Liebe Herren Nörgler, wenn ihr eure kleinen Handwerksbäckereien behalten wollt, dann müsst ihr auch dort kaufen, und zwar für höheren Preis! Damit der Bäckermeister auch davon leben kann! Er backt ja in Handarbeit, und das ist teuer.
Ach, das machen nicht genügend Leute..? Die meisten Leute kaufen gar nicht beim kleinen Handwerksbäckermeister..? Hallo, willkommen in der Demokratie!

25.04.2019 19:06 Eismann 7

Der Sinn wird sein, noch mehr kleinere Betriebe platt zu machen bzw. deren Filetstücke für sich zu beanspruchen. So schafft man sich lästige kleinere Konkurrenz vom Hals. Aber am Ende entscheidet ja der Verbraucher.

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