Schwangerschaft Ärzte werben für pH-Schnelltest zur Vermeidung von Infektionen

Die Zahlen klingen dramatisch: Jedes Jahr sterben weltweit 2,7 Millionen Kinder in den ersten Lebenswochen, viele von ihnen als Frühgeborene. In Deutschland werden "Frühchen" mittlerweile umfassend betreut, ihre Sterblichkeit ist niedrig. Dennoch sind die Auswirkungen der vorzeitigen Geburt auf das zarte, unreife Kind immens: Vor allem die Funktion der Lunge ist massiv gestört und bedarf der intensiven Behandlung.

Prof. Dr. Udo Hoyme
Prof. Dr. Udo Hoyme Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Haupt-Auslöser für Frühgeburten sind - zu etwa 70 Prozent - Infektionen in der Scheide der schwangeren Frau. Die sollen nun durch einen einfachen Test erkannt werden, lange bevor sie auf den Muttermund übergreifen und eine normale Geburt beeinträchtigen können. In der Zeit zwischen der 14. und 32. Schwangerschaftswoche sollten schwangere Frauen zweimal pro Woche einen Abstrich an der Scheidenwand vornehmen und dessen pH-Wert messen, sagen Ärzte der Ilmkreis-Klinik Arnstadt-Ilmenau. Auf die - medizinisch naheliegende - Idee, mittels pH-Wert-Messung das Infektionsrisiko einer schwangeren Frau zu ermitteln, war ein Team um den Arnstädter Frauenheilkundler Prof. Dr. Udo Hoyme gekommen. "Uraltes Medizinerwissen", sagt Hoyme. Und meint damit: bestimmte Bakterien sondern große Mengen basischer Stoffe ab, die lassen dann den pH-Wert ansteigen und weisen auf die Infektion hin.

Hoyme legt Wert darauf, dass es sich dabei um einen Schnelltest, ein "Screening" - und keinesfalls eine verlässliche, umfassende Diagnose handele. Der Test könne einen Hinweis darauf liefern, dass in der Vagina einer Frau eine Infektion vorliege. Ob und inwiefern die Patientin dann weiter behandelt werden müsse, entscheide der Facharzt.

ph-Schnelltest zur Erkennung von Infektionen bei Schwangeren
Der in Arnstadt entwickelte pH-Schnelltest Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Seit 2016 werden die Test-Sets in vielen Thüringer Frauenarztpraxen und Kliniken angeboten. Hoyme wirbt dafür, dass das Screening in ganz Deutschland Verbreitung findet. Gesundheitsministerin Heike Werner hat den Arnstädter Medizinern Unterstützung zugesagt - sie wolle sich auf Bundesebene dafür einsetzen, dass die Tests standardmäßig als Kassenleistung übernommen werden, und auch bei ihren Ministerkollegen in den anderen Ländern für das Sreening werben.

Dass sich die pH-Wert-Tests andernorts bislang nur so zögerlich durchsetzen, liegt auch an den Einwänden von Kritikern. Es fehle an verlässlichen Statistiken über die Treffergenauigkeit und durchgängige Zuverlässigkeit des Tests, meinen sie. Hoyme hält dem entgegen, es handele sich eben um einen ersten, schnellen, dazu noch kostengünstigen und völlig komplikationsfreien Test. Laut Hoyme liegen die Kosten für das Sreening bei knapp 30 Euro - für die gesamten 20 Wochen. Eigentlich gut angelegtes Geld - bei Behandlungskosten von knapp 70.000 Euro pro Frühgeborenem.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 08. Februar 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Februar 2019, 19:12 Uhr

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