Vergewaltigungsprozess gegen Polizeibeamte fortgesetzt

Gerichtsreporterin Cornelia (Conny) Hartmann vom MDR THÜRINGEN JOURNAL
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Der Prozess gegen zwei Thüringer Polizisten wegen gemeinschaftlicher Vergewaltigung geht weiter. Nach Aussage einer Polizeibeamtin hat das mutmaßliche Opfer erst am Folgetag von sexuellen Übergriffen gesprochen. Die Frau ist inzwischen verschwunden und wird europaweit gesucht.

Vergewaltigungsprozess Polizisten Arnstadt 20.05.2020
Neue Aussagen beim Vergewaltigungsprozess in Arnstadt. Bildrechte: MDR/Cornelia Hartmann

Die Angeklagten machen es den Justizwachtmeistern leicht beim Abnehmen und Dranmachen der Handfesseln. Sie kennen sich aus. Sie sind Polizeibeamte. Und weil sie bei einer Hausdurchsuchung eine Frau vergewaltigt haben sollen, sitzen sie seit Oktober letzten Jahres in Untersuchungshaft.

Die von der Staatsanwaltschaft angeklagte schwere Vergewaltigung bestreiten sie. Einvernehmlichen Sex räumen mit der 32-Jährigen räumen die Männer ein. Eigentlich wollten sie nur nach den echten Papieren der aus Polen stammenden Frau suchen. Die habe sie angemacht - sich darauf einzulassen sei ein schwerer Fehler gewesen.

Die inzwischen 33-Jährige konnte noch nicht gehört werden. Sie ist verschwunden, die Thüringer Zielfahnder suchen europaweit nach ihr.

Und deshalb hörte das Erfurter Landgericht am Tag drei des Prozesses einen Dolmetscher und eine Kollegin der Angeklagten.

Dolmetscher enttäuscht von vermeintlichem Opfer

Der Dolmetscher schilderte, wie die 32-Järhige in einer Pause, in der die vernehmende Beamtin den Raum kurz verließ, anfing zu weinen. Dann fragte sie ihn, ob er sie nach der Vernehmung auf eine andere Polizeidienststelle fahren könnte. Er habe nachgefragt, so der Dolmetscher. Ob sie beleidigt worden sei, ob man sie angefasst habe, ob sie vergewaltigt worden sei. Auf letzteres habe die Frau dann Ja gesagt und unablässig hysterisch geweint.

Er habe die Vergewaltigung angesprochen, als die Beamtin wieder kam, so der Dolmetscher. Danach ging alles schnell. Die Beschuldigtenvernehmung der Frau wegen der gefälschten Papiere wurde abgeschlossen. Dann sei sie als Zeugin vernommen worden. Dazu sei dann eine Dolmetscherin bestellt worden, so der 62-Jährige. Er habe auch danach noch in dem Verfahren übersetzt und sei enttäuscht, dass die Frau, die ihm sagte, sie wolle in Deutschland bleiben, ihn offensichtlich belogen habe.

Beschuldigung erst am nächsten Morgen

Eine Beamtin der PI Arnstadt-Ilmenau schilderte anschließend, wie sie die Situation erlebte. Gleich nach der Hausdurchsuchung habe sie sich um die Identitätsfeststellung der Frau gekümmert,  auch Fotos gemacht. Die 32-Jährige sei sehr kooperativ und freundlich gewesen, auf den Fotos, die das Gericht an die Wand projiziert, sieht man sie lächeln. Über eines ihrer Tattoos, ein Playboyhäschen, habe man gemeinsam gelacht, so die Zeugin.

Angeklagte, Verteidiger und Jusitzmitarbeiter bei Auftakt zu Vergewaltigungsprozess in Erfurt
Die Beschuldigten beim Prozessauftakt Bildrechte: MDR/Cornelia Hartmann

Die  Frau und ihr Begleiter blieben über Nacht im Gewahrsam, am nächsten Morgen sei die Frau verändert gewesen. Müde, sagt die Polizeibeamtin. Sie habe ihr erklärt, dass sie jetzt nach Hause dürfe und habe die Papiere fertig gemacht. Als sie zurück ins Vernehmungszimmer kam, habe die Frau geweint und dann den "Kracher" erzählt, so die Beamtin wörtlich.

Sie sei fassungslos gewesen und sofort zu ihrer Chefin gegangen. Der Kriminaldauerdienst wurde informiert. Sie habe die 32-Jährige noch einmal ausführlich belehrt und darauf hingewiesen, dass sie gehen könne. Die Frau sei bei den Vorwürfen geblieben. Sie habe auch ihr Handy für die Ermittlungen zur Verfügung stellen sollen - das aber später nicht getan.

"Und jetzt sitz‘ ich hier", sagt die Zeugin am Ende ihrer Befragung. Und es ist ihr anzumerken, dass sie diese Geschichte berührt.

Das öffentliche Interesse an diesem Prozess ist riesig. Schon kurz nach acht Uhr hatte sich vor dem Gerichtsgebäude eine lange Schlange gebildet. Sie war wirklich lang, weil alle Wartenden den Sicherheitsabstand einhielten. Auch da, wo keine Markierungen mehr sind. Anfang Juni wird weiterverhandelt.

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MDR THÜRINGEN JOURNAL Di 05.05.2020 19:00Uhr 02:03 min

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 20. Mai 2020 | 19:00 Uhr

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