Alexander Gerst bei der Astro-Show in Erfurt
Alexander Gerst auf dem Weg zur Bühne bei der Raumfahrt-Show im Steigerwaldstadion. Bildrechte: MDR Fernsehen

Show im Steigerwaldstadion in Erfurt Wie "Astro-Alex" die Raumfahrt zum Erlebnis macht

Wissenschaft kurzweilig präsentiert: 15.000 Schülerinnen und Schüler aus ganz Thüringen haben die Deutschlandpremiere der überarbeiteten "DLR-Raumfahrt-Show" erlebt - mit den Astronauten Alexander Gerst und Ulf Merbold.

von Sebastian Großert

Alexander Gerst bei der Astro-Show in Erfurt
Alexander Gerst auf dem Weg zur Bühne bei der Raumfahrt-Show im Steigerwaldstadion. Bildrechte: MDR Fernsehen

Eine Show wäre keine Show, wenn die Hauptattraktion gleich zu Anfang "verbrannt" würde. Also mussten die 15.000 jungen Besucher der neu konzipierten Raumfahrt-Show des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) im Erfurter Steigerwaldstadion eine reichliche Stunde auf "Astro-Alex" alias Alexander Gerst warten, der 2014 und 2018 in den Weltraum flog.

Wissenschaft auf der Bühne Die Raumfahrt-Show mit "Astro-Alex" in Bildern

15.000 Schülerinnen und Schüler haben die Neuauflage der "DLR-Raumfahrt-Show" in Erfurt mit den Astronauten Alexander Gerst und Ulf Merbold erlebt. Wie Wissenschaft im Steigerwaldstadion präsentiert wurde.

Vor Beginn der DLR-Raumfahrt-Show mit 15.000 Schülern im Steigerwaldstadion in Erfurt.
Vor Beginn der DLR-Raumfahrt-Show mit 15.000 Schülern im Steigerwaldstadion in Erfurt: Weil nicht alle Besucher pünktlich ins Stadion gelangen konnten, begann die Show mit 15 Minuten Verspätung. Bildrechte: MDR/Sina Reeder
Vor Beginn der DLR-Raumfahrt-Show mit 15.000 Schülern im Steigerwaldstadion in Erfurt.
Vor Beginn der DLR-Raumfahrt-Show mit 15.000 Schülern im Steigerwaldstadion in Erfurt: Weil nicht alle Besucher pünktlich ins Stadion gelangen konnten, begann die Show mit 15 Minuten Verspätung. Bildrechte: MDR/Sina Reeder
Besucher der DLR-Raumfahrt-Show im Steigerwaldstadion in Erfurt bei einem Mitmach-Experiment.
Die Moderatoren bezogen ihr Publikum in Experimente ein. Bildrechte: MDR FERNSEHEN
Astro-Show im Erfurter Steigerwaldstadion
Die Schülerinnen und Schüler lernten viel über Raumfahrt und Naturwissenschaft. Bildrechte: MDR/Karina Heßland-Wissel
Astro-Show im Erfurter Steigerwaldstadion mit Ulf Merbold
"Man macht sich schon Gedanken, warum die Menschen, die einem beim Einsteigen ins Raumschiff behilflich waren, sich vor dem Start auf sieben Kilometer davongemacht haben": Der zweite Deutsche im All, Ulf Merbold, über seine Gefühle beim Start in den Weltraum 1983. Bildrechte: MDR/Karina Heßland-Wissel
Dr. Michaela Döllinger von der Landessternwarte Tautenburg präsentiert bei der DLR-Raumfahrt-Show im Steigerwaldstadion in Erfurt ein Modell des Planeten HD 32518b, den sie mit entdeckt hat.
Michaela Döllinger von der Landessternwarte Tautenburg präsentiert bei der DLR-Raumfahrt-Show im Steigerwaldstadion in Erfurt ein Modell des Planeten HD 32518b, den sie mitentdeckt hat. Bildrechte: MDR FERNSEHEN
Alexander Gerst bei der Astro-Show in Erfurt
Alexander Gerst auf dem Weg zur Bühne im Steigerwaldstadion. Bildrechte: MDR Fernsehen
Astro-Show im Erfurter Steigerwaldstadion mit Alexander Gerst
Wie ein Fußballstar lief Gerst ins Stadion ein. Bildrechte: MDR/Karina Heßland-Wissel
Schüler aus Bad Langensalza grüßen Astronaut Alexander Gerst bei der DLR-Raumfahrt-Show im Steigerwaldstadion in Erfurt.
Grüße an "Astro-Alex" - von Schülern aus Bad Langensalza ... Bildrechte: MDR FERNSEHEN
Schüler der DLR-Raumfahrt-Show im Steigerwaldstadion in Erfurt grüßen Astronaut Alexander Gerst.
... und von der "6a des HMG", was für Heinrich-Mann-Gymnasium stehen dürfte. Bildrechte: MDR FERNSEHEN
Astro-Show im Erfurter Steigerwaldstadion mit Alexander Gerst und Ulf Merbold
Zwei Generationen von Raumfahrern: Ulf Merbold und Alexander Gerst. Bildrechte: MDR/Karina Heßland-Wissel
Der Astronaut Alexander Gerst bei der DLR-Raumfahrt-Show im Steigerwaldstadion in Erfurt.
Alexander Gerst bei seiner Bühnenpräsentation: Der Astronaut bestritt fast die Hälfte des zweistündigen Programms. Bildrechte: MDR FERNSEHEN
Luftaufnahme der "DLR-Raumfahrt-Show" im Steigerwaldstadion in Erfurt.
Luftaufnahme der "DLR-Raumfahrt-Show" im Steigerwaldstadion: Die Show wird am Freitagabend wiederholt - dann nicht nur für Schüler und Lehrer, sondern für jeden Raumfahrtinteressierten. Bildrechte: MDR FERNSEHEN
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Doch das Warten dürfte den Schülerinnen und Schülern aus ganz Thüringen nicht schwer gefallen sein: Schon der Teil der Show bis zu Gersts Auftritt war amüsant, lehrreich und kurzweilig. Das DLR nimmt die Gäste seiner neuen Bühnenpräsentation mit auf eine Reise zum Mond - aus Anlass des 50. Jahrestages der ersten Mondlandung am 20. Juli 2019. Die komplette Show können Sie hier noch einmal verfolgen.

Raketenantrieb mit Laubbläser demonstriert

Gleich zu Beginn wünschte Charles Moss "Charlie" Duke per Video-Einspieler viel Vergnügen - der US-Astronaut war 1972 der zehnte Mensch, der den Mond betrat. Experimente auf der Bühne vermittelten Kenntnisse über die Raumfahrt. So wurde demonstriert, wie ein Raketenantrieb funktioniert - mit einem Skateboard und zwei Laubbläsern, die gegen eine Holzplatte gerichtet wurden und das Skateboard in Bewegung setzten.

Michaela Döllinger von der Landessternwarte Tautenburg im Saale-Holzland-Kreis präsentierte ein Modell des Planeten HD 32518b, den sie mitentdeckt hat - und für den jetzt ein Name gesucht wird.

Warum die Sojus komfortabler war als das Space Shuttle

Ulf Merbold, der 1983 als zweiter Deutscher nach Siegmund Jähn ins All geflogen war, berichtete von seinen insgesamt drei Raumflügen - zwei mit dem Space Shuttle der USA, einer mit einem russischen Sojus-Raumschiff. Die Zuschauer erfuhren vom gebürtigen Greizer Merbold, dass es sich mit der russischen Rakete komfortabler fliegt als an Bord der US-Raumfähre - weil deren Feststoffraketen starke Vibrationen erzeugen, die die Astronauten zu spüren bekommen.

Der Astronaut Ulf Merbold auf der Bühne bei der "DLR-Raumfahrt-Show" im Steigerwaldstadion in Erfurt.
Ulf Merbold auf der Bühne bei der "DLR-Raumfahrt-Show" im Steigerwaldstadion in Erfurt. Bildrechte: MDR FERNSEHEN

Man macht sich schon Gedanken, warum die Menschen, die einem beim Einsteigen ins Raumschiff behilflich waren, sich vor dem Start auf sieben Kilometer davongemacht haben.

Ulf Merbold, Astronaut, über seine Gefühle bei seinem ersten Start ins All. bei der DLR-Raumfahrt-Show in Erfurt.

Alltagsorgen auf der ISS

Und dann kam der zweimalige Raumfahrer Gerst auf die Bühne - von der Seite durch die Zuschauer hindurch, wie ein Fußballstar, winkend, lächelnd. Der 43-Jährige zog die Schüler mit Alltagsgeschichten aus dem All ebenso in seinen Bann wie mit Naturwissenschaft. Er sagte etwa, wer ins All fliegen wolle, müsse nicht nur lernen, wie ein Raumschiff eingeparkt wird - er oder sie müsse sich auch vorher entscheiden, welche Unterwäsche an Bord getragen werden soll. Ein Astronautenkollege, so Gerst, habe im Stress vor dem Flug eine zu kleine Unterwäschegröße angegeben - und an Bord der Internationalen Raumstation unter kneifenden Unterhosen gelitten. Dem Problem sei die Besatzung schließlich beigekommen, indem sie die Wäsche seitlich aufgeschnitten habe.

Gersts Zuhörer lernten, dass bei einem Raketenstart ziemlich wenig Kohlendioxid frei wird: Die Verbrennung des Treibstoffs setze gerade so viel von dem Treibhausgas frei, wie ein mittelgroßes Flugzeug auf dem Weg über den Atlantik ausstoße. Und der Astronaut präsentierte auf den Video-Leinwänden Fotos, die er im All aufgenommen hatte - eindrucksvolle und bedrückende Aufnahmen, die zeigen, wie schön, aber auch wie verletzlich die Erde ist.

Gerst hat den verschwindenden Aralsee in Zentralasien fotografiert, den der Mensch durch Wasserentnahme aus den Zuflüssen zur salzigen Pfütze gemacht hat, er hat die Luftverschmutzung über Peking oder Norditalien aus dem All dokumentiert. Und er führte den Schülern die Trockenheit des Sommers 2018 eindrucksvoll vor Augen: Gerst zeigt zwei Aufnahmen seiner Geburtsstadt Künzelsau in Baden-Württemberg, die er auf seinen beiden Raumflügen machte. Auf dem Foto von 2014 ist eine saftig grüne Landschaft zu sehen - auf dem von 2018 eine braun verbrannte Region.

Und Gerst nutzt die Show zur Nachwuchswerbung für die eigene Zunft: "Mädels, wenn ihr Astronautin werden wollt, bewerbt euch", ruft er den Besucherinnen zu. Bei der letzten Runde sei nur jede sechste Bewerbung von einer Frau gekommen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 07. Juni 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Juni 2019, 20:50 Uhr

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22 Kommentare

09.06.2019 17:47 Fakt 22

>>astrodon, #21:
"Bei der nächsten Mondlandung können sich die Astronauten Armstrongs Fussabdrücke ansehen"<<
--------
Bis dahin braucht man gar nicht zu warten:

"Am 17. Juli 2009 veröffentlichte die NASA Bilder von fünf der sechs Landestelle der Apollomissionen. Diese wurden vom Satelliten Lunar Reconnaissance Orbiter aufgenommen, der sich in einer Umlaufbahn in etwa 50 Kilometer Höhe befand. Hochauflösende Bilder der Apollo-11-Mission wurden im März 2012 veröffentlicht. Aus knapp 24 Kilometer Höhe lassen sich neben dem Landemodul auch eine zurückgelassene Kamera und sogar die Fußabdrücke der Astronauten erkennen."
(Quelle: Spektrum der Wissenschaft, 17.07.2014)

09.06.2019 11:20 astrodon 21

@Thore - Einige Anmerkungen und auch Fragen:
>> Astronomie ist halt nicht jedermanns Sache !
Zugegeben. Aber das ist Geschmackssache.
>> Unterricht (..) hätte den meisten Kindern mehr gebracht: DAS kann sie gar nicht beurteilen, da schließt sie (uzulässig) von sich selbst auf andere.
>> Unterricht freitags (...) zu schwänzen:
Unterrichtsgänge finden an beliebigen Wochentage zu den unterschiedlichsten Themen statt. Wollen Sie festlegen, ob z.B. Museum, Synagoge oder ein Besuch beim Imker sinvoll oder "Firlefanz" sind ?
Zur Instrumentalisierung: Wo hören Bildung und Erziehung auf, was ist als Intrumentalisierung zu sehen ?
Und wer bestimmt, was was ist ?

>> (Zweifel an der Mondlandung): "... aber die Kleinen müssen [...] überzeugt werden"
DIESE Frage werden unsere Kinder auf jeden Fall beantwortet bekommen: Bei der nächsten Mondlandung können sich die Astronauten Armstrongs Fussabdrücke ansehen ... oder auch nicht.

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