Schloss und Park Reinhardsbrunn
Bildrechte: MDR/Axel Hemmerling

Schloss Reinhardsbrunn Geldwäscheverdacht und Spuren nach Moskau

Beim Verkauf des bekannten, westthüringischen Schlosses Reinhardsbrunn könnte Geld in Millionenhöhe gewaschen worden sein. Die Staatsanwaltschaft Erfurt ermittelt gegen Weimarer Geschäftsleute und verfolgt Spuren bis nach Moskau. Fahnder durchsuchten bereits Wohn- und Geschäftshäuser, die Verdächtigen weisen die Vorwürfe zurück.

von Ludwig Kendzia, Michaela Schenk und Axel Hemmerling

Schloss und Park Reinhardsbrunn
Bildrechte: MDR/Axel Hemmerling

Beim Verkauf des Schlosses Reinhardsbrunn bei Friedrichroda ist möglicherweise Geld in Millionenhöhe gewaschen worden. Diesem Verdacht geht die Staatsanwaltschaft Erfurt nach.

Ende 2006 erwarb eine Bauingenieurfirma aus Weimar die westthüringische Schlossanlage für rund 100.000 Euro. Das Weimarer Unternehmen wurde dann knapp zwei Jahre später von einem russischen Investor für zwölf Millionen Euro aufgekauft. Dabei ging auch der laut Staatsanwaltschaft der einzige Vermögenswert der Baufirma - das Schloss - in den Besitz des Investors über.

Der hohe Verkaufspreis machte die Finanzbehörden aufmerksam. Jetzt geht die Staatsanwaltschaft Erfurt dem Verdacht der Geldwäsche nach. Ermittelt wird gegen drei Geschäftsleute aus Weimar. Nach Recherchen des MDR-Magazins THÜRINGEN SPEZIAL führen Spuren dabei bis nach Moskau, zu einem Geflecht aus Briefkastenfirmen.

Nach MDR-Informationen ermitteln die Fahnder derzeit, ob die Verkaufsmillionen über verschleierte Kontobewegungen an den russischen Käufer zurückgeflossen sein könnten. Teile des Geldes wurden bisher unter anderem auf ausländischen Konten zum Beispiel in der Schweiz gefunden.

Ein Netz von Briefkastenfirmen

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Erfurt bestätigte, dass im Juni vergangenen Jahres Privat- und Geschäftsräume in Weimar durchsucht worden sind. Die Beschuldigten wiesen auf Anfrage die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft in vollem Umfang zurück. Man gehe von einer "zeitnahen Einstellung" des Verfahrens aus, ließen sie mitteilen.

Bei dem russischen Investor handelt es sich nach MDR-Informationen um eine Firma mit dem Namen "RusInTech", die ihren Sitz in Moskau hat. Gegründet wurde sie im Juli 2008 - also kurz vor dem Einstieg in das Weimarer Bauberatungsunternehmen. Dahinter stehen als Gründer drei russische Firmen. Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich zum Teil um ein Netz von Briefkastenfirmen handelt, das das Ziel hat, die Herkunft der zwölf Millionen Euro-Investition zu verschleiern.

Fördermittelanträge für Reinhardsbrunn abgelehnt

Schloss Reinhardsbrunn hinter verschlossenen Toren
Wurden hinter diesen Toren Millionen gewaschen? Bildrechte: MDR/Axel Hemmerling

Nach MDR-Recherchen gehört eines dieser russischen Gründungsunternehmen zu einer Bau-Firmengruppe, die auch in Weimar Niederlassungen hat. Einer der drei Verdächtigen ist an all diesen Unternehmen beteiligt und in der Klassikerstadt seit Jahren geschäftlich aktiv. Nach MDR-Informationen hat der 58-jährige, russisch-deutsche Geschäftsmann in Weimar das "Volkshaus" und den alten "Sender Weimar" erworben. Bis vor kurzem war er auch der Geschäftsführer des Bauingenieurbüros, das Besitzer von Reinhardsbrunn ist. An all diesen Immobilien hat es in den letzten Jahren keine erkennbaren Sanierungsarbeiten gegeben. Für Schloss Reinhardsbrunn hatte das Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie (TLDA) vor drei Jahren 40.000 Euro für eine Notsicherung bereit gestellt. Das Geld ist nach Behördenangaben nicht ausgereicht worden, weil keine Planungsunterlagen vorlagen. Wegen unklarer Finanzierungs- und Nutzungspläne wurden zudem zwei Fördermittelanträge abgelehnt. Der jüngste Antrag "widersprach allen Kriterien der Denkmalförderrichtlinie", so das Kulturministerium. Auch die Thüringer Aufbaubank bestätigte, dass sie aufgrund unklarer Nutzungskonzepte einen Fördermittelantrag abgelehnt habe.

Friedrichroda hofft auf das Land

Thomas Klöppel, Bürgermeister von Friedrichroda, bestätigte, dass Reinhardsbrunn ein Diskussionsthema in seiner Gemeinde ist.

Als Bürgermeister werde ich oft gefragt: Warum enteignet Ihr das nicht und macht was draus?

Thomas Klöppel, Bürgermeister von Friedrichroda

Klöppel will diese Option der Enteignung rechtlich prüfen lassen. Aber er müsse weiterdenken. Denn was nütze es, wenn das Schloss nach einer solchen Zwangsenteignung weiter so aussehe wie vorher, weil die Stadt nicht die Mittel für eine Sanierung habe, so der Bürgermeister. Seine Hoffnungen ruhten auf dem Land.

Vom Kloster zum Hotel

Das Schloss Reinhardsbrunn hat eine wechselvolle Geschichte. Die Gründung geht auf ein Kloster im Jahr 1085 zurück. Die Anlagen wurden im Bauernkrieg zerstört. 1827 entstand auf den Ruinen dann die heutige Schlossanlage - das Lustschloss Reinhardsbrunn. Unter anderem besuchte die britische Queen Victoria den Ort im Thüringer Wald. Zwischen 1961 und 1989 war Reinhardsbrunn ein bekanntes Hotel des staatlichen Reisebüros der DDR. Nach der Wende ging es in die Resort-Hotel GmbH über und wurde Ende 2005 an einen englischen Investor verkauft, bevor es in den Besitz der Weimarer Baufirma überging.

Zuletzt aktualisiert: 22. Juni 2011, 17:00 Uhr