Bewohner contra Polizei Staatsanwaltschaft ermittelt zu "Corona-Partys" in Neustadt

Die Staatsanwaltschaft Erfurt führt mehrere Verfahren wegen Feiern am Vorabend des Quarantäne-Endes von Neustadt am Rennsteig. Das hat der Sprecher der Behörde, Hannes Grünseisen, bekanntgegeben. Nach Angaben der Landespolizeiinspektion Gotha hat die Polizei elf Anzeigen gegen Bewohner wegen Verstoßes gegen das Infektionsschutzgesetz, eine Anzeige wegen Beleidigung und eine Anzeige wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte erstattet. Daneben lägen drei Anzeigen von Neustädtern gegen Polizisten vor. Außerdem seien Dienstaufsichtsbeschwerden eingereicht worden.

Straßensperren bei Neustadt am Rennsteig wegen Coronavirus-Quarantäne
Foto von Ende März: Straßensperren bei Neustadt am Rennsteig wegen der Coronavirus-Quarantäne. Bildrechte: MDR/Michael Hesse

Über Neustadt, das im Ilm-Kreis liegt, war Ende März wegen mehrerer Coronavirus-Fälle eine zweiwöchige Quarantäne verhängt worden. Die Einwohner durften den Ort nicht verlassen. Am 5. April um Mitternacht wurde die Quarantäne aufgehoben. Am Abend sollen Neustädter das Ende der Isolation bereits gefeiert haben, ohne die geltenden Corona-Regeln einzuhalten.

Die Polizei löste die Feiern auf und berichtete in einer Pressemitteilung später von Drohungen, Spucken und einem "unkooperativen" Verhalten von Feiernden. Zwei Personen hätten fixiert werden müssen, weil sie sich körperlich gewehrt hätten. Bewohner von Neustadt warfen der Polizei daraufhin ihrerseits verbale Provokationen und unangemessene Härte vor.

Große Unterstützung für Corona-Studie

Unterdessen haben sich in Neustadt schon 650 Einwohner oder 70 Prozent für eine Studie der Uni Jena auf das Coronavirus testen lassen. Studienleiter Mathias Pletz sagte, er sei überwältigt vom Interesse und der großen Hilfsbereitschaft der Neustädter. Dass sich so viele Bewohner testen lassen, habe er nicht erwartet. Die Uni will mit der Studie Infektionsketten nachvollziehen und den Immunstatus bestimmen. Erste Ergebnisse der Studie werden in etwa sechs Wochen erwartet.

Außerdem will die Uniklinik Jena mit Neustadt eine langfristige wissenschaftliche Partnerschaft eingehen. Im Herbst und im Frühjahr sollen alle Patienten in Neustadt am Rennsteig mit Erkältungssymptomen erneut auf das Corona-Virus getestet werden.

Mehr Informationen zum Coronavirus

Quelle: MDR THÜRINGEN/seg

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 22. Mai 2020 | 06:00 Uhr

9 Kommentare

mattotaupa vor 1 Wochen

für ihren geschmack sind zuwenig leute gestorben? nun, ohne die maßnahmen hätten wir vielleicht ~300 tote pro million einwohner (wie in den usa) , ~550 wie in großbritannien oder ~400 wie im dünn besiedelten schweden. träfe das mehr ihren geschmack? sie wollen ernsthaft die offensichtlich wirksamen maßnahmen aufgrund der wirksamkeit als schikane bezeichnen? komischerweise regen sich in italien, frankreich, spanien, großbritannien keine verschwörungstheoretiker auf, weil denen ganz klar vor augen geführt wurde, wie es aussieht, wenn keine oder zu späte maßnahmen kommen (die hatten übrigens strengere regeln aber halt zu spät). ja es sind einzelfälle, WEIL wir die maßnahmen haben/hatten.

Fakt vor 1 Wochen

Geht man von 83.000.000 Einwohnern aus, ergeben die 8216 Todesfälle (Stand 23.05., 00.00 Uhr) umgerechnet auf 1.000.000 Menschen nicht 90 sondern 99 Tote, was m. E. 99 zuviel sind. Ihnen scheinen die aber offenbar sonstwo vorbei zu gehen. Oder wie kommen Se zu der kruden Ansicht, dass die Maßnahmen "Schikane" sind?

Ich bins vor 1 Wochen

Es ist mir bis heute Schleierhaft das der Staat bei den Corona-Vorschriftsverweigerern nicht konsequent durchgreift. Wer erwischt werden sollte bzw. wird, der sollte mit 5000€ richtig zur Kasse gebeten werden. Stellt der sich dann stur und will die Kohle nicht bezahlen, dann wird Z. B. halt sein Führerschein und seinen Fahrbaren Untersatz eingezogen. Denn sowas zieht dann bei solchen Corona Ignoranten. Alles andere scheint bei denen nicht zu helfen.

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