Jubiläumssendung "Einfach Genial" Die traurige Geschichte des Gurtschneideerfinders

"Einfach genial" - die Sendung für Erfinder aus Mitteldeutschland im MDR FERNSEHEN - läuft am Dienstag zum 1000. Mal. Auch Thüringer Erfinder waren dabei, etwa Gerhard Sutsch aus Arnstadt. Er erfand einen Gurtschneider für Autos. Reich und berühmt machte die Erfindung ihn aber nicht.

von Sandra Voigtmann

Gurtschneider
Der Gurtschneider von Gerhard Sutsch kann in den Gurt eingefädelt werden und zerschneidet diesen nach Unfällen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Er ist klein und unscheinbar - doch er kann Leben retten. Der Gurtschneider von Gerhard Sutsch besteht aus Kunststoff. Doch wichtig ist das, was sich in dem kleinen Kasten befindet - ein winziges Messer, scharf wie ein Skalpell, das einen Sicherheitsgurt wie Butter durchschneidet. Natürlich hat das Gerät, das direkt am Gurt aufgefädelt wird, eine Kindersicherung. Es kann mehrmals verwendet werden und hat sogar ein Katzenauge, damit es besser von Helfern im Falle eines Unfalls gesehen werden kann.

Die Geschichte hinter der Erfindung

Gerhard Sutsch aus Arnstadt zeigt seinen Gurtschneider.
Gerhard Sutsch demonstriert wie der Gurtschneider funktioniert (Archivfoto). Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

45 Jahre war Gerhard Sutsch auf den Straßen als Taxifahrer unterwegs. Er hat viele Unfälle gesehen und war oft als Ersthelfer im Einsatz. Schon damals war ihm aufgefallen, dass ein Gurt nach einem starken Aufprall die Insassen im Auto fast an den Sitz fesselt. Der Sicherheitsgurt lässt dann nicht nach und macht die Person fast bewegungsunfähig.

Fatal im Falle eines brennenden Fahrzeuges oder wenn das Auto ins Wasser fällt. Bis zum Eintreffen der Feuerwehr dauere es im Schnitt zwölf Minuten. In der Zeit muss man sich selber helfen können, dachte Sutsch. Als er selbst einen Unfall hatte, kam ihm die Idee des Gurtschneiders, der direkt am Gurt angebracht ist.

Patent seit 2009

Ein Metallkasten, der Gurtschneider, liegt auf einem Tisch.
Die Technik ist einfach: In der Mitte des kleinen Kastens befindet sich ein Messer, das bei Bedarf über den Gurt geschocben werden kann. Bildrechte: MDR/Sandra Voigtmann

Jahrelang tüftelte er. Los ging es mit einem Holzmodell, aus Holz wurde Metall - auch das integrierte nicht sichtbare Messer wurde immer mehr verfeinert - bis zum Patentabschluss 2009. 2013 dann Sutschs Fernsehauftritt, der nicht folgenlos blieb: Einige Unternehmen meldeten sich und boten ihm an, den Prototypen herzustellen. Er entschied sich für eine Firma in Bayern. Die fertigte die Prototypen aus Kunsstoff an, entwarf eine Werbestrategie und hätte die Serienproduktion übernommen. Die Autofirmen allerdings zeigten kein Interesse an dem möglicherweise lebensrettenden Gerät, sagte Sutsch. LKW- und Autofahrer, die den Prototypen bei ihm im Auto sahen schon eher, erzählt der immer noch begeisterte Erfinder.

Gurtschneider kann Leben retten

Reich gemacht hat ihn die Erfindung nicht. Im Gegenteil. Sie kostet ihn wegen der Patentanmeldung bis heute Geld. Und auch wenn bisher nicht alle von seiner Erfindung profitieren können, seine Familie hat er abgesichert. In allen Familienautos bis zu den Enkeln sind an jedem Sicherheitsgurt seine Gurtschneider aufgefädelt. Entmutigen lässt sich Gerhard Sutsch nicht. Er hofft weiter, dass seine Erfindung als Standardeinbau im Auto Leben retten kann.

Quelle: MDR THÜRINGEN/jml

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Einfach Genial | 14. Januar 2020 | 19:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Januar 2020, 14:48 Uhr

1 Kommentar

part vor 5 Wochen

Obwohl handesübliche Gurtschneider oder das Messer jeglicher Coluer im Seitenfach des Autos eines gewisse Handlungsfreiheit vorgaukeln, die bei einem Überschlag des Autos aber leicht zu Geschossen werden können, arbeitet im menschlichen Hintergehirn wohl die Frage nach einem zweischneidigen Schwert. Ich denke die allgemeine Unsicherheit, gerade bei Perfektionisten bei der Bedienung des Systems löst schon Angstreflexe aus, da es eben nicht automatisch funktioniert und anders als ein Airbag in Situationen ausgelöst werden muß, in der das Unfallopfer unter Schoc k steht. Rettungskräfte dagegen beherrschen soweit die meisten Möglchkeiten der Unfallbergung. Ob Aufrollgurt oder früher Feststellgurt, wenn das Vermögen fehlt sich selbst zu befreien und Helfer fehlen kann dieses System ein wertvolles Hilfsmitel sein. Die Gegenfrage sollte aber auch ausgeführt werden, wieviel Autobesitzer würden sich ein Gefährt wünschen das den Gurtstraffer nicht mehr verbaut hat und andere Einrichtungen?

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