Operation Aderlass Doping-beschuldigter Sportarzt aus Erfurt bleibt in U-Haft

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Bildrechte: MDR/Karsten Heuke

Der des Blutdopings beschuldigte Sportarzt Mark Schmidt bleibt in Untersuchungshaft. Ein möglicher Prozess könne nach Angaben des zuständigen Landgerichts frühestens im Herbst beginnen. Der Arzt aus Erfurt war im Zuge der "Operation Aderlass" Ende Februar 2019 in Erfurt festgenommen worden.

In dem unteren Fach eines weißen Standregals liegt diverses Zubehör für Bluttransfusionen, überwiegend in Pappkartons verpackt, unter anderem Desinfektionsmittel und Kanülen
Zubehör für Bluttransfusionen: Ein Sportarzt aus Erfurt soll bei Spitzensportlern Eigenblutdoping durchgeführt haben. (Archivbild) Bildrechte: Zollfahndungsamt München

Der des systematischen Blutdopings beschuldigte Erfurter Sportarzt Mark Schmidt bleibt in Untersuchungshaft. Eine Sprecherin des Landgerichts München II sagte MDR THÜRINGEN, das sei das Ergebnis einer aktuellen Haftprüfung. Auch der mutmaßliche Helfer Dirk Q. bleibe in Haft. In dessen Fall habe eine Haftbeschwerde vorgelegen, über die damit auch entschieden worden sei.

Der Sportmediziner Mark Schmidt befindet sich seit mehr als 13 Monaten in U-Haft. Die Gerichtssprecherin sagte, nach aktuellem Stand könnte der Doping-Prozess gegen Mark Schmidt und vier seiner mutmaßlichen Komplizen, darunter sein Vater, möglicherweise im Herbst beginnen. Allerdings stehe die Zulassung der Anklage durch das Landgericht noch aus.

Drogenlabor Erfurt Doping Mark Schmidt (auf dieser Couch lag der gedopte Sportler, den die Beamten in flagranti in Seefeld beim Blutaustausch vorfanden, J.Pezold)
Material für das Blutdoping im Labor des Erfurter Arztes. (Archivbild) Bildrechte: Zollfahndungsamt München

Schmidt-Anwalt: "U-Haft verstößt gegen Grundrechte"

Nach Ansicht des Rechtsanwalts Juri Goldstein, Strafverteidiger von Schmidt, verstößt die Länge der Untersuchungshaft gegen die Grundrechte seines Mandanten. Goldstein sagte MDR THÜRINGEN, das müsse "nunmehr durch das Verfassungsgericht überprüft werden. Der notwendige Antrag wird zeitnah eingereicht".

Die Staatsanwaltschaft München I hat gegen Mark Schmidt und die mutmaßlichen Helfer Anklage wegen gewerbsmäßiger und teilweise bandenmäßiger Anwendung verbotenen Eigenblutdopings und der Beihilfe dazu erhoben. Darüber hinaus muss sich der Erfurter Sportarzt dem Verdacht der gefährlichen Körperverletzung stellen.

Ein einem vereisten Gefrierfach liegen sechs in Gefrierbeutel mit Reißverschluss verpackte, gefüllte, gefrorene Blutbeutel
Gefrorene Blutbeutel, die bei Mark Schmidt gefunden wurden. (Archivbild) Bildrechte: Zollfahndungsamt München

Doping-Anklage: Hohe Freiheitsstrafe droht

Mark Schmidt soll laut der 145-seitigen Anklageschrift spätestens ab 2011 bei Spitzensportlern Eigenblutdoping durchgeführt und Wachstumshormone verabreicht haben. Die Athleten sollen dem Arzt dafür insgesamt rund 250.000 Euro in bar gezahlt haben. Laut der Staatsanwaltschaft, die schwerpunktmäßig Dopingfälle verfolgt, muss der Arzt mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren rechnen.

Razzia bei einem Erfurter Sportmediziner
Das Haus des Mediziners wurde durchsucht. (Archivbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Operation Aderlass: Razzia in Erfurt und Seefeld

Mark Schmidt war im Zuge der "Operation Aderlass" Ende Februar 2019 in Erfurt festgenommen worden. Die Ermittler hatten parallel im österreichischen Seefeld während der Nordischen Ski-WM und in Erfurt zugegriffen.

Nach Erkenntnissen der Münchner Staatsanwaltschaft sind mindestens 23 Sportler, unter anderem aus Deutschland, Österreich, Estland und Italien, in den Doping-Fall verwickelt. Hinzu kommen ebenso viele Betreuer, Mediziner und Helfer. Für die Doping-Schwerpunktstaatsanwaltschaft in München ist die "Operation Aderlass" der erfolgreichste Schlag gegen organisiertes Doping im Spitzensport innerhalb der vergangenen zehn Jahre.

Quelle: MDR THÜRINGEN/ls

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 08. April 2020 | 16:00 Uhr

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