Auf einer Computertastatur liegt ein Behörden-Dokument mit der Aufschrift  'Nachrichten für Luftfahrer, 14. November 2017, Gemeinsame Grundsätze des Bundes und der Länder zur Genehmigung von öffentlichen Veranstaltungen nach §24 Luftverkehrsgesetz (Luftfahrtveranstaltungen)'
Die neue Vorschrift "Gemeinsame Grundsätze des Bundes und der Länder zur Genehmigung von öffentlichen Veranstaltungen nach §24 Luftverkehrsgesetz" Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bundesweite Richtlinien überarbeitet Konsequenz aus Flugschau-Unfällen in Thüringen

Die Vorschriften für Flugtage mit Kunstflug-Programm sind auf Betreiben Thüringens verschärft worden. Demnach müssen die Veranstalter selbst sicherstellen können, dass startende Piloten qualifiziert und trainiert sind. Eine Konsequenz aus den Unglücken bei Flugschauen in Thüringen.

von Michaela Schenk

Auf einer Computertastatur liegt ein Behörden-Dokument mit der Aufschrift  'Nachrichten für Luftfahrer, 14. November 2017, Gemeinsame Grundsätze des Bundes und der Länder zur Genehmigung von öffentlichen Veranstaltungen nach §24 Luftverkehrsgesetz (Luftfahrtveranstaltungen)'
Die neue Vorschrift "Gemeinsame Grundsätze des Bundes und der Länder zur Genehmigung von öffentlichen Veranstaltungen nach §24 Luftverkehrsgesetz" Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Im April 2008 waren auf dem Flugplatz Eisenach/Kindel zwei Menschen getötet und ein Pilot schwer verletzt worden. Vier Jahre später, im April 2012 kam in Alkersleben ein 49jähriger Flieger der Kunstflugstaffel Gera ums Leben. In beiden Fällen machten die Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung BFU in Braunschweig fehlendes Können der Piloten mit-verantwortlich, aber auch Behörden und Fliegerkollegen.

Neue Auflagen für Veranstalter

Außerdem habe es ein "Verantwortungswirrwarr" gegeben, sagte Rainer Bode von der Landesluftfahrtbehörde MDR THÜRINGEN. Für einen sichereren Ablauf einer genehmigten Flugschau sei künftig allein der Veranstalter verantwortlich. Die Veranstalter müssen fliegerischen Sachverstand haben und die Piloten einschätzen können. Bode zählt auf, was dazu nötig ist:

Sie (die Veranstalter, Anm.d.Red.) müssen Lizenzen lesen können, sie müssen Flugbücher lesen können und sie müssen auch über die Eigenschaften von Flugzeugen eine Menge wissen. Ist das Flugzeug überhaupt geeignet für die Art der Vorführung, die jemand durchführen will ?

Rainer Bode von der Thüringer Luftaufsichtsbehörde

Die Landesbehörde sei dazu personell gar nicht in der Lage, auch noch einen Flugtag dabei zu unterstützen. Es sei auch nicht Aufgabe der Steuerzahler, "das monetäre Interesse der Veranstalter zu befriedigen", sagt Bode.

Mehr Sicherheit für Besucher

Drei Jahre wurde nach seinen Angaben an der Novelle der "Gemeinsamen Grundsätze des Bundes und der Länder zur Genehmigung von öffentlichen Veranstaltungen" gearbeitet, die auch für Besucher mehr Sicherheit bringen sollen.

Sie können davon ausgehen, dass die Piloten, die dort fliegen einen bestimmten Übungsstand haben. Das war vorher nicht so eindeutig geregelt.

Rainer Bode von der Thüringer Luftaufsichtsbehörde

Für die Anbieter von Luftfahrt-Veranstaltungen bedeuten die neuen Regeln auf jeden Fall (noch) mehr Papier und Verantwortung. Und dafür ist die Reaktion der Befragten äußerst gelassen.

Flugzeugunglück in Eisenach-Kindel am 26.04.2008
Das Flugzeugunglück in Eisenach-Kindel am 26.04.2008 (Archiv) Bildrechte: dpa

Mehrkosten auf Besucher umlegen

Christine Tomschin von der MVVG, der Mitteldeutschen Verwaltungs- und Veranstaltungsgesellschaft in Altenburg sagte, strenge Richtlinien sei die Branche gewohnt. Denkbare Mehrkosten müssten "möglicherweise auf Eintrittspreise der Besucher" umgelegt werden. Die MVVG organisiert seit einigen Jahren unter anderem Flugschauen in Thüringen und Sachsen.

Wirtschaftliche Risiken gravierender

Der aktuelle Geschäftsführer des Flughafen Arnstadt-Alkersleben, Torsten Lohfink, sagte, dass er als Pilot Auflagen in der Luftfahrt immer ernst nehme. Was die Behörden verlangten, würde eingehalten. Viel gravierender als verschärfte Richtlinien sei für Flughafenbetreiber das wirtschaftliche Risiko von Flugschauen. Bei schlechtem Wetter seien die vorab investierten "mehreren zehntausend Euro" in ein Programm schnell verloren.

Für das Jahr Jahr 2018 sind in Thüringen mehrere Flugtage angekündigt, davon aber noch nicht alle genehmigt.

Die Luftfahrtbehörde Thüringen genehmigt die Veranstaltungen, wenn die Veranstalter die Auflagen erfüllen können. Die selben Mitarbeiter decken zudem Aufgaben der Luftsicherheit ab. Diese Behörde beaufsichtigt 24 Verkehrslandeplätze und Flughäfen in Thüringen und ist zudem für die Rettungshubschrauber-Landeplätze verantwortlich; sie prüft auch die Zuverlässigkeit und Lizenzen von Piloten. In Thüringen haben aktuell 800 Menschen die Lizenz, um Motor- und/oder Segelflugzeuge, Hubschrauber oder Fesselballons fliegen zu können. Einige der Piloten besitzen mehrere Lizenzen. Nicht berücksichtigt sind in diesen Zahlen die Flieger von Ultraleichtflugzeugen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Thüringen Journal | 12. Mai 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Mai 2018, 05:00 Uhr

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