Nach Kritik an hohen Vorstandsgehältern Gemeinnützigkeit von Awo-Tochterunternehmen in Gefahr

Nach Problemen wegen überhöhter Managergehältern beim Awo-Tochterunternehmen Alten-, Jugend- und Sozialhilfe (AJS) prüft das Finanzamt Erfurt alle Verträge. Dabei wird den neuen AJS-Geschäftsführern zufolge kontrolliert, ob das gemeinnützige Unternehmen auch die Abgabenordnung eingehalten hat. Im schlimmsten Fall könne die Gemeinnützigkeit aberkannt werden, sagten Katja Glybowskaja und Andreas Krauße MDR THÜRINGEN. Sie kündigten an, offen und transparent mit dem Finanzamt zusammenzuarbeiten.

Zudem prüfe ein unabhängiges Wirtschaftsinstitut im Namen des Aufsichtsrates der AJS alle Unterlagen. Um künftige Fehler zu verhindern, solle zudem eine unabhängige Innenrevision aufgebaut werden, die ebenfalls dem Aufsichtsrat unterstehe. So etwas sei eigentlich normal bei einem Unternehmen dieser Größe, sagte Krauße, sei bislang aber versäumt worden.

Bei einer Überprüfung hatte der Awo-Bundesverband festgestellt, dass die Gehälter der Awo-AJS Geschäftsführung unangemessen hoch seien. Sie verstießen damit gegen den Awo-Verhaltenskodex. In der Folge wurden bereits personelle Konsequenzen gezogen. Auch bei einem Gesellschafter der Awo AJS, dem Awo-Kreisverband Erfurt, soll in der kommenden Woche eine neue Geschäftsführung gewählt werden.

Quelle: MDR THÜRINGEN/sar

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 02. Juli 2020 | 19:00 Uhr

5 Kommentare

Tomke vor 5 Wochen

Eine mehr als 30jährige Erfahrung, oder besser Konkurrenzkampf, als Akteur auf dem sozialen Geschäftsfeld, "vermute" ich mal, dass die Geschehnisse rund um AWO lediglich die Spitze des Eisberges sind. Ein Blick hinter die Kulissen, zeigt, das ist bei den anderen Wohlfahrtsverbänden auch nicht anders, nur die AWO hat sich jetzt mal erwischen lassen. Das Subsidiaritätsprinzip und auch die Gemeinnützigkeit passen irgendwie nicht mehr zu den ökonomisierten sozialen Dienstleistungen. Schade, sage ich sowas öffentlich ist garantiert der Job futsch.

Rotti vor 5 Wochen

"...Man spricht, wie man mir Nachricht gab, Von keinem Graben, doch vom – Grab. Faust: Ein Sumpf zieht am Gebirge hin, Verpestet alles schon Errungne; Den faulen Pfuhl auch abzuziehn, Das Letzte wär' das Höchsterrungne..."

Goethe kannte die AWO?

part vor 5 Wochen

Wo anders wird es ähnlich laufen, siehe Krankenkassenvorstände. Das kommt davon, wenn Aufgaben des Staates ausgelagert werden an Vereine, religiöse Gemeinschaften oder gGmbH,s. Leistungserbringung im sozialen Bereich gehört in staatliche Hände und nicht an die Adressen von Privatgesellschaften, Vereinen oder Anderen, besonders wenn die staatliche Kontrolle immer dürftiger ausfällt wegen Einsparungen aber Mehrausgaben weiergeleitet werden. Für dieses seit Jahrzenten eingefahrene Desaster sind Parteien verantwortlich, die stets das Subsidaritätsprinzip als einzige wahre Form der Leistungserbringung oder Lobbybevorteilung gesehen haben.

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