Umsatzrückgang Corona-Krise setzt Bäckereien zu - auch Sternenbäck in Schieflage

Die Corona-Krise macht auch den Bäckereien in Thüringen schwer zu schaffen. Mit Sternenbäck ist ein weiteres Unternehmen in wirtschaftliche Schieflage geraten. Die Großbäckerei teilte mit, ein Schutzschirmverfahren beantragt zu haben - eine besondere Form des Insolvenzrechts. Sternenbäck hat seinen Sitz in Baden-Württemberg und betreibt nach eigenen Angaben in 23 Thüringer Städten insgesamt 55 Filialen. Am vergangenen Wochenende hatte bereits die Erfurter Traditionsbäckerei Rüger Insolvenz anmelden müssen.

Eine Verkäuferin greift in einer Filiale einer traditionellen Bäckerei nach einem Brot.
Der Brotverkauf läuft in Thüringens Bäckereien noch, andere Ware findet dagegen weniger Abnehmer. (Symbolfoto) Bildrechte: dpa

Kunden kaufen weniger in Thüringer Bäckereien

Handwerkskammerpräsident Stefan Lobenstein sagte MDR THÜRINGEN, während des sogenannten Lockdowns hätten viele Betriebe ihre Cafés schließen müssen. Das habe zu großen Umsatzverlusten geführt. Trotz der jetzt wieder gelockerten Auflagen sei die Zahl der Café-Gäste aber immer noch begrenzt. Laut Lobenstein ging auch der Verkauf an der Theke zurück. Weil nur wenige Menschen den Laden gleichzeitig betreten dürfen, fühlten sich viele Kunden unter Druck gesetzt und kauften nur die notwendigsten Nahrungsmittel. Umsatzstarke Produkte blieben dagegen im Regal liegen. Die Betriebe hofften, dass sich die Lage in den nächsten Wochen wieder bessere.

Innung zuversichtlich für Familienbetriebe

Die Probleme bei Sternenbäck seien keine Überraschung, sagt Lutz Koscielsky. Nach Angaben des Innungsobermeisters des Thüringer Bäckerhandwerks sind zuletzt mit Siebrecht oder Frischback auch andere Großbäckerbetriebe in Schwierigkeiten geraten. Unter anderem auch, weil die Kunden genauer zwischen Industrie- und Handwerksbäckern unterscheiden würden. Laut Koscielsky hat zudem die Corona-Krise dem gesamten Handwerk schwer zugesetzt. Geschlossene Cafés hätten zu großen Umsatzverlusten geführt. Der Abverkauf von Brot und Brötchen an der Theke hat nach Einschätzung der Innung dagegen sogar zugenommen. Koscielsky erwartet bei den familiengeführten Bäckereien in Thüringen keine Pleiteserie. Die Insolvenz von Rüger in Erfurt sei eher eine Ausnahme.

Quelle: MDR THÜRINGEN/maf

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 28. Mai 2020 | 16:00 Uhr

6 Kommentare

Critica vor 6 Wochen

Ja, Crizzle, Sie haben Recht. Aber dieses Kaufverhalten hat nichts mit Corona zu tun. Eigentlich ist ein Bäcker ein Bäcker und kein gastronomischer Betrieb, nicht vor, nicht während und nicht nach Corona. Ich kaufe dort gutes Brot, gute Brötchen, guten Kuchen, gute Plätzchen und gehe damit nach Hause. Und gut.
Dann braucht ein Bäcker nur einen Bäckermeister, mehrere Gesellen, Azubis und Verkäuferinnen für ein oder mehr Geschäfte. Und dann läufts auch. Wenn ein Bäckerladen aber noch Gastronomie dabei hat und zusätzliche Angestellte und dann kommt Corona oder eine Flutwelle oder andere Katastrophen, dann ist es natürlich schlecht.

part vor 6 Wochen

Leider wird hier nicht unterschieden zwischen richtigen Handwerksbäckern und Aufbäckereien in Handelskette, die ihre gefrosteten Teigrohlinge nur in den Ofen schieben müssen. Der Unterschied zu den Discountern, die das gleiche tun ist dabei minimal. Die Qualität und Geschmacksintensität der Backwaren ist seit 1990 stetig rückläufig, wohl wegen dem Konkurrenz- und Preisdruck. Wenn Mohnkuchen kaum noch Mohn enthält oder Brötchen wie 0815 schmecken, dann sind Marktbereinigungen wirtschaftlich evolutionsbedingt bei einer Kundschaft, die gern mehr zahlen möchte für hochwertige Produkte ohne Resteangebot nach 17:00 Uhr

lobo56 vor 6 Wochen

Bisher haben die großen Bäckereiketten den Familienbäckereien mit Massenware das Leben schwer gemacht. Jetzt scheint es mal andersherum zu sein. Ich finde das nur gut so.
Der billige Massen-Einheitsteig für Brötchen, der eingefroren angeliefert wird, langsam aufgetaut ,dann nur noch in den entsprechenden Körnern gewälzt und erhitzt wird , ist eh nicht meins.
Da lieb ich mir den Bäcker um die Ecke, der seine Brötchen und den Sauerteig für's Brot selbst herstellt.
Für mich fällt das unter Marktwirtschaft ! Aber gerade die Großen jammern feste mit und möchten Steuergeschenke mitnehmen......

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