Thüringens Forstministerin Birgit Keller und Ministerpräsident Bodo Ramelow (beide Linke) bei einer Pflanzaktion der Landesregierung im Wald
Das Thüringer Kabinett hat sich am Dienstag an einer Baumpflanzaktion im Ilm-Kreis beteiligt. Insgesamt 800 Setzlinge standen bereit. Zum Spaten griffen unter anderem Ministerin Birgit Keller und Ministerpräsident Bodo Ramelow. Bildrechte: MDR/Michael Hesse

Thüringen Dramatische Situation im Wald: Nur noch 15 Prozent der Bäume sind gesund

Alarmierende Zahlen für Thüringen: Der überwiegende Teil der Bäume in den Wäldern des Freistaats ist krank. 85 Prozent gelten als mindestens leicht geschädigt. Nach Einschätzung der Landesregierung sind Millionen Neupflanzungen nötig.

von Michael Hesse

Thüringens Forstministerin Birgit Keller und Ministerpräsident Bodo Ramelow (beide Linke) bei einer Pflanzaktion der Landesregierung im Wald
Das Thüringer Kabinett hat sich am Dienstag an einer Baumpflanzaktion im Ilm-Kreis beteiligt. Insgesamt 800 Setzlinge standen bereit. Zum Spaten griffen unter anderem Ministerin Birgit Keller und Ministerpräsident Bodo Ramelow. Bildrechte: MDR/Michael Hesse

Der Zustand der Thüringer Wälder hat sich weiter verschlechtert: Nur noch 15 Prozent der Bäume im Freistaat sind gesund. Das geht aus dem Waldzustandsbericht hervor, den die Landesregierung am Dienstag vorgelegt hat. Das ist der geringste Anteil gesunder Bäume seit Beginn des forstlichen Umweltmonitorings, das vor mehr als 20 Jahren gestartet wurde. In dem Bericht heißt es weiter, die Folgen des Klimawandels und der heißen Sommer der vergangenen zwei Jahre seien unübersehbar. Auch der Befall durch den Borkenkäfer stieg danach in den Fichtenbeständen dramatisch an und entwickelte sich zu einer "Katastrophe".

Laubbäume in Thüringen leiden unter Wetterextremen

Forstministerin Birgit Keller (Linke) sagte, nur noch 23 Prozent aller Fichten und sieben Prozent aller Kiefern können als gesund bezeichnet werden. Und das sei noch lange nicht das Ende, betonte die Ministerin. Besonders die Laubbäume litten unter den extremen Witterungsverhältnissen - 92 Prozent der Laubbäume zeigten vitale Verluste. Bei den Buchen kann nur noch jeder 25. Baum im Wald als gesund eingestuft werden.

Keller bezifferte die betroffene Fläche auf insgesamt 40.000 Hektar. Das entspreche der Größe von 56.000 Fußballfeldern. Insgesamt seien das vier Millionen Festmeter Schadholz, so die Ministerin. 1,7 Millionen Festmeter Holz sind durch die Trockenheit geschädigt, 2,3 Millionen Festmeter vom Borkenkäfer befallen. Zur Erhebung der Waldschäden werden thüringenweit an mehr als 350 Punkten die Baumkronen einmal im Jahr begutachtet.

Millionen neuer Bäume sollen Wald in Thüringen neues Gesicht geben

Die Thüringen Landesregierung will mit 500 Millionen Euro in den kommenden zehn Jahren die Wälder umgestalten. 200 Millionen Bäume sollen in dieser Zeit neu gepflanzt werden. Zum Wald der Zukunft gehören aus Sicht von Thüringenforst-Vorstand Volkhardt Gebhardt Bäume wie Weißtanne, Vogelkirsche, Traubeneiche und Douglasie. Mit diesen Arten sollen die vorherrschenden Monokulturen zu Mischwäldern umgeforstet werden. Aus Sicht von Gebhardt ist das Risikovorsorge: Mit verschieden Baumarten seien die Wälder besser für den Klimawandel gerüstet.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 15. Oktober 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Oktober 2019, 19:37 Uhr

6 Kommentare

part vor 4 Wochen

Der heimische Wald bereitet mir weniger sorgen, die Monokulturen werden durch einen natürlichen Wald ersetzt werden, doch was seit Bolzonaro im Amazonas passiert wird nachhaltig das Gesicht des Planeten verändern. Im Juli sind nach dem brasilianischen Weltrauminstitut 2254 Quadratkilometer Regenwald gerodet worden. Das entspricht einer Zunahme von 278 Prozent im Vergleich zum Juli 2018. In Brasilien ist in den Monaten von Mai bis Juli viel mehr Regenwald abgeholzt worden als in den gleichen Zeiträumen der Jahre 2018, 2017 und 2016. Das geht aus Satellitendaten hervor, die das brasilianische Institut für Weltraumforschung (INPE) am Dienstag veröffentlichte. In Brasilien befinden sich 60 Prozent des Amazonasregenwaldes. Dessen Bäume verarbeiten jedes Jahr zwei Milliarden Tonnen Kohlendioxid und spenden 20 Prozent des Sauerstoffs der Erde. Doch von Sanktionen der westlichen Welt gegen Brasilien oder Friedensmissionen für die Erhaltung des Regenwaldes kann ich bisher nichts erkennen...

Eulenspiegel vor 4 Wochen

Also ich denke das kann man durchaus auch positiv sehen. Immerhin sind 15 % der Bäume gesund und nur gut die Hälfte wirklich krank. Jedenfalls stirbt der Thüringische Wald nicht gleich Morgen. Ich denke der größte Teil der Bäume wird auch in 20 Jahren noch stehen. Es ist aber klar wohin das führt. Und es sind alle Baumarten betroffen. Dieses Problem ist nicht über Nacht vom Himmel gefallen. Es hat sich über viele Jahre aufgebaut. Es gibt im Grunde keine Alternative zur konsequenten Wiederaufforstung. Wir müssen aber damit rechnen das man irgendwann den Kindern sagen muss das der Thüringer Wald eben Thüringer Wald heißt weil hier frühe ein mal überall Wälder waren.

placebo vor 4 Wochen

Immer dieser Aktionismus ...
Eine außergewöhnliche Situation verlangt nicht nach einem Kabinett, dass an einem Werktag(!) sich medienwirksam in den Wald begibt, um mit neuen(!) Arbeitshandschuhen Sätze, die die Berater bereitgelegt haben, in die Kamera zu sprechen.
Eine außergewöhnliche Situation verlangt unser ganzes Tun, Handeln und Fördern zu hinterfragen! Da haben wir viel zu tun ... und zu ändern. Grundlegend!
Ein Che Guevara war ja wenigstens an Sonntagen bei der Zuckerrohrernte. Und der hatte nicht mal neue Arbeitshandschuhe ...
Unsere Politik ist weit weg, abgehoben ... und verkriecht sich in der Legislatur.

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