Frischback
Zweidrittel der Frischback-Filialen werden von einem Bäcker-Zusammenschluss übernommen. Die Zukunft der restlichen Filialen ist noch ungewiss. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Weitere 200 Kündigungen Bäckereikette Frischback bald Geschichte

Das Frischback-Logo ist wohl bald Geschichte. Für 30 Filialen hat sich bislang kein Käufer gefunden. Bleibt das so, werden sie Ende Juli geschlossen.

von Karsten Heuke

Frischback
Zweidrittel der Frischback-Filialen werden von einem Bäcker-Zusammenschluss übernommen. Die Zukunft der restlichen Filialen ist noch ungewiss. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die insolvente Bäckereikette Frischback entlässt weitere 200 Mitarbeiter. Der Sprecher des Insolvenzverwalters sagte MDR THÜRINGEN, sie würden in den nächsten Tagen gekündigt. Es handele sich um die Mitarbeiter der Frischback-Produktion in Arnstadt und der 30 Filialen, für die bislang keine Käufer gefunden wurden. Sofern sich das nicht kurzfristig ändere, würden die Produktion Arnstadt und diese Filialen Ende Juli geschlossen. Damit verschwinde auch die Marke Frischback.

Grundsätzlich wird noch nach einem Käufer für diese Filialen gesucht - aber Insolvenzverwalter Rolf Rombach sagte MDR THÜRINGEN, er könne zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen, wie die Chancen für eine Übernahme stehen. Die gekündigten Mitarbeitern sollten jedoch Jobangebote von der neu gegründeten Bäcker-Arge erhalten.

Bäckerei-Zusammenschluss übernimmt Filialen

Unabhängig davon hat das Gemeinschaftsunternehmens Arge Bäcker in Thüringen GmbH zum Mai 58 Frischback-Filialen erworben und 300 Mitarbeiter übernommen, sagte der Sprecher der Kanzlei. Diese Filialen werden noch bis mindestens Ende Juni von der Frischback-Bäckerei mit Brot und Brötchen beliefert. Anschließend teilen sich die Backbetriebe, die der Arbeitsgemeinschaft (Arge) angehören, die Filialen auf. Das Backhaus Nahrstedt aus Meiningen, Helbing aus Leinefelde-Worbis und weitere Arge-Bäcker werden die 58 Filialen übernehmen und dann unter ihrem jeweiligen Namen weiterführen.

Eine Sprecherin des Backhaus' Nahrstedt sagte MDR THÜRINGEN, die Partner der Arge sollten die Läden in Eigenregie betreiben und jeweils ihre Backwaren dort verkaufen. Mit Frischback habe das dann nichts mehr zu tun. Weitere Details wollte die Geschäftsführung der Arge mit Verweis auf den komplexen Umwandlungsprozess noch nicht nennen. Frischback-Insolvenzverwalter Rolf Rombach sagte, er sei froh, dass mit der Arge-Lösung die Thüringer Backkultur in den Händen von Thüringer Bäckern bleibe.

Frischback meldet zum zweiten Mal Insolvenz an

Die Arnstädter Bäckereikette Frischback hatte im Januar 2019 zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren Insolvenz anmelden müssen. Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten nach Angaben des Unternehmens noch rund 760 Mitarbeiter bei Frischback. Die Geschäftsführung hatte unter anderem schlechte Umsätze im Hitzesommer und einen stockenden Umzug der Produktion nach Erfurt als Ursachen für die finanzielle Schieflage benannt. Auch die Belieferung von Krankenhäusern und Schulen hatte Verluste gebracht. Aber schon zuvor lief es nicht rund: Ab August 2017 hatte Frischback schon einmal ein Insolvenzverfahren durchlaufen.

Damals beschäftigte Frischback noch mehr als 800 Mitarbeiter. Die angeschlagene Großbäckerei schloss unrentable Filialen, aber übernahm auch mehrere Filialen der ebenfalls insolventen Erfurter Bäckercafé-Kette Elmi. Im Zuge der Sanierungsbemühungen erließen die Gläubiger Frischback schließlich rund sieben Millionen Euro Schulden. Letztlich konnte das den Fortbestand der 1952 gegründeten Großbäckerei nur verlängern, aber anders als erhofft, nicht dauerhaft sichern.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 10. Mai 2019 | 16:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Mai 2019, 13:03 Uhr

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5 Kommentare

13.05.2019 09:14 martin 5

@4 nachdenker: Ich gehe davon aus, dass diese Pleite das Sterben der handwerklichen Bäcker nicht bremsen wird. Weshalb sollte diese Pleite auch zu einem veränderten Kaufverhalten führen, das bei vielen von "geiz ist geil"-Mentalität und Bequemlichkeit getrieben ist?

12.05.2019 23:03 Nachdenker 4

Wundervoll! Vielleicht haben jetzt dei Bäcker vor Ort, die kleinen, bei denen es wirklich schmeckt, jene, die keine Teiglinge aus Polen aufbacken, wieder eine Chance. Ein Brötchen ist nicht zum Dumping Preis zu haben, ein Brot ist LEBENSMITTEL ohne zig Zutaten... Die Ketten haben die kleinen Bäckereien kaputt gemacht, die Kunden haben das fleißig mitgemacht, weil das ja soooo billig ist. Selbst gut verdienen wollen, aber woanders keine fairen Preise zahlen wolln, damit auch andere Menschen anständig verdienen dürfen... Das ist die Krux unseres Kauf -Verhaltens.

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