Freies Feld für Bauplatz
Hier sollen am Erfurter Kreuz bei Arnstadt bis zu 2.000 Arbeitsplätze entstehen Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann

Automobilzulieferer Batterie-Hersteller CATL beginnt Bau von Fabrik bei Arnstadt

Mit einem symbolischen Spatenstich begannen am Freitagvormittag die Bauarbeiten für das Batteriewerk von CATL am Erfurter Kreuz. Anfang Oktober hatte die Thüringer Landesregierung die Genehmigung für den vorzeitigen Baustart erteilt. Der chinesische Konzern will bis zu 1,8 Milliarden Euro investieren. Es sollen rund 2.000 neue Jobs entstehen. Im Juli 2019 war noch von 600 Arbeitsplätzen die Rede. Die Produktion am Erfurter Kreuz soll spätestens 2022 starten.

von Sandra Voigtmann

Freies Feld für Bauplatz
Hier sollen am Erfurter Kreuz bei Arnstadt bis zu 2.000 Arbeitsplätze entstehen Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann

Mit CATL kommt nicht irgendein Investor ans Erfurter Kreuz. Der chinesische Batteriespezialist Contemporary Amperex Technology (CATL) ist aktuell der weltgrößte Produzent von Lithium-Ionen-Zellen. Bei Arnstadt wird jetzt das erste Europawerk gebaut. Laut Europa-Chef Matthias Zentgraf wird in mehreren Stufen eines der weltgrößten Batteriezellenwerke entstehen. Die geplanten Investitionen wurden im Sommer von 240 Millionen auf 1,8 Milliarden Euro erhöht. Schon im nächsten Jahr werde mit der Modulmontage in den Hallen von ehemals Solarworld begonnen, die CATL im Sommer gekauft hat.


Eine 30-köpfige Mannschaft aus chinesischen und deutschen Beschäftigten arbeitet bereits vor Ort. Weitere Fachkräfte aus dem chinesischen Mutterwerk in Ningde sollen folgen, um mit ihrem Know How die Produktion am Thüringer Standort voran zubringen.

Laut Zentgraf folgt CATL mit dem Bau des Werkes dem Bedarf der Autohersteller. Sie benötigen nach seinen Angaben mehr Batterien für ihre Elektro- und Hybrid-Modelle. Volkswagen zählt ebenso zum Kundenkreis wie BMW, Daimler, Hyundai, Toyota und die PSA-Gruppe. Mit dem ersten Werk in Europa möchte man nicht nur Zugang zum europäischen Markt, sondern kann andererseits von den hohen Qualitätsanforderungen der westlichen Autobauer bezüglich Lebensdauer, Leistung, aber auch Sicherheit lernen.

Auch Forschung und Entwicklung sei CATL wichtig, hieß es. Ein Fünftel der mehr als 18.000 Mitarbeiter arbeitet in diesen Abteilungen. Neben der verkehrsgünstigen Lage des Erfurter Kreuzes haben deshalb auch die Universitäten in Ilmenau und Jena mit ihren Forschungsbereichen die Entscheidung für den Standort mit beeinflusst.
Sowohl Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee als auch Andreas Krey, Geschäftsführer des Landesentwicklungsgesellschaft, sprachen von einer Investiotion der Superlative. Die Ansiedlung von CATL sei das "Sahnehäubchen" bei der Industrieansiedlung am Erfurter Kreuz, sagte Krey.

Baugenehmigung wurde vorzeitig erteilt

Festgäste setzen weiße Helme auf
Spatenstiche zählen zu den Gute-Laune-Terminen - von Landrätin Petra Enders (links) bis Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (rechts) Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann

Die vom Land erteilte vorzeitige Baugenehmigung bezieht sich nur auf Maßnahmen zur Errichtung der Anlagen, teilte das Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz mit. Im Fall von CATL also auf den Bau, nicht auf die Inbetriebnahme. Eine Betriebsgenehmigung liegt damit noch nicht vor, gilt aber als sicher, hieß es. Dennoch müssen einige Fragen noch geklärt werden, beispielsweise ob eine Werksfeuerwehr notwendig ist oder nicht. Das ist Teil des noch laufenden Genehmigungsverfahrens.

Landkreis befürchtet Verkehrschaos

Die Ansiedlung des chinesischen Batteriewerkes birgt aber auch Probleme. Der Ilm-Kreis drängt auf einen Ausbau der Verkehrswege für das neue Batteriewerk am Erfurter Kreuz. Landrätin Petra Enders sagte, die Fabrik werde in wenigen Jahren die Produktion starten. Pro Tag würden dann mehr als 100 Container auf Lkw die Fabrik verlassen. Dadurch drohe auf den angrenzenden Straßen ein Verkehrschaos.

Produktionslinie in einem Werk des Batterieherstellers CATL.
Produktionslinie in einem Werk des Batterieherstellers CATL. Bildrechte: CATL

Auch die Autobahnzufahrt in Thörey zur Autobahn 4 stellt ein Problem dar. Laut Infrastrukturministerium werden der Ausbau der durch das Gewerbegebiet führenden Landesstraße und der Umbau der Autobahnanschlussstelle derzeit bereits geplant. Auf Grund der Komplexität des Vorhabens ist ein Planfeststellungsverfahren notwendig, hieß es. Bis zum Baubeginn sind noch mindestens sechs Jahre Vorlauf erforderlich. Das Werk ist dann schon vier Jahre in Betrieb.

Bei 2.000 geplanten Arbeitskräften stehe die Stadt Arnstadt ebenso wie umliegende Gemeinden auch vor einem Wohnungsproblem, sagte Arnstadts Bürgermeister Frank Spilling MDR THÜRINGEN. Derzeit gibt es nicht genügend Wohnraum, selbst wenn hunderte der neuen Arbeitskräfte pendeln, so Spilling. Die IG Metall hat nach eigenen Angaben bereits Kennenlern-Gespräche mit CATL geführt. Ob es aber zum Abschluss eines Tarifvertrages für die Mitarbeiter kommen wird, ist noch unklar.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dr

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 18. Oktober 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Oktober 2019, 20:00 Uhr

5 Kommentare

ManfredS vor 3 Wochen

Das Chaos beginnt aber schon viel früher. Wenn all die LKW an- und abrollen müssen, die in der Bauphase der Batteriefabrik zum Einsatz kommen. Und da wird ja nicht nur die Batteriefabrik gebaut. Dazu kommen der XXXL-Lutz, das Betonfertigteilwerk und die schon vorhandenen Betriebe ... Aber vielleicht überraschen uns die Verantwortlichen ja mit einem völlig neuen Verkehrskonzept: Wie wäre es mit einer Lasten-Seilbahn oder Drohnen? Das wäre auch noch innovativ, denn so was gab es in so einem Zusammenhang noch nicht.

ManfredS vor 3 Wochen

Soll nicht die E-Mobilität einen deutlichen Beitrag gegen steigende Umweltbelastungen und den Klimawandel leisten? Und deshalb auch endlich mehr Güterverkehr auf die Schiene gebracht werden?? Was wurden da für schöne Sonntagsreden von Politikern jeder Coleur gehalten! Aber wenn es konkret wird, passiert genau das Gegenteil. Dazu kommt das Problem des Verkehrskollaps. Der sich ja in den Spitzenzeiten heute schon abzeichnet. Da wird seit Jahren seitens der Landesregierung eine aktive Ansiedlungspoitik betrieben und stolz über die Erfolge berichtet. Das ist gut so. Dass dazu aber auch passende Verkehrsanbindungen und ein Zuwachs an Wohnungen gehören, und dass man das eingedenk des Dschungels an gesetzlichen Regelungen, Mitspracherechten der Betroffenen, Kompetenzgerangel und Eifersüchteleien der damit befassten Behörden und Körperschaften frühzeitig angehen muss - das ist den hochdotierten Führungskräften dieser Institutionen offenbar weitgehend entgangen. Kompetenz sieht anders aus.

pkeszler vor 3 Wochen

@ThomasF.: ""Pro Tag würden dann mehr als 100 Container auf Lkw die Fabrik verlassen." Warum? Das Gewerbegebiet hat einen Bahnanschluss!"
Weil die Wirtschaft nur an sich und möglichst hohen Gewinnen interessiert ist. Der Bürger und der Umweltschutz kommen in ihren Gedankengängen scheinbar gar nicht vor. Gerade jetzt, wo der Umweltschutz immer wichtiger für das Klima ist, wäre es umso richtiger, wieder mehr Güter auf den Schienen zu transportieren. Diese Chance sollte jeder neue Betrieb nutzen und besonders von der Landesregierung im Genehmigungsverfahren genutzt werden.

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