Jungenheim Kranichfeld
Das Jungenheim in Kranichfeld hat die Betriebserlaubnis bekommen. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Weimarer Land Grünes Licht für Jungen-WG in Kranichfeld

Sie kommen aus zerrütteten Familien, oder haben keine Eltern mehr oder waren schon im Kindesalter mit dem Gesetz in Konflikt. Die Kijula - die Kinder- und Jugendland gGmbH - nimmt sich ihrer an. Unter anderem betreibt sie ein Jungenhaus in Kranichfeld im Weimarer Land. Dort leben verhaltensauffällige Teenager. Und das sorgte für Zündstoff.

von Conny Mauroner

Jungenheim Kranichfeld
Das Jungenheim in Kranichfeld hat die Betriebserlaubnis bekommen. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Die alte Herberge in Vieselbach wurde zu eng und das Gebäude zu alt. Kijula-Chef Wolfgang Schlenstedt hat sich nach einer Alternative umgesehen und sie in Kranichfeld gefunden. Das alte Kurhaus stand zum Verkauf. Der Besitzer war angetan von den Plänen der Kijula. Schlenstedt bekam den Zuschlag und kaufte die Immobilie.

Doch der Jugendlandchef hatte die Rechnung ohne die Stadt gemacht. Am 8. November 2018 zogen seine zehn Jungs und die sieben Betreuer in das Kurhaus ein. Ein so genanntes gemeindliches Einvernehmen gab es zu diesem Zeitpunkt nicht. Der Stadtrat sollte der Nutzungsänderung zustimmen. Denn das Haus erfüllte nun einen anderen Zweck.

Stadtrat erteilten mehrfache Abfuhr

Ausgerechnet am 8. November tagte der Stadtrat und forderte Klarheit über die Verhältnisse. Schlenstedt blieb dem Gremium fern. Am ersten Tag in der neuen Bleibe wollte er seine Jungs betreuen und niemandem Rede und Antwort stehen. Die Stadträte waren verschnupft. Zweimal versagten sie ihm das gemeindliche Einvernehmen und erteilten der Kijula damit eine Abfuhr. Offizieller Grund war die Lage des Hauses. Die Jungen-WG ist unweit einer Spielhalle und eines Erotik-Clubs untergebracht. Keine gute Ausgangsposition für verhaltensauffällige Jungs, findet auch der Chef der Verwaltungsgemeinschaft Kranichfeld Fred Menge. Grundsätzlich sei der Stadtrat nicht gegen diese Jungen-WG. Doch nicht an diesem Ort, sagt er.

Auch Sicherheitsbedenken der Kranichfelder gab es. Das Landratsamt als übergeordnete Behörde bekam von dem Ärger in Kranichfeld Wind und schickte seine Vertreter. Die hatten weniger Bedenken und erteilten Kijula eine Duldung. Inzwischen gibt es die Betriebserlaubnis. Nur einige wenige Brandschutzauflagen sind noch zu erfüllen. Der Landkreis darf sich über das Votum des Kranichfelder Stadtrates hinweg setzen - getreu dem Motto "Ober sticht Unter".

Die Kranichfelder sind weiterhin skeptisch. Es habe schon Zwischenfälle gegeben, hört man. Schlenstedt räumt ein, dass zwei seiner Jungs in ein leer stehendes Haus eingebrochen sind. Von anderen Taten wisse er nichts. Beide Seiten müssen nun aber lernen, miteinander klar zu kommen. Was hätte anders laufen können? VG-Chef Fred Menge wünscht sich mehr Offenheit und Transparenz, Kijula-Chef Wolfgang Schlenstedt mehr Verständnis und Interesse. Mehrfach habe er Stadträte zur Besichtigung eingeladen - gekommen sei jedoch keiner.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | 14. April 2019 | 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. April 2019, 06:00 Uhr

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18 Kommentare

15.04.2019 12:25 Normalo 18

@ 12 Bitte vergessen Sie nicht die Chemtrails und Scheibenform der Erde. Hat alles Bodo angestoßen!
Die Verschwörungstheoretiker feiern fröhliche Urständ :)
Gerade bei solchen Themen ist Transparenz das wichtigste. Die Beteiligten müssen sich dringend besprechen. Miteinander. Nicht hier im chat. Herr Schlenstedt, greifen Sie zum Telefon. Am besten heute noch!

14.04.2019 23:27 DER Beobachter zu Dh 12 17

Ich nehme an, dass das gewohnte Geschwätz des mindestens gebläunten Dh zu einer angeblichen "Linksgrünschwarzgelbe Einheitspartei. Markenzeichen: "gegen die Interessen der Bevölkerung gerichtet" auch die wohl bewusst mehrheitlich weder linksgrün noch blaubraun gewählt habenden Kranichfelder sonderlich beeindrucken wird...

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